merken
PLUS

Freital

Erinnerungen an eine Tragödie

Vor 150 Jahren starben bei einem Grubenunglück 276 Bergleute. Ein Freitaler Verein plant nun eine besondere Gedenkfeier.

Wieland Büttner steht dem Bergbau- und Hüttenverein vor, der am Bergmannsdenkmal auf dem Windberg an ein schweres Grubenunglück erinnern möchte.
Wieland Büttner steht dem Bergbau- und Hüttenverein vor, der am Bergmannsdenkmal auf dem Windberg an ein schweres Grubenunglück erinnern möchte. © K.-L. Oberthür

Die Rose ist noch frisch. Sie steht unter der Tafel mit den Namen der Toten vom Segen-Gottes-Schacht. Wem die Blume gilt, ist nicht ersichtlich. Sie zeigt aber, dass etwas nicht vergessen ist und immer noch nachwirkt, auch wenn seitdem fast 150 Jahre vergangen sind. Am 2. August 1869 ereignete sich nahe des Windbergs das schwerste Grubenunglück, das es je im sächsischen Steinkohlebergbau gab. 276 Bergleute kamen dabei ums Leben. „Es war eine Tragödie unbeschreiblichen Ausmaßes für die betroffenen Familien und die ganze Region“, sagt Wieland Büttner.

Er ist der Vorsitzende des Bergbau- und Hüttenvereins Freital. Büttner und seine Mitstreiter planen anlässlich des 150. Jahrestages des Grubenunglücks eine große Gedenkfeier und weitere Veranstaltungen.

Anzeige
Gemeinsam allem gewachsen

Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Jener 2. August war ein Montag, die Bergleute fuhren in aller Frühe in die untertägig verbundenen Gruben des Segen-Gottes-Schachts und des Neuhoffnung-Schachts in 490 Meter Tiefe ein. Zu dem Zeitpunkt fanden Sanierungsarbeiten am Neuhoffnung-Schacht statt, Teile des Schachtes waren mit Holzbühnen abgedeckt. Demzufolge funktionierte die Luftzirkulation – die Bergleute sprechen von Bewetterung – der beiden Gruben nicht gut. Um saubere Luft in die Bergwerke zu leiten, waren Ventilatoren aufgebaut, die aber nicht leistungsfähig genug waren. So hatte sich über den Sonntag ausgetretenes Methangas gesammelt. Als die ersten Bergleute mit ihren offenen Geleuchten, kleinen Öllampen, in der Tiefe eintrafen, kam es zum Unglück: Eine sogenannte Schlagwetterexplosion fuhr durch die Stollen.

Die Männer hatten keine Chance. Sie verbrannten, erstickten oder wurden von herabfallenden Gesteinsbrocken erschlagen. Nur fünf Leute konnten sich retten: Drei flüchteten über eine Tagesstrecke, die am Burgker Schloss ins Freie führte. Zwei weitere Männer waren bei Schichtbeginn noch so dicht unter der Oberfläche, dass sie schnell wieder ausfahren konnten.

Für die Hinterbliebenen der 276 toten Arbeiter – die Jüngsten waren 15, der Älteste 65 – war das Unglück eine emotionale wie finanzielle Katastrophe.

Die Angehörigen waren derart aufgebracht, dass die sächsische Regierung das Militär schickt, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. „Bei den damaligen sozialen Verhältnissen kann man davon ausgehen, dass weit mehr als 1 000 Menschen direkt oder indirekt vom Tod der 276 Bergmänner betroffen waren“, sagt Büttner. Zwar gab es eine große Spendenbereitschaft und sogar einen Hilfsfonds, aber wiedergutmachen konnten die Grubenbesitzer das Unglück nicht.

Der Großteil der Toten wurde in einem Massengrab nahe des Neuhoffnungsschachtes beigesetzt. Dort steht heute das Bergmannsdenkmal. Am 4. August soll hier eine große Gedenkveranstaltung stattfinden. 100 Bergleute aus dem Erzgebirge haben sich bereits angesagt, sie wollen in historischer Tracht kommen und eine Kapelle mitbringen. Der Pesterwitzer Pfarrer Matthias Koch wird eine Andacht halten, zahlreiche Offizielle sind eingeladen. Wieland Büttner hofft auch auf viele Freitaler. Die verunglückten Bergleute lebten in Kleinnaundorf, Niederhäslich, Potschappel, Deuben, Döhlen, Pesterwitz und darüber hinaus. Dass das Grubenunglück hier in manchen Familien immer noch nicht vergessen ist, sieht man an der Rose.

www.bergbauverein-freital.de

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

Und unseren ebenfalls kostenlosen täglichen Newsletter abonnieren Sie unter www.sz-link.de/freitalkompakt