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So geht es am Dresdner Klinikum weiter

Die Sozialbürgermeisterin hat sich am Mittwoch zu Entlassungen und einer Privatisierung positioniert. Außerdem holt sich die Stadt nun Hilfe von außen.

Schafft es das Städtische Klinikum in Dresden aus den roten Zahlen? Bis zum Herbst soll ein Zukunftskonzept feststehen.
Schafft es das Städtische Klinikum in Dresden aus den roten Zahlen? Bis zum Herbst soll ein Zukunftskonzept feststehen. © Ronald Bonß

Dresden. Die Unsicherheit bei den Mitarbeitern sei unglaublich hoch, fasste Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) die Stimmung im städtischen Klinikum am Mittwoch zusammen. So hoch, dass mehrere Mitarbeiter über zwei Stunden vorm Sitzungssaal im Rathaus ausharrten. Auf der Tagesordnung stand die Zukunft der städtischen Krankenhäuser – ihrer Arbeitsplätze.

Einen Verlust von rund neun Millionen Euro soll das Städtische Klinikum im vergangenen Jahr gemacht haben. So hieß es noch vor wenigen Wochen. Inzwischen ist von mehr die Rede. Wie hoch genau das Minus ausgefallen ist, wird derzeit noch durchgerechnet. Fest steht: Seitdem die beiden Krankenhäuser Friedrichstadt und Neustadt zu einem Eigenbetrieb verschmolzen sind, läuft es wirtschaftlich alles andere als rund. Die Fusion, die es auf dem Papier gibt, ist in der Realität derart ins Stocken geraten, dass es immer noch viele Parallelstrukturen gibt, etwa die komplette elektronische Datenverarbeitung.

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Auch bei den Behandlungen ist offenbar mehr drin. Die Stadt spricht von einem besseren OP- und Patienten-Entlass-Management, das nötig sei. Aus Mitarbeiterkreisen ist zu hören, des Öfteren fehle es an Schwestern und Pflegern für die Operationssäle, sodass mehr Eingriffe am Tag kaum möglich wären.

Kaufmann fühlt sich weiter an Bürgerentscheid gebunden

„Wir müssen unser Personal besser organisieren und zielgenauer einsetzen“, sagte Kaufmann. Wie das klappen soll, damit werden sich in den nächsten sieben Monaten sehr viele Menschen beschäftigen. Der Gesundheitsausschuss beauftragte am Mittwoch die Stadtverwaltung, die Leitung des Klinikums sowie die Unternehmensberater der Firma Ernst & Young, bis zum 30. September ein wirtschaftlich tragfähiges Betriebskonzept für die Krankenhäuser zu erarbeiten. Ein 21-köpfiges Team soll sie beratend begleiten. Es wird aus sieben Vertretern der Stadtratsfraktionen, aus Chefärzten und Personalräten sowie Angehörigen der Stadtverwaltung und des Klinik-Direktoriums bestehen. Dafür werden 500.000 Euro ausgegeben.

Eines stellte Kaufmann aber klar: Es werde weder betriebsbedingte Kündigungen geben, noch würden die Tarifverträge für die Beschäftigten angetastet. Auch werde das Klinikum ein städtischer Eigenbetrieb bleiben, also nicht privatisiert – auch nicht teilweise. Man sehe sich weiterhin an Bürgerentscheid von 2012 gebunden. Es klang wie ein Versprechen gegenüber den Mitarbeitern, die Kaufmann gegenüber saßen.

Das Begleitteam war allerdings der Stein des Anstoßes einer recht langen Debatte im Ausschuss. Zu groß sei die Gruppe, als dass sie effizient arbeiten könne, argumentierte CDU-Stadträtin Silvana Wendt. Viola Vogel (SPD) hinterfragte den zusätzlichen Arbeitsaufwand für die ehrenamtlich tätigen Stadträte. Eineinhalb bis zwei Stunden soll das Team monatlich zusammenkommen. Darüber hinaus müssten die Fraktionskollegen regelmäßig über die Sitzungen unterrichtet werden. Jens Genschmar von den Freien Wählern machte deutlich, dass es ihm am liebsten wäre, wenn die Stadtverwaltung ihm drei Lösungsvorschläge präsentieren würde und dann der Stadtrat darüber abstimme.

Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe lobte hingegen die Möglichkeit, dass viele betroffene Gruppen am Zukunftskonzept mitarbeiten dürften. „Es wird nicht mehr der Geschäftsleitung allein überlassen, ein strategisches Zukunftskonzept zu entwerfen.“

"Ob Krankenhaus gut ist, erkennt man bei Epidemien"

Bis zum 15. April sollen dem Begleitteam verschiedene Zukunftskonzepte samt Kosten präsentiert werden – in einer vertraulichen, also nicht öffentlichen Sitzung. Ende September wollen die Berater von Ernst & Young sowie das Begleitteam zum Abschluss kommen, sodass – vorbehaltlich der Stadtrats-Zustimmung – Anfang 2021 mit der Umsetzung begonnen werden könnte.

Ob es damit gelingen wird, die Zukunft des Städtischen Klinikums zu sichern, hängt für Linke-Stadtrat Jens Matthis von drei Fragen ab: Gelingt es, die Arbeitsabläufe besser zu organisieren und damit gutes Personal zu rekrutieren? Gelingt es, mit dem Freistaat ein medizinisches, mit Geld untersetztes Profil für das Klinikum zu schaffen, kompatibel zu dem des Dresdner Uniklinikums? Und werden sich die Rahmenbedingungen der bundesdeutschen Gesundheitspolitik verbessern?

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Matthis macht deutlich, dass es für ihn nicht darauf ankomme, dass das Klinikum Gewinne erwirtschaftet. „Das Erreichen schwarzer Zahlen in einem Klinikum stellt für die Linke keinen besonderen Wert dar, insbesondere dann nicht, wenn diese schwarzen Zahlen zu Lasten bestmöglicher Versorgung erkauft werden“, sagte er. Mit Blick auf die eingesetzten Wirtschaftsberater fügte Matthis hinzu: „Ob ein Krankenhaus wirklich gut ist, erkennt man nicht beim Benchmarking, sondern bei Epidemien, schweren Unfällen und Katastrophen.“

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