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Erst ausgerastet, zwei Tage später schon verurteilt

Ein 29-Jähriger hatte am Dienstag ein Büro des Pirnaer Jobcenters verwüstet. Die Justiz reagiert umgehend.

Am vergangenen Dienstag randalierte ein Mann in einem Büro des Jobcenters. Die betroffene Mitarbeiterin ist erst einmal krankgeschrieben.
Am vergangenen Dienstag randalierte ein Mann in einem Büro des Jobcenters. Die betroffene Mitarbeiterin ist erst einmal krankgeschrieben. © Daniel Förster

In den vergangenen Jahren haben Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter deutlich zugenommen. Aber auch Angestellte im öffentlichen Dienst sind zunehmend von aggressiven Übergriffen betroffen.

Am vergangenen Dienstag traf es eine Mitarbeiterin des Jobcenters in Pirna. Ein 29-jähriger Mann war am Vormittag in ihr Büro gestürmt. Dort hatte er nach einem kurzen aber heftigen Wortwechsel den Schreibtisch umgeworfen. Danach soll er auch auf die Sachbearbeiterin losgegangen sein und mehrere Blumentöpfe nach ihr geworfen haben. Getroffen hatte er sie glücklicherweise nicht. Spurlos ist der Vorfall dennoch nicht an der Frau vorübergegangen. Sie ist vorübergehend krankgeschrieben.

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Eigentlich vertrage sie schon eine ganze Menge, aber nach diesem Angriff sei es ihr schlecht gegangen, sagte die 49-Jährige gestern am Amtsgericht in Pirna, wo die Sache per Schnellverfahren verhandelt wurde. „Am meisten beschäftigt mich aber, dass keiner der Notfallpläne funktioniert hat“, berichtete sie. Weder an den Button auf dem Monitor, noch an den auf der Tastatur ihres Computers sei sie gekommen. Auch ihr Handy habe außer Reichweite gelegen. Fliehen konnte die Frau nicht, da ihr der Angeklagte die Tür versperrte. „Ich kam einfach aus dieser Situation nicht heraus. Das hat mir Angst gemacht“, schilderte sie weiter.

Die Lage hatte sich erst entspannt, als eine andere Mitarbeiterin des Jobcenters in das Büro gekommen war. Erschrocken über das Chaos und die bedrohliche Situation hatte sie sofort den Sicherheitsdienst gerufen. Diesen Moment nutzte der Angeklagte zur Flucht. Der versuchten gefährlichen Körperverletzung und Sachbeschädigung beschuldigt, sieht sich Martin R. indes als Opfer behördlicher Willkür.

Die Geschädigte habe ihm Terminversäumnisse vorgehalten und ihm mit der Kürzung seines ohnehin mageren Hartz-IV-Satzes gedroht, behauptete er. „Ich habe den Eindruck, dass sie gerne Druck aufbaut“, setzte er nach. „Vielleicht wollte ich ja, dass sie auch einmal Existenzängste hat“, räumte er dann seinen Ausraster ein. Und überhaupt sei alles so viel schwieriger, seit seine frühere Sachbearbeiterin in Rente gegangen sei, klagte der Deutsche. Mit ihr habe er nie solche Schwierigkeiten gehabt. Dabei hatte eben diese Sachbearbeiterin schon in den Akten vermerkt, dass Martin R. zu Terminen oft sehr aggressiv aufgetreten war.

Auch vor Gericht wirkte der wohnungslose zweifache Vater keineswegs gelassen. Teilweise ziemlich lautstark suchte er die Verantwortung für sein eigenes Versagen bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst. Seine Ex-Freundin, das Jugendamt und auch das Jobcenter – sie alle würden ihm nur Steine in den Weg legen, beschwerte er sich. Mit der Gesamtsituation überfordert, sei er am Dienstag dann halt ausgeflippt. Er beteuerte aber, nie die Absicht gehabt zu haben, die Sachbearbeiterin zu verletzen.

Das glaubte ihm die zuständige Richterin sogar. Auch seine in letzter Minute an die Geschädigte vorgebrachte Entschuldigung erkannte sie an. Dennoch könne man derartige Angriffe nicht hinnehmen, betonte Simona Wiedmer. Sie verurteilte den bisher nicht vorbestraften Martin R. zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Daneben muss der Arbeitslose einhundert gemeinnützige Arbeitsstunden leisten.

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