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Erinnerung an alte Büromaschinen

Herrnhut. Historische Schreib- und Rechen-technik wartet im Heimat-museum auf zahlreiche Nostalgiefreunde.

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Von Andreas Herrmann

Wilfried Kreusel aus Herrnhut erfreut sich vor allem an der Ästhetik der alten Technik und dem russischen Rechenschieber aus Leltschitzy, der in der neuen Sonderausstellung „Historische Schreib- und Rechentechnik“ zu betrachten ist, den hat er vor drei Jahren noch in Lettland gesehen. „Dort war er allerdings noch im Gebrauch“, berichtet er lächelnd. Auch bei Hans-Jürgen Berenz aus Obercunnersdorf werden beim Betrachten der alten Schreibmaschinen einige Erinnerungen wach, denn der Journalist hat das Maschineschreiben einst auf einer historischen Orga-Privat gelernt, die im Besitz seines Großvaters war.

Solch nostalgische Erinnerungen an frühere „Bürozeiten“ haben über zehn Herrnhuter, aber auch Familien von außerhalb, dem Heimatmuseum für die Zeit der Sonderschau zur Verfügung gestellt. Viele Exponate stammen aus dem Besitz der Firma Dürninger, aber auch von einer Dame aus Kottmarsdorf. Ein Ausstellungsstück kommt sogar aus Weinsberg in Baden-Württemberg, berichtet Museumsleiterin Margit Krupa. „Die Leute freuen sich doch, wenn sie etwas zeigen können, was bei ihnen zu Hause im Verborgenen schlummert“, sagt sie. Sogar im Herrnhuter Rathaus war man bei der Vorbereitung aktiv, denn dort haben Arbeitslosengeld-II-Empfänger einen alten Schreibsekretär vom Dachboden herabgeschleppt, entstaubt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Zu sehen sind nun Schreib- und Rechenmaschinen, mit denen bis in die 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts durchaus noch in den Büros der Oberlausitz gearbeitet wurde. Gezeigt werden Geräte von den Herstellern Adler, Continental und Olympia, die man zum Beispiel in Chemnitz um 1940 baute. Die in den goldenen 20er Jahren unentbehrlich gewordene Reiseschreibmaschine Erika ist ebenso vertreten wie DDR-Modelle, für die manche Leute sogar den Geschenkdienst Genex bemühten, wo kostbare Ost-Technik für harte D-Mark beim „Klassenfeind“ erworben werden konnte. Historische Rechenhilfen, die – wie auf einer der Informationstafeln erläutert – 1623 als mechanische Maschinen von einem Tübinger Professor erfunden ins Büroleben traten, runden das Ausstellungsbild ab. Dabei fehlen auch elektronische DDR-Technik der 70er Jahre aus dem Funkwerk Erfurt oder der damals sehr begehrte elektronische Taschenrechner nicht, den es manchmal als Geschenk für die Delegierten der SED-Parteitage gab.

Wer als Besucher der Ausstellung einen Sinn für das Detail oder auch für Ergonomie hat, dem wird die bildliche Darstellung eines kaufmännischen Büros aus dem Jahr 1838 auffallen. Das Zimmer eines Chefs, der vielleicht wegen der vielen Arbeit bei Nacht gleich eine Schlafcouch mitgebracht hat, ist da abgebildet. An einem Schreibpult arbeiten die Menschen von damals im Gegensatz zu heute durchaus rückenschonend im Stehen. Die Pendelleuchte sorgt für gesundes und ausreichendes Licht im Großraumbüro, wo sogar eine Kerze erlaubt ist, denn schließlich mussten geschriebene Briefe oder amtliche Rechnungen vor dem Versand ja auch ordentlich versiegelt sein.

Zu sehen ist die neue Ausstellung im Herrnhuter Heimatmuseum bis zum 10. Juli.