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Dresden

Ermittler machen viel Blut sichtbar

Ein 56-Jähriger soll seine beiden Töchter ermordet haben. Jetzt haben Sachverständige berichtet, wie die Kinder starben.

Justizbeamte nehmen dem Angeklagten Eduardo A. zum Prozessauftakt Ende März die Handschellen ab.
Justizbeamte nehmen dem Angeklagten Eduardo A. zum Prozessauftakt Ende März die Handschellen ab. © Sven Ellger

Die Fotos sind nichts für schwache Nerven. Mehrere Stunden lang flimmerten die Bilder der toten Mädchen am Landgericht Dresden über einen Bildschirm. Der Öffentlichkeit bleibt die Ansicht erspart. Prozessbeteiligte jedoch müssen hinschauen. Vor allem den beiden Schöffen war anzusehen, dass es sich um keine leichte Kost handelte.

Eduardo A., ein 56-jähriger Krankenpflegehelfer aus Mosambik, steht seit Ende März wegen zweifachen Mordes vor der Schwurgerichtskammer. Am 28. Juli 2018 soll er seine drei und sechs Jahre alten Töchter aus Rache an der von ihm getrennt lebenden Mutter getötet haben – laut Staatsanwalt Till von Borries heimtückisch, brutal und aus niederen Beweggründen. Der Angeklagte hat sich weder gegenüber der Polizei noch im Gerichtssaal zu den Vorwürfen geäußert. Doch die Beweislage ist erdrückend. Als Polizisten im Auftrag der Mutter die beiden Kinder in A.s Wohnung Am Gorbitzbach abholen wollten, entdeckten die Beamten die beiden toten Mädchen. Sie lagen in A.s Schlafzimmer unter einer Decke.

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A., der von Nachbarn als sympathischer und freundlicher Mann beschrieben wurde, muss seine Wohnung nach der Tat gereinigt haben. Die Polizeibeamten hatten vor dem grausamen Fund keinen Verdacht auf eine Gewalttat. Erst dann sahen sie auf A.s Armen kleine Blutspritzer und nahmen den 56-Jährigen, der erheblich alkoholisiert war, fest.

Ein unbekanntes Schlagwerkzeug

Etwa einen Monat später änderte sich das Bild. Kriminaltechniker hatten mithilfe von Luminol in der Wohnung Blutspuren sichtbar gemacht. Sie fanden unter dem blauen Licht viele Spritzer, Tropfen und verwischte Anhaftungen, die belegen, dass reichlich Blut geflossen und nach der Tat ordentlich sauber gemacht worden war. Tatort war das Schlafzimmer. Die Blutspuren in den anderen Räumen der Vierzimmerwohnung waren nach Einschätzung des Sachverständigen beim Reinigen verbreitet worden. Das berichtete Ralf Nixdorf, Chef der DNA-Analytik des Kriminaltechnischen Instituts am Landeskriminalamt, als Sachverständiger.

Das ältere Mädchen war offenbar bewusstlos geschlagen worden, ehe ihm die Kehle durchgeschnitten wurde. Das jüngere Mädchen starb durch massive Schläge auf den Schädel. Als Werkzeug diente offenbar eine Gymnastikkeule aus Holz. A. soll zwei Keulen aus der Klinik entwendet haben, in der er bis zu seiner Verhaftung gearbeitet hatte. Die Formen der Wunden passen zu dem sichergestellten Sportwerkzeug. Allerdings wurden bei den Verletzungen am Kopf des dreijährigen Kindes auch gleichartige Muster festgestellt, die weder zu den Gymnastikkeulen noch anderen Gegenständen aus der Wohnung passten, sagte Rechtsmediziner Uwe Schmidt.

Das Schwurgericht wird am Freitag weitere Zeugen befragen, um die Tatumstände genauer herauszuarbeiten. Verteidiger Matthias Ketzer beantragte unter anderem, einen Freund des Angeklagten erneut zu vernehmen. Möglicherweise wird sich auch ein psychiatrischer Gutachter noch mit A.s Zustand befassen. Am 14. Mai ist mit den Plädoyers zu rechnen.