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Bischofswerda: Autobrand wurde gelegt

Erneut ging ein Fahrzeug in Flammen auf. Die Polizei bestätigt: Der Vorfall ist höchstwahrscheinlich Teil einer Serie, die die Stadt seit drei Jahren verunsichert.

Der Kleinbus, der in der Nacht zu Dienstag in Bischofswerda brannte, ist nur noch Schrott.
Der Kleinbus, der in der Nacht zu Dienstag in Bischofswerda brannte, ist nur noch Schrott. © Rocci Klein

Bischofswerda. Gegen 2 Uhr war für eine junge Bischofswerdaerin die Nacht am Dienstag zu Ende. Polizisten klingelten an ihrer Wohnungstür und informierten sie, dass ihr Kleinbus abgebrannt sei. "Ans Schlafen war danach nicht mehr zu denken", sagt die 28-Jährige, die darum bittet, ihren Namen nicht in der Zeitung zu schreiben.

Wie jeden Abend hatte sie ihr Auto am Montag an der Straße Zum Wiesengrund abgestellt. Am Dienstag gegen 1.35 Uhr wurde der Brand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Die Feuerwehrleute konnten den Brand schnell löschen. Retten konnten sie das erst knapp zwei Jahre alte Fahrzeug vom Typ Opel Vivaro nicht mehr. Es brannte zu großen Teilen aus. Nach Angaben der Polizei hatte das Fahrzeug einen Zeitwert von 23.000 Euro.

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Das Feuer in der Nacht zum Dienstag ist das vorerst letzte Glied einer Serie unaufgeklärter Fahrzeugbrände, die seit drei Jahren die Stadt Bischofswerda und umliegende Orte erschüttert. Mittlerweile gibt es rund 20 Fälle - aber noch immer keinen überführten Täter. Nach Berechnungen von Sächsische.de liegt der Gesamtschaden bei rund einer halben Million Euro.

Zweijähriger Kleinbus ist nur noch ein Wrack

Im April 2018 brannte es sogar auf der selben Straße wie jetzt, nur wenige Meter vom aktuellen Tatort entfernt. Auch damals traf es einen Opel, allerdings einen Kleinwagen.

Sie fahre viel und habe einen großen Hund, berichtet die Bischofswerdaerin. Deshalb habe sie sich für einen Kleinbus mit Dieselmotor entschieden. Sie arbeitet außerhalb. Schon dafür braucht sie das Auto, um zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen. Am kommenden Sonnabend wollte sie mit dem Bus in den Urlaub fahren. "Daraus wird nun nichts. Da werden wir ein kleineres Auto nehmen müssen", erzählt sie.

Erst im August 2018 war der Kleinbus zugelassen worden. Zum Glück hat die Eigentümerin eine Vollkasko-Versicherung. "Man denkt, man ist da in Sicherheit", sagt sie - und verhehlt nicht, dass sie nach den ersten Erfahrungen vom Dienstagmorgen enttäuscht ist. Denn zum Schaden kommt nun auch noch die Lauferei mit der Versicherung und den Behörden.

An diesem Mittwoch wolle die Versicherung einen Gutachter vorbeischicken, berichtet die Fahrzeugeigentümerin. Von der Polizei sei sie jedoch aufgefordert worden, das Auto noch am Dienstag abtransportieren zu lassen, sobald es der Brandursachenermittler untersucht habe. "Was braucht es da noch einen Gutachter von der Versicherung?", fragt sie verständnislos. "Es gibt ein Aktenzeichen bei der Polizei, und jeder sieht doch, dass das Auto Totalschaden hat."

Der Motorraum ist vollkommen ausgebrannt. Die Scheiben sind zerborsten. Am Lack sind Brandspuren. Das ist nur das, was oberflächlich an dem Wrack auch von einem Laien zu erkennen ist.

Die Kriminalpolizei ermittelt

Die Versicherung habe ihr ein Zeitfenster von 8 bis 16 Uhr für den Gutachter genannt. "Das sind acht volle Stunden, für mich ein ganzer Arbeitstag, den ich frei nehmen muss", sagt die junge Frau. Als sie darum bat, ihr eine verbindliche Zeit zu nennen, bekam sie zu hören, dass es dann noch länger dauern könne, bis der Gutachter überhaupt kommt.

Rot-Weißes Flatterband sperrt den Tatort ab. Am Dienstagvormittag kommt ein Transporter von der Kriminaltechnik, um Spuren zu sichern. Vor Ort ist zu dieser Zeit noch ein Trupp von der freiwilligen Feuerwehr Bischofswerda. "Wir warten, bis die Spezialfirma kommt, die den Platz reinigt", sagt der Einsatzleiter und zeigt auf eine große Öllache am Rand - eine Mischung aus Löschwasser und vermutlich ausgelaufenem Motorenöl. Auf dem Fußweg zur Wesenitzbrücke hat die Feuerwehr bereits das Öl gebunden.

Am frühen Nachmittag teilt die Polizeidirektion in Görlitz mit, was in Bischofswerda längst schon keinen mehr überrascht: Offenbar setzten unbekannte Täter den Opel in Brand. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen übernommen.

Die Brandserie verunsichert die Bischofswerdaer immer mehr. Jeden kann es treffen - egal, welche Automarke er fährt und wo er sein Auto abstellt. Öffentliche Parkplätze, enge Innenstadtstraßen, selbst Carports, die unmittelbar an ein Wohnhaus grenzen, waren schon Ziele des oder der Brandstifter.

Lichterloh stand der Kleinbus in Flammen, als die Feuerwehr eintraf.
Lichterloh stand der Kleinbus in Flammen, als die Feuerwehr eintraf. © Rocci Klein

Flammen und Löschwasser vernichten Spuren

Die Polizei informiert regelmäßig über diese Vorfälle. Sie hält sich aber aus taktischen Gründen mit Informationen zu den Ermittlungen zurück. Auch um dem Täter beziehungsweise den Tätern nicht in die Hände zu spielen oder Informationen preis zugeben, die dadurch vor Gericht entwertet werden könnten.

Insbesondere bei der Bearbeitung von Branddelikten seien die Ermittler auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, sagt Polizeisprecher Kai Siebenäuger. Denn gerade bei Bränden werden meist viele Spuren durch die Flammen und das Löschwasser vernichtet.

Vom Kleinbus am Wiesengrund ist außer der Karosse nicht mehr viel übrig geblieben. "Schade ums Auto. Aber ändern kann ich es nicht", sagt die Besitzerin. Wie viele in Bischofswerda wünscht auch sie sich, dass der Brandstifter bald gefunden wird. 

Der Beitrag wurde am 30. Juni um 15.30 Uhr aktualisiert.

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