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Erksdorfer Kritik an geplanter Straßenumbenennung

Der Ortsteil hat wenig Lust auf neue Namen. Liegau sieht das anders. Wie wohl auch eine Mehrheit im Stadtrat.

Von Jens Fritzsche

Mit all seiner Masse, sagt Roland Schmidt mit einem Schmunzeln, wolle er sich gegen die Umbenennung von Straßen in Großerkmannsdorf stemmen. Doch auch, wenn er dabei in Anspielung auf seine Körpermaße schmunzelt – der Großerkmannsdorfer Bauunternehmer meint es bitterernst.

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Roland Schmidt sitzt bekanntlich auch im Ortschaftsrat und dort musste Mittwochabend eine Entscheidung gefällt werden: Sollen in Radeberg und den Ortsteilen mehrfach vergebene Straßennamen verschwinden? Allein die Hauptstraße gibt es gleich viermal – und das unter derselben Postleitzahl. Seit Jahren kommt es deshalb mit Navigationsgeräten, bei Einträgen im Internet und auch bei der Postzustellung zu erheblichen Verwirrungen. Der Radeberger Gewerbeverein hatte sich gleich mit zwei offenen Briefen an die Stadt gewandt, das Problem endlich zu lösen. Denn immer wieder hatten Händler und Unternehmen auf dringende Post gewartet, die verspätet eintraf. Doch zunächst hatte die Stadt erklärt, nichts ändern zu wollen. Der Aufwand für die Betroffenen sei einfach zu hoch. Mittlerweile gibt es ein Umdenken. Auch, weil es OB Gerhard Lemm (SPD) gelungen ist, nach Gesprächen mit dem Landratsamt die Kosten für die Bürger drastisch zu minimieren. Die Stadt darf die Ausweise der betroffenen Bürger nun kostenlos ändern – und die Zulassungsstelle des Landkreises verlangt für einen neuen Fahrzeugbrief nicht die üblichen elf Euro, sondern nur 50 Cent. Zudem wurde ein Modus gefunden, der die Umbenennung weitgehend fair regelt – und der dazu führt, dass nicht nur in den Ortsteilen, sondern auch in Radeberg Straßen umbenannt werden. Denn dort, wo die meisten Anwohner an einer betroffenen Straße wohnen und die meisten Gewerbeunternehmen zu finden sind, bleibt alles wie es ist.

In Großerkmannsdorf hält sich die Begeisterung über die Pläne dennoch in wirklich überschaubaren Grenzen. Denn bis auf Ortschaftsrat und Gastwirt Thomas Müller („Bei uns kommen immer wieder mal Gäste an, die sich zuvor arg verfahren haben!“) stimmten alle Räte kategorisch mit Nein. Roland Schmidt verwies darauf, dass für ihn der Name Hauptstraße auch ein Stück Heimat sei. Und machte klar: „Wir als Firma haben das mal durchgerechnet; uns kostet der Spaß runde 25 000 Euro …“

Zeitgleich saß auch der Ortschaftsrat in Liegau-Augustusbad zusammen. Und Liegaus Ortsvorsteher Gabor Kühnapfel (SPD) sagt gelassen: „Wir sehen die Sache sehr pragmatisch – wir werden auf Dauer einfach nicht herumkommen, das Thema anzupacken und das Problem zu lösen.“ Aus Liegau kommt damit also ein Ja. „Über das Wie müssen wir im zweiten Schritt aber noch reden“, macht Ortsvorsteher Kühnapfel allerdings klar. „Man sollte beispielsweise nicht nur die Anwohner zählen, sondern auch schauen, in wie vielen Haushalten leben sie – und bei einem Gleichstand, sollte dann ein Gewerbeschlüssel gefunden werden“, schlägt der Ortsteil Liegau vor.

Aber zunächst geht es ja „nur“ um einen Grundsatzbeschluss. Also um die Frage, soll das Thema angegangen werden oder nicht. Derzeit steht es also nach Ortsteilen 1:1. Am Mittwoch trifft sich der Ortschaftsrat Ullersdorf – und von dort gab es bereits in einer früheren Ortschaftsratssitzung ein zustimmendes Signal. Das dürfte wohl auch kommenden Mittwoch noch einmal bestätigt werden. Dann wird sich Ende des Monats auch der Stadtrat mit dem Thema befassen. Und die Großerkmannsdorfer ahnten während der Debatte schon, „dass wir wohl keine Mehrheit mit unserer Sicht haben werden“, so Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher Harry Hauck (Freie Wähler). Spannend bleibt es aber dennoch. Geplant ist, Ende März die ersten neuen Straßennamenvorschläge zu besprechen.