merken
PLUS

Freital

Erst Hitzefrei, dann Eiszeit

Freital schwitzt. Die Schwimmmeister freuen sich über volle Bäder, die Förster haben Sorgen.

Wohl dem, der in diesen Tagen zufällig frei hat, wie Sarah Oschmann und Ronny Krüger. Sie können den Hitzetag im Freitaler Freibad Zacke verbringen.
Wohl dem, der in diesen Tagen zufällig frei hat, wie Sarah Oschmann und Ronny Krüger. Sie können den Hitzetag im Freitaler Freibad Zacke verbringen. © Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Bis zu 36 Grad Celsius im Schatten – und kein Regen in Sicht. Meteorologen sagen für Mittwoch den bisher wärmsten Tag des Jahres voraus. Wer kann, sucht Abkühlung im Freibad oder ein schattiges Plätzchen im Wald. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. So sieht die Situation derzeit in Freital und Umgebung aus:

Schulen reagieren auf die Hitze mit verkürztem Unterricht

Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Bei 35 Grad Celsius und mehr im Schatten muss auch der Nachwuchs nicht bis in die späten Nachmittagstunden die Schulbank drücken. Für die Jungen und Mädchen der Grund- und Oberschule „Am Marienschacht“ in Bannewitz war am Dienstag schon kurz nach 12 Uhr Schluss. Gleiches ist auch für den Mittwoch geplant. Für den Rest der Woche soll der Unterricht regulär weitergehen. Über zwei schulfreie Nachmittage können sich auch die Kinder der Possendorfer Grundschule freuen, bestätigt Kerstin Ryssel von der Gemeindeverwaltung Bannewitz. Nach vier Stunden Pauken ist für die Kinder um 11.25 Uhr Schluss. Viele bleiben dennoch in der Schule und nutzen den Abkühlungsspaß, den sich das Hort-Personal überlegt hat. Mit Wasserschlacht, Spritzpistolen und Badesachen ausgerüstet, lassen sich die heißen Nachmittage für die Jüngsten aushalten.

Freitals Schulen reagieren mit Hitzeplänen gegen die heißen Tage. Das heißt, jede Unterrichtsstunde findet statt – ist aber statt 45 Minuten nur 30 Minuten lang. Das verkürzt die Schultage erheblich. So endet die achte Stunde der Waldblick-Oberschule beispielsweise schon 12.50 Uhr statt 14.45 Uhr. Ähnlich läuft es in der Lessing-Schule und am Weißeritzgymnasium.

Freibäder sind für den Ansturm gewappnet

Während sich nach der Mittagsstunde die Schulen leeren, füllen sich dafür die Freibäder in der Region. In Freital stehen nicht nur die Freibäder „Windi“ und „Zacke“ für Wassernixen offen. Auch das Indoor-Bad im Freizeitzentrum Hains hat für alle diejenigen geöffnet, die es schattig bevorzugen, sagt Daniel Wirth von den Technischen Werken Freital, welche die Freitaler Bäder betreiben. Auch in Dorfhain blickt man in diesen Tagen zufrieden auf die Schwimmbecken. „Die Saison läuft super an. Das Wetter ist dafür vom Feinsten“, bilanziert Jürgen Fischer, Schwimmmeister im Dorfhainer Erlebnisbad. Bei einer Wassertemperatur zwischen 25 und 27 Grad Celsius lasse es sich hier aushalten. Für einen Besucheransturm sei man gewappnet, so Fischer. Die Becken seien herausgeputzt, die Imbissversorgung startklar und die Wiesen für Sonnenhungrige frisch gemäht.

