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Erschließung von Neu-Mühlrose geht voran

Ideenwettbewerb für Dorfgemeinschaftshaus gestartet. Leag hält an Umsiedlungsplänen fest. Für Grüne ein Unding.

Parallel zur Erschließung des neuen Wohngebiets wird die Fläche für den künftige Friedhof Mühlrose vorbereitet. Der Mutterboden wurde weggeschoben, um ihn später wiederverwenden zu können.
Parallel zur Erschließung des neuen Wohngebiets wird die Fläche für den künftige Friedhof Mühlrose vorbereitet. Der Mutterboden wurde weggeschoben, um ihn später wiederverwenden zu können. © Joachim Rehle

Wegen der günstigen Wetterlage gehen die Arbeiten zur Erschließung des Ansiedlungsstandorts Mühlrose am Nordrand von Schleife weiter. Der Zeitplan, diese bis August 2020 beendet zu haben, sei nicht in Gefahr. Darüber informierte Bauamtsleiter Steffen Seidlich am Dienstag den Gemeinderat Schleife. In einer Einwohnerversammlung am 23. Januar waren die Bürger von Mühlrose über den aktuellen Stand der Dinge informiert worden.

Parallel zur Erschließung des Wohngebiets wird die Fläche für die Umlagerung des Friedhofs Mühlrose vorbereitet. Im Auftrag der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) hat die Firma STB See den Mutterboden abgeschoben. „Um Ressourcen zu schonen“, soll dieser nach Aussage von Steffen Seidlich später wiederverwendet werden, so auch eine Auflage aus der Baugenehmigung. Die Leistungsverzeichnisse für die Neugestaltung des Friedhofs habe die Leag an sechs Firmen verschickt, das Ergebnis der Ausschreibung sei der Gemeindeverwaltung aber noch nicht bekannt.

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Der Umsiedlungsstandort bietet Platz für 38 Eigenheime. Vorgesehen sind zudem ein Mehrfamilienhaus für Mieter sowie die Errichtung von Gemeinschaftsobjekten wie ein Dorfgemeinschaftshaus. Für dessen Bau wurde ein Ideenwettbewerb ausgelobt. Von ursprünglich vier angefragten Planungsbüros sind noch drei dabei, sagte der Bauamtsleiter. Diese hatten bei einem Kolloquium am 30. Januar Gelegenheit zu Rückfragen etwa zur Aufgabenstellung, dem Grundstück und dem Anschlussgrad der Erschließung, ebenso aber auch zur Raumkonzeption, zur Nutzung durch Vereine und anderes mehr. Rede und Antwort standen dazu Vertreter der Leag wie auch aus dem Ortsteil Mühlrose. Aus Sicht von Steffen Seidlich war es „eine gute Fragerunde“. Damit sich die am Ideenwettbewerb beteiligten Planungsbüros ein Bild vom derzeitigen Bestand machen konnten, fand im Anschluss eine Besichtigung des Dreiseitenhofs in Mühlrose statt.

Reichlich zwei Monate haben die Planer jetzt zur Erarbeitung ihrer Vorschläge für das neue Dorfgemeinschaftshaus Zeit. Bis 9. April 18 Uhr müssen ihre Entwürfe in der Gemeindeverwaltung Schleife eingegangen sein. Diese werden durch eine Jury aus Vertretern der Leag und der Gemeinde bewertet. Bis Ende Juni soll der Zuschlag dem Siegerentwurf erteilt, danach die vollständige Planung ausgeführt und voraussichtlich 2021 gebaut werden.

Klares Bekenntnis zur Umsiedlung

Der Kohleausstiegsplan der Bundesregierung sieht vor, im Kraftwerk Boxberg zwei Blöcke 2029 abzuschalten und die beiden modernsten 2038. Wegen der verkürzten Kraftwerkslaufzeiten muss die Leag ihre Kohleförderung um weitere 340 Millionen Tonnen reduzieren. Mit Blick auf die Pariser Klimaziele hatte man schon in dem angepassten Revierkonzept 2017 auf die Förderung von 850 Millionen Tonnen Braunkohle verzichtet. Wie jetzt aus einer Erklärung des Unternehmens hervorgeht, will die Leag bis zum Sommer ein überarbeitetes Revierkonzept mit einer angepassten Tagebauplanung vorlegen. „Die Umsiedlung des Ortes Mühlrose und die Inanspruchnahme des gleichnamigen Teilfeldes für den Tagebau Nochten steht in diesem Zusammenhang jedoch nicht zur Disposition“, stellte der Vorstandsvorsitzende Dr. Helmar Rendez klar.

Der Ausstiegsplan bedeute schwerwiegende Einschnitte und werde Auswirkungen auf die Personalentwicklung haben. Man gewinne damit aber auch Rechtssicherheit, um sich über die Braunkohle hinaus „mit neuen Geschäftsfeldern auf solide Füße stellen“ zu können. Nach den Worten von Dr. Helmar Rendez erwartet das Unternehmen, dass die Bundesregierung den Zeitraum bis 2038 verbindlich regelt und keine weiteren Einschnitte zulasten der Braunkohle in der Lausitz erfolgen. „Wir verbinden das mit der Hoffnung, dass auch die Befriedung einer Diskussion möglich wird, die in den letzten Tagen wieder aufgeflammt ist und teilweise gesellschaftlich bedenkliche Züge angenommen hat“, erklärte der Leag-Vorstandsvorsitzende.

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Die Grünen hingegen erwarten, dass die im Rahmen des Kohleausstiegsgesetzes vereinbarten geringeren Abbaumengen im Lausitzer Revier zum Erhalt der Ortslage Mühlrose/Miłoraz im Schleifer Kirchspiel führen. „Sowohl jene, die den Ort aufgrund der Belastungen durch den näher rückenden Tagebau Nochten verlassen wollen, als auch die, die in ihrem Dorf bleiben wollen, müssen unterstützt werden“, erklärte der sächsische Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Stephan Kühn.

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