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Wie war die Ernte, Herr Nitsche?

Das junge Team der Pretzschendorfer Landwirtschaftsgesellschaft ist sehr zufrieden. Dabei bot das Frühjahr keinen guten Start.

Felix Nitsche (vorne), zeigt guten Brotweizen, der dieses Jahr in Pretzschendorf gewachsen ist. Darüber freut sich auch Geschäftsführer Stephan Claus.
Felix Nitsche (vorne), zeigt guten Brotweizen, der dieses Jahr in Pretzschendorf gewachsen ist. Darüber freut sich auch Geschäftsführer Stephan Claus. © Karl-Ludwig Oberthuer

„Hier liegen jetzt rund 2.000 Tonnen Brotweizen“, sagt Felix Nitsche, Leiter der Pflanzenproduktion bei der Pretzschendorfer Landwirtschafts- und Dienstleistungsgesellschaft, und lässt die Körner durch seine Finger rieseln. Brotweizen, das ist beste Qualität, die auch gute Preise bringt. Das ist auch sein Erfolg. Denn der 23-Jährige hat im Juni vergangenen Jahres die Stelle in Pretzschendorf übernommen. Die diesjährige Ernte ist die Erste, die in seiner Verantwortung herangewachsen ist.

„Es war eine der besten Ernten, wenn wir unsere vier Früchte insgesamt betrachten“, sagt Stephan Claus, Geschäftsführer des Betriebs. So haben die Pretzschendorfer bei der Sommergerste 71 Dezitonnen pro Hektar eingefahren. „Das ist ein Spitzenergebnis. Sonst erzielen wir um die 60 Dezitonnen“, ordnet Claus dieses Ergebnis ein. Und auch hier stimmt die Qualität, sodass die Gerste als Braugerste an Mälzereien verkauft werden kann. Demnächst können die Biertrinker sie genießen.

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Trockenes Frühjahr und späte Fröste

Dabei war dieses Jahr nicht immer einfach für die Pflanzenbauer im Osterzgebirge. Spät im Jahr kamen noch harte Fröste. „Die haben alle Kulturen getroffen. Aber die meisten haben es dann wieder ausgeglichen“, sagt Nitsche. Bis zu 13 Grad minus hat er gemessen, als die Pflanzen schon in der Entwicklung waren. Danach war es die Trockenheit, welche den Pflanzen zu schaffen machte. Allerdings fielen in der Vorgebirgslage doch immer wieder Niederschläge, sodass es zu einer guten Ernte reichte.

Das sonnige Wetter hat dann in den vergangenen fünf Wochen mitgeholfen, die Ernte gut einzubringen. Am 13. Juli begannen die Landwirte in Pretzschendorf, die Wintergerste zu dreschen. Und dann ging es hintereinander weg, der Raps folgte, die Sommergerste. Zwischendurch haben sie das Stroh eingefahren und schließlich den Weizen geerntet. Nur hier mussten sie an zwei, drei Tagen die Arbeiten unterbrechen, weil ein Gewitterguss dazwischenkam. Jetzt hoffen sie noch auf etwas Niederschläge, damit sich auch der Mais noch ordentlich entwickeln kann und der letzte Grasschnitt gedeiht.

Felix Nitsche hat damit in Pretzschendorf bewiesen, dass er es kann. „Es war auch Glück dabei“, sagt er bescheiden. „Aber auch deine Leistung“, ergänzt Geschäftsführer Claus. Er ist froh, dass er den Mitarbeiter für seinen Betrieb gewinnen konnte.

Ein junges Team

Nitsche stammt aus Freital-Niederhäslich und ist von seiner Familie her landwirtschaftlich geprägt. „Alle meine Onkel sind in der Landwirtschaft tätig“, sagt er. So war es für ihn nach Abschluss der Realschule keine Frage, dass er auch diesen Berufsweg einschlägt. Er hat in Bannewitz bei der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG gelernt und anschließend die Technikerschule in Freiberg-Zug besucht. Dabei hat er verschiedene Praktika gemacht, unter anderem in Reinholdshain, wo er vom dortigen Pflanzenbauchef Klaus Köhler manches gelernt hat.

Für die Aufgabe in Pretzschendorf hat er sich entschieden, weil ihm die Struktur des Betriebes gefällt. Das Unternehmen bewirtschaftet rund 1.400 Hektar Flächen, die alle rings um die Klingenberger Ortsteile Pretzschendorf und Röthenbach liegen. „Da hat man keine weiten Wege, kann schnell reagieren“, sagt Nitsche. „Außerdem sind wir hier ein junges Team.“ Stephan Claus ist 29 Jahre alt.

Nun ist Nitsche sehr schnell auf eine verantwortungsvolle Stelle gelangt. „So geht es wahrscheinlich nicht weiter“, sagt er. Aber er will sich jetzt auf eine langfristige Entwicklung des Betriebes konzentrieren, sie über Jahre hinweg vorantreiben. „Man muss auch immer wieder etwas Neues ausprobieren, auch mal einen Fehler machen und draus lernen“, blickt er auf eine langfristige Zukunft voraus. So haben die Pretzschendorfer Landwirte über ihr Mutterkuh-Tochterunternehmen 200 Hektar in der Trinkwasserschutzzone an der Talsperre Klingenberg auf die Bewirtschaftung nach Bio-Vorgaben umgestellt.

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Nicht nur in der Erntezeit fordert ihn die Arbeit stark, sagt Felix Nitsche. Hobby und Beruf sind fast eins für den Landwirt. Etwas Wald bewirtschaftet er noch und er hat sich auch einen Oldtimer-Traktor der Marke Deutz gekauft, den er restaurieren will, soweit er Zeit dafür findet. Um das weiter voranzutreiben, benötigt er auch noch ein geeignetes Grundstück. Derzeit wohnt er noch in Freital. Zu seinen privaten Plänen sagt er: „Da ist noch alles im Fluss. Da redet auch die Freundin ein Wort mit.“

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