Wasserverbrauch steigt bei Hitze merklich an

Beim Wasserversorger Weißeritzgruppe spürt man die Hitze deutlich. „Der Wasserverbrauch ist etwa 15 Prozent höher“, sagt Steffen Lehnert, der für das Rohrnetz verantwortlich ist. Eine normale Person verbrauche im Schnitt 82 Liter Wasser am Tag, wobei es Unterschiede zwischen Stadt und Land gebe. Jetzt seien es im Schnitt 94 Liter. Nach Freital fließen an normalen Tagen 8 000 Kubikmeter, zurzeit sind es rund 10 000 Kubikmeter. Unklar ist, wie die Lage in den Brunnendörfern ist. „Bei uns hat sich noch niemand gemeldet“, so Lehnert. 2018 gingen die ersten Meldungen über Versorgungsprobleme Mitte/Ende Juli ein. Allerdings sei 2018 ein trockeneres Jahr gewesen. Damals begann die „Trockenzeit“ allerdings schon im Februar.

Waldbrandgefahrenstufe vier prognostiziert

Zu Beginn der Woche galt für den gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Waldbrandgefahrenstufe drei auf einer Gefahrenskala von eins bis fünf. Aktuell sei laut Sachsenforst von einer mittleren Gefahr auszugehen.

Am Mittwoch werde aber mit hoher Wahrscheinlichkeit die Warnstufe vier ausgegeben – insofern zwischenzeitlich kein Regen fällt. Lediglich für die höhren lagen des Osterzgebirges, also um Altenberg und Hermsdorf, sei davon auszugehen, dass es bei der Waldbrandgefahrenstufe drei bleibt, erklärt Kristina Funke, Sprecherin des Forstbezirks Bärenfels.

Zwar gibt es auch bei Stufe vier, die für den Tharandter Wald und die Dippser Heide zu erwarten ist, kein Verbot, den Wald zu betreten, aber Spaziergänger und Wanderer sollten angesichts der angespannten Situation besonders vorsichtig sein. Funke bittet außerdem ausdrücklich darum, die Zufahrten für die Rettungsfahrzeuge nicht zuzuparken. Im Falle eines Waldbrandes müsse für die Feuerwehr die Zufahrt gewährleistet sein. Autos sollten zudem nur auf festem Untergrund abgestellt werden. „Stehen sie auf einer Wiese, besteht Gefahr, dass durch die heiße Bodenplatte ein Feuer entfacht wird“, erläutert die Sprecherin. In diesem Zusammenhang weist sie darauf hin, dass Müll niemals in den Wald gehört. Wer jetzt eine Glasflasche wegwirft, riskiere wegen der Brennglaswirkung leichtfertig einen Waldbrand. Generell gilt Rauch- und Feuerverbot im Wald.

Sabine Fischer vom Eiscafé in Freital hat eine Abkühlung parat.
Sabine Fischer vom Eiscafé in Freital hat eine Abkühlung parat. © Karl-Ludwig Oberthür

Im vergangenen Jahr verhängten die Forstbehörden wegen der großen Trockenheit sogar ein zeitweises nächtliches Betretungsverbot für die Wälder der Sächsischen Schweiz. Dies könne bei länger anhaltender Hitze auch in diesem Sommer wieder in Kraft treten.

Für Wanderer empfehlen Sachsenforst und die Feuerwehren die mobile App „Waldbrandgefahr Sachsen“ Die App kann für die Betriebssysteme Android, iOS und Windows 10 Mobile in den App-Stores kostenlos heruntergeladen werden.

Landwirte schauen mit gemischten Gefühlen auf die Ernte

Noch macht die Hitze den Landwirten der Liebenauer Agrar GmbH wenig aus. „Wir stehen noch ganz gut da“, sagt Geschäftsführer Eberhard Petzold, dessen Firma je rund 1 000 Hektar Grünland und Ackerland in den Städten Glashütte und Altenberg bewirtschaftet. In den letzten Tagen habe es hier immer wieder geregnet, sagt er, sodass die Hitze noch keine Probleme bereite. „Der Mais und das Sommergetreide stehen gut da, sagt er. „Nur das Wintergetreide muss noch seine Winterdepression auskurieren“, so Petzold. Denn der April war zu trocken. Insgesamt erwartet Eberhard Petzold in diesem Jahr eine durchschnittliche Ernte.

Geradezu erfrischend wirkt der Brunnen auf dem Freitaler Neumarkt.
Geradezu erfrischend wirkt der Brunnen auf dem Freitaler Neumarