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Erlebnisgastronomie auf Napoleons Spuren

Kittlitz. Nach acht Jahren Pause wird die traumhaft in der Georgewitzer Skala gelegene „Gemauerte Mühle“ wieder eröffnet.

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Von Daniela Pfeiffer

Jahrelang hatte sie im Dornröschenschlaf gelegen – die Gaststätte „Gemauerte Mühle“ in der Georgewitzer Skala bei Oppeln. Am kommenden Montag wollen Bernd Engelmann und seine Lebensgefährtin Elfriede Thomas erstmals seit acht Jahren wieder Gäste bei sich begrüßen.

„Nach der Wende kam kaum noch jemand. Viele sind ins Ausland gereist“, erklärt Bernd Engelmann, warum damals geschlossen wurde. „Jetzt, wo durch die Arbeitslosigkeit kaum noch Geld da ist, beobachten wir, dass der Wanderverkehr wieder zunimmt.“ Und das will sich das Paar zunutze machen. In der frisch renovierten Gaststätte, auf der Sommerveranda und im Biergarten, der auf der Wiese eingerichtet wird, sollen zunächst Getränke und ein kleiner Imbiss angeboten werden. „Das wird sich aber ändern, sobald wir eine passende Köchin gefunden haben“, so Bernd Engelmann.

Über mangelnde Gäste macht sich der 55-Jährige keine Sorgen. Er setzt nämlich auf Erlebnisgastronomie. Zwar ist die alte Mühle, die 1625 zum ersten Mal erwähnt wurde, 1885 niederbrannte und 1891 als Gaststätte „Zur Skala-Mühle“ eröffnet wurde, schon als solche eine Attraktion. Doch Hobbyhistoriker Engelmann hat noch weitere Trümpfe: Wer zur „Gemauerten Mühle“ in das idyllische Skalatal wandert, wandelt gleichzeitig auf Napoleons Spuren. Denn hier im geschützten Tal sollen die Truppen des französischen Eroberers 1813 ein Biwak abgehalten haben – ein Lager zur Erholung der Soldaten.

Napoleon ist Engelmanns Leidenschaft. Überall im Haus finden sich Anzeichen dafür: historische Bilder, Waffen aus der damaligen Zeit, Uniformen. Eine militärische Szene ist groß auf ein Nebengebäude gemalt worden und begrüßt die ankommenden Gäste.

Im Nebengebäude plant Engelmann noch immer ein Museum über die Napoleon-Zeit, die er im vergangenen Jahr mit einem großen Biwak nachgestaltet hat. Das hat den Bekanntheitsgrad der Mühle gesteigert, ist sich Engelmann sicher. „Die Leute fragen schon immer, ob es wieder ein Biwak geben wird.“ Und das wird es tatsächlich, nämlich am ersten Septemberwochenende. „Wir rechnen mit 1 000 bis 1 500 Besuchern“, so der Wirt.

1 000 Jahre alte Straße im Hof

Geschichtsträchtig ist die Mühle außerdem, weil genau durch ihren Hof vor 1 000 Jahren die „antiqua strada“ führte – eine Straße, die damals die Burgwarte der Region miteinander verbunden hat. So auch den Kittlitzer Burgwart mit dem in Jauernick-Buschbach. Stolz zeigt Engelmann das Stück Hohlweg, das noch aus dieser Zeit stammen soll. Gemeinsam mit dem Kittlitzer Heimatforscher Heinz Noack hat Bernd Engelmann die Geschichte von Mühle und Umgebung erforscht. Gern will er sie interessierten Gästen erzählen. Anschauungsmaterial hat er genug: Historische Postkarten, eigens gemalte Bilder vom Burgwart und sogar Pläne aus dem Löbauer Stadtarchiv von 1899, nach denen die Mühle zu einem Kurhotel umgebaut werden sollte.

Doch auch für kleinere Gäste kann der Ausflug zur Mühle, die mitten im Naturschutzgebiet liegt, zum Erlebnis werden. Gänse, Schafe, Hühner und nicht zuletzt die liebe Riesenschnauzer-Hündin Maxi dürfen gestreichelt werden. Neu angebracht hat Engelmann außerdem Glasvitrinen mit Modellen von heimatlichen Vögeln. „Wir wollen unseren Gästen auch den Naturschutz nahe bringen“, erklärt er.

Öffnungszeiten ab 23. Mai: täglich, außer Mittwoch und Donnerstag, 11 bis 18 Uhr.