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Erst den Preis, dann in die Sonne

Sebastian Vollmer bekommt erneut die Chance, den Super Bowl als erster deutscher Spieler zu gewinnen.

© dpa

Von Uli Schember

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Manchmal tut es weh, sehr weh. Sebastian Vollmer stört sich nicht daran, das gehört eben dazu. „Es ist ein Kontaktsport, da gibt es immer blaue Flecken, die gehören dazu“, sagt der Tackle der New England Patriots vor dem Super Bowl. Für den Traum vom NFL-Titel, dem höchsten Preis im Football, nimmt der 30-Jährige Schmerzen gerne in Kauf.

Seit mittlerweile fast sechs Jahren spielt Vollmer in der US-Profiliga für New England. 2012 stand er schon einmal mit dem Team aus Foxborough/Massachusetts im Finale, am Ende jubelten die New York Giants (17:21). „Ich hab es nicht vergessen“, sagt Vollmer, als er an die Enttäuschung erinnert wird: „Aber dieses Spiel hat keinen Einfluss.“

Bei der 49. Auflage des NFL-Spektakels, das weltweit wieder mehr als 150 Millionen Zuschauer vor die TV-Bildschirme ziehen wird, geht es in der Nacht zum Montag gegen den Titelverteidiger Seattle Seahawks. Es wird der Wahnsinn in der Wüste. Der Meister spielt gegen die erfolgreichste Mannschaft des 21. Jahrhunderts. Es gibt ein Quarterback-Duell der Generationen. Seattle will das schaffen, was zuletzt Finalgegner New England Patriots 2003 gelungen ist – den Titel zu verteidigen. Für Vollmer gibt es dennoch „keinen klaren Favoriten“.

Schwerstarbeit garantiert

Es ist ohnehin egal, wer auf der anderen Seite steht. Auf Vollmer, in Anlehnung an seinen Vornamen „Sea Bass“ (Wolfsbarsch) genannt, kommt immer Schwerstarbeit zu. Sein Auftrag ist klar. „Ich bin Teil der Offensive Line. Wir müssen unserem Quarterback Zeit geben, damit er den Ball an den Mann bringen kann“, erklärt Vollmer: „Im Laufspiel muss ich meinen Gegner wegräumen.“

Der mit 2,03 Metern größte Spieler auf dem Feld ist einer der Bodyguards von Star-Quarterback Tom Brady, der mit seiner sechsten Super-Bowl-Teilnahme Geschichte schreibt und mit dem vierten Titelgewinn die Rekordhalter Joe Montana sowie Terry Bradshaw einholen würde. Und auch Vollmer könnte einen besonderen Platz in der NFL-Historie einnehmen – dann als erster deutscher Champion. Den Abräumer interessiert das aber nur am Rande. „Ich will als Spieler gewinnen. Das hat mit meiner Nationalität wenig zu tun“, sagt Vollmer. Für ihn gehe es aber nur darum , „das Endspiel zu gewinnen. Ich war schon mal dabei und habe da leider verloren.“

Damit Brady die für ihre Kreativität bekannte Patriots-Offensive in Szene setzen kann, muss Vollmer ihm die Gegner vom Leib halten. Wie viele Profis betont der Deutsche im Vorfeld, der Super Bowl sei nur ein Spiel wie jedes andere. Anderseits hob Vollmer hervor, dass bei den ersten beiden Spielzügen „eine gewisse Nervosität“ mitspiele. Aber dann wisse er, welche Schritte zu machen und wie beim Blocken die Hände zu halten seien.

Konsequent hochgearbeitet

Vollmer ist der erfolgreichste Spieler unter den aktuell vier Deutschen in der National Football-Liga. Konsequent hat sich der gläubige Katholik hochgearbeitet. 2003 baute der Kaarster sein Abitur in Neuss und spielte danach für die Düsseldorf Panther. 2004 ging Vollmer in die USA nach Houston ans College, fünf Jahre später wurde er von den New England Patriots gedraftet und dort schnell zur festen Größe. Sein Vierjahresvertrag mit Laufzeit bis 2017 bringt ihm mit Prämien im besten Fall 27 Millionen Dollar ein. Das sind umgerechnet 23 855 000 Euro.

Was ihn ausmacht, kann, oder besser gesagt will der medienscheue Hüne nicht sagen. „Das müssen andere beurteilen. Ich versuche in jedem Spiel, physisch zu sein“, meint Vollmer. Die deutschen Fans können sich vor dem Fernseher ein Bild davon machen, wie er zupackt. Vollmers Eltern und sein Schwager gehören zu den mehr als 60 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion der University of Phoenix. „Meine Schwester kann leider nicht.“

Sonderlich viele Gedanken darüber, was im Falle des Titelgewinns passiert, hat sich Vollmer noch nicht gemacht. „Ich werde irgendwann mal in den Urlaub fahren. Es war ein langes Jahr. Richtig geplant ist da noch nichts, sagt der 145 Kilogramm schwere Rheinländer.

Wann er zuletzt in Deutschland war, weiß er nicht genau („Im Juni oder Juli“). Eine Reise in die Heimat steht auch erst mal nicht an. Der NFL-Profi will „dahin, wo es etwas wärmer ist“. Und Sonnenschein inklusive.

TV-Tipp: Sat.1: Mo., 0.30 Uhr: Super Bowl.

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