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Erst ein Vorwand, dann eine Ehrung

Gabriela Linack aus Zeißig ist vom Kreis Bautzen als Ehrenamtlerin des Monats gewürdigt worden.

Zur Würdigung von Gabriela Linack (vorn Mitte) trafen sich im Rathaus OB Stefan Skora, die Ehrenamtsbeauftragte Dunja Reichelt, Bürgermeister Mirko Pink und Landrat Michael Harig (von links nach rechts).
Zur Würdigung von Gabriela Linack (vorn Mitte) trafen sich im Rathaus OB Stefan Skora, die Ehrenamtsbeauftragte Dunja Reichelt, Bürgermeister Mirko Pink und Landrat Michael Harig (von links nach rechts). © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Gabriela Linack ist in Hoyerswerda im Allgemeinen und in ihrem Heimatdorf Zeißig im Besonderen wirklich alles andere als unbekannt. Sie hat über Jahre die Sorbische Volkstanzgruppe in Zeißig geleitet. Sie ist überdies die Beauftragte für sorbische Angelegenheiten der Stadt und die Initiatorin von Sorbisch-Sprachkursen. Darüber hinaus engagiert sich Gabriela Linack auch im Vorstand des Hoyerswerdaer Regionalverbandes im Bund Lausitzer Sorben, Domowina.

Sie hat allerdings auch noch einen ganz profanen Büro-Job, kümmert sich um die Finanzen in der Bauverwaltung im Rathaus. Ihr Vorgesetzter ist in diesem Zusammenhang deren Leiter Dietmar Wolf. Deshalb war Gabriela Linack ein wenig irritiert, als sie für Mittwoch ins Büro von Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) gerufen wurde. Gab es ein Problem? Stimmte etwas nicht?„Die Bürgermeister erzählen die dollsten Geschichten“, lacht Landrat Michael Harig (CDU). Seit zwei Jahren fährt er im Kreis herum, um Menschen, die sich in der Freizeit für andere engagieren, zu würdigen. Die Reihe „Ehrenamt des Monats“ will diese Menschen ein wenig in den Mittelpunkt rücken. Allerdings soll es für die Betroffenen auch eine Überraschung sein. Und daher flunkert man ihnen in den jeweiligen Rathäusern etwas vor, überlegt sich jeweils glaubhafte Vorwände.

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Im Falle von Gabriela Linack war das am Mittwoch also gelungen. Und sie nahm die Würdigung so, wie sie vom Kreis auch gedacht ist. „Es gibt ja auch noch so viele andere, die ehrenamtlich tätig sind“, meinte sie. Genau jene Menschen, schildert der Landrat, habe man über Jahre etwas aus dem Blick verloren. Daher sei 2018 die monatliche Ehrung eingeführt worden. Weil es im Kreis aber immerhin fast 60 Städte und Gemeinden gibt, dauert es ein wenig, bis er und die Ehrenamtsbeauftragte Dunja Reichelt überall einmal gewesen sind. Und das Landratsamt, sagt Harig, sei dabei auch auf die Mithilfe der Bürgermeister angewiesen. In der Stadtregion Hoyerswerda wurden so vor genau einem Jahr in Wittichenau Horst Dutschmann, Alfred Kockert und Gerhard Balland geehrt, weil sie sich in ihrer Freizeit um den Wittichenauer Friedhof kümmern. Im Monat zuvor stand der Vorsitzende des Spreewitzer Fastnachts- und Traditionsvereins, Klaus Hengstler, im Fokus.

Am Mittwoch nun bedankte sich Michael Harig bei Gabriela Linack, die er vom einen oder anderen Termin her durchaus schon kannte: „Die Pflege der sorbischen Sprache, Kultur und Tradition ist eine Herzensangelegenheit, und das schafft in Hoyerswerda wohl keiner besser als Sie.“ Das fiel auch anderen schon auf. 2016 erhielt Gabriela Linack den Domowina-Preis. Womöglich hat sie in Zukunft ja noch ein wenig mehr Zeit für all das, was ihr im Zusammenhang mit der sorbischen Kultur so am Herzen liegt. Denn im August verlässt die das Rathaus, geht in den Ruhestand. Zu tun ist genug. Auf ihre Initiative hin gibt es seit dem vergangenen Jahr für die Stadt den sorbischen Gesprächskreis „Bjesada“, für den zuvor schon ein Zeißiger Vorbild existierte. Ungezwungen und praxisnah sollen dabei Interessenten mit Grundkenntnissen ihr Sprach-Wissen festigen und vertiefen.

Die Leitung der Sorbischen Volkstanzgruppe Zeißig hat Gabriela Linack freilich indessen abgegeben. Den Staffelstab übernommen hat Waltraud Hartmann. Aber im Vorstand des Trägervereins wirkt die Ehrenamtlerin des Monats Juni 2020 schon noch mit.

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