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Ermittlungen nach Nazi-Skandal bei Dynamo-Spiel

Zwei Männer tragen T-Shirts mit einem Aufdruck, der an SS-Symbolik erinnert. Jetzt haben sich Polizei und DFB eingeschaltet.

Die Ordner mit den T-Shirts und der eindeutigen Botschaft.
Die Ordner mit den T-Shirts und der eindeutigen Botschaft. © twitter

Die Welle der Empörung ist groß. Bundesweit berichteten am Montag Medien über die Vorfälle beim Zweitligaspiel zwischen Dynamo und dem FC St. Pauli. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ermittelt genauso wie die Polizei Dresden. Und der Verein prüft gemeinsam mit seinem Sicherheitsdienstleister juristische Schritte.

Was war passiert? Zwei Ordner hatten sich am Samstag geweigert, im Sitzplatzbereich direkt neben dem Fanblock von St. Pauli riesige Deutschlandfahnen zu entfernen. Die hatten mehrere Zuschauer entlang eines Treppenaufganges hochgehalten – offensichtlich, um die als politisch links geltenden Pauli-Fans zu provozieren. Dabei kam es auch zu einer kurzen Schlägerei.

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Nach Darstellung des Vereins wurden die beiden Ordner nach ihrer Weigerung vom Leiter des Sicherheitsdienstes vom Dienst freigestellt. Die Männer zogen daraufhin ihre orangefarbenen Westen aus und stellten damit ihre T-Shirts zur Schau. Auf denen war unter einem Totenkopf, der in seiner Gestaltung stark an das Symbol der einstigen 3. Panzer-Division der SS erinnert, zu lesen: „3. Division für Sicherheit des deutschen Volkes.“

Neben dem St.-Pauli-Block provozierten einige Zuschauer mit Deutschland-Fahnen die als links geltenden Gästefans. Es kam zu einer kleinen Schlägerei. 
Neben dem St.-Pauli-Block provozierten einige Zuschauer mit Deutschland-Fahnen die als links geltenden Gästefans. Es kam zu einer kleinen Schlägerei.  © dpa/Robert Michael

Die Polizei Dresden erklärte auf SZ-Nachfrage, dass gegen die beiden nach Paragraf 86a Strafgesetzbuch wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt wird. Dynamo lässt sich derzeit, gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst, juristisch beraten, ob eine Klage gegen die Ordner, etwa auf Zahlung von Schadensersatz, möglich ist. „Unabhängig davon: Der Imageschaden ist für uns enorm“, erklärte Pressesprecher Henry Buschmann.

Der Verein hatte sich in einer am Sonntagabend verbreiteten Mitteilung erschüttert über den Vorfall gezeigt. „Wir sind fassungslos darüber, weil diese beiden Personen unseren Verein schwer beschädigt haben. Diese beiden Ordner werden nie mehr direkt oder indirekt bei Veranstaltungen der SG Dynamo Dresden eingesetzt“, teilte der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born mit.

Ordner sprangen kurzfristig ein

Die Schwarz-Gelben arbeiten seit der Saison 2015/2016 bei Heimspielen mit der Firma Power Personenobjekt-Werkschutz GmbH zusammen. „Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst, auch wenn er in dieser Form zum ersten Mal in der Zusammenarbeit mit unserem Sicherheitsdienstleister aufgetreten ist“, so Born. „Wir sind davon überzeugt, dass die Sicherheitsfirma die richtigen Konsequenzen aus den Vorkommnissen ziehen wird. Sowohl unser Dienstleister als auch wir als Verein stehen unmissverständlich für Humanität und Menschlichkeit sowie gegen Rassismus und Diskriminierung ein“, erklärte der Geschäftsführer.

Die beiden Ordner waren jedoch nicht bei der Firma Power angestellt, sondern einem anderen Sicherheitsdienst. „Wir müssen bei solchen Einsätzen regelmäßig auf Partnerunternehmen zurückgreifen“, erklärte der Unternehmenssprecher von Power, Carsten Klauer, der SZ. „In diesem Fall sind die beiden Männer auch sehr kurzfristig eingesprungen. Sie werden auf keinen Fall mehr von uns beauftragt.“

Es blieb nicht der einzige Zwischenfall am Rande des Spiels, das 3:3 endete. Im Dresdner Fanblock wurden mehrere „frauenfeindliche und menschenverachtende Spruchbänder“, wie es in der Mitteilung heißt, gezeigt. Auch diese verurteilte der Verein und werde sie nicht akzeptieren. „Ich habe persönlich direkt nach dem Spiel beim Präsidenten von St. Pauli, Oke Göttlich, um Entschuldigung gebeten“, so Born, der von „verabscheuungswürdigen Vorkommnissen“ sprach.

Transparente, Spruchbänder und Choreografien müssen eigentlich im Vorfeld von der Geschäftsführung genehmigt werden. „Das waren sie in diesem Fall natürlich nicht“, erklärte Buschmann. Bleibt die Frage, wie sie ins Stadion gelangen konnten. Dies zu verhindern, sei nahezu unmöglich, so Buschmann. „Man kann sie sich zum Beispiel um den Bauch wickeln. Wie will man das dann kontrollieren?“

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Beim nächsten Treffen mit den Fanvertretern sollen die Vorfälle aufgearbeitet werden, kündigte Born an. Gegenseitige Provokationen zwischen Anhängern von Dynamo und St. Pauli haben inzwischen schon Tradition. Bei den Duellen der beiden Vereine werden immer wieder geschmacklose Spruchbänder gezeigt.

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