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Erneut Missbrauchsfall aus Ebersbach vor Gericht

Ein Mann soll sich an Tochter und Sohn seiner Lebensgefährtin vergangen haben – vor mehr als zehn Jahren.

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Von Frank Thümmler

Ebersbach. Erst vor knapp drei Wochen ist ein Pakistaner vom Landgericht Görlitz wegen schweren sexuellen Missbrauchs der Tochter seiner damaligen Ebersbacher Lebensgefährtin zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden – 14 Jahre nach den vorgeworfenen 33 Taten und nahezu ausschließlich aufgrund der Zeugenaussage des Opfers. Der Verteidiger hatte Freispruch gefordert und Revision angekündigt.

Seit gestern ist nun ein vergleichbarer Fall vor Gericht, der ebenso in Ebersbach spielt und sich vor mehr als zehn Jahren zugetragen haben soll. Angeklagt ist ein heute 55-jähriger Deutscher, dem eine Tat an dem damals 14-jährigen Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin und insgesamt 48 Taten an deren Tochter vorgeworfen werden.

Den Fall mit dem Sohn räumt der Angeklagte, der ab 1996 insgesamt acht Jahre mit der Mutter der Kinder zusammenlebte, ein und schildert ihn als sexuelle Aufklärung. Er habe ein vertrauensvolles Verhältnis zu dem Jungen gehabt. Als das Gespräch auf Samenerguss und Masturbation kam, habe er ihn gefragt, ob er wisse, wie das geht. Als ein „Nein“ kam, habe er es ihm gezeigt und an dem Jungen manipuliert, bis er zum Samenerguss kam. „Das war sicher nicht richtig. Aber das hat mein Vater mit mir auch so gemacht. Und ich hatte zu dem Jungen auch nach dieser einmaligen Geschichte ein gutes Verhältnis“, so der Angeklagte.

Die Vorwürfe, sexuelle Handlungen an der Tochter vorgenommen zu haben, wies er zurück. Er könne sich die Vorwürfe nicht erklären, deutete aber an, vielleicht stellvertretend für einen ganz anderen vor Gericht zu stehen.

Laut Anklage soll derjenige das Mädchen sexuell missbraucht haben, seit es sieben Jahre alt war. Zunächst mit Streicheln über Po und Geschlechtsteil, einmal durch Drauflegen und einmal durch Analverkehr. Der letzte Vorwurf ist der härteste. Im Strafgesetzbuch ist er als schwerer sexueller Missbrauch von Kindern verankert. Eine solche Tat zieht eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren nach sich.

Schon am ersten Verhandlungstag wird deutlich, wie schwer es nach so vielen Jahren ist, die Wahrheit herauszufinden. Als Zeugin hat die damalige Lebensgefährtin und Mutter der Kinder ausgesagt. Sie beschreibt ein insgesamt normales Verhältnis der Kinder zu ihrem Partner, der die Vaterrolle übernommen hatte. An auffällige Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder kann sie sich nicht erinnern. Vielmehr sei sie geschockt gewesen, als sie vom Mann ihrer Cousine im Frühling 2004 von den Vorwürfen gehört hatte. Dann allerdings setzt das Erinnerungsvermögen der Frau vor Gericht aus. Sie weiß nicht mehr, was sie konkret vom Mann ihrer Cousine erfahren hatte. Sie kann weder sagen, ob sie jemals mit ihrer Tochter über den Missbrauch gesprochen und was sie gesagt hatte, noch, wie ihr Lebensgefährte auf die Vorwürfe reagierte. Dass sie bei einer psychologischen Beratungsstelle Hilfe gesucht hatte, daran erinnert sie sich noch. Von dort aber sei folgender Rat gekommen: „Wenn Sie sich nicht sicher sind, dann machen Sie keine Anzeige.“ Ihre Tochter habe weder Beratung noch Anzeige gewollt. Erst vor gut zwei Jahren sei sie zur Polizei gegangen. Ihre Mutter und der Angeklagte hatten ihre bereits kriselnde Beziehung schon lange, unmittelbar nach den Vorwürfen im Jahr 2004, beendet.

Das Gericht plant insgesamt fünf Verhandlungstage ein. Das Verfahren wird am Freitag fortgesetzt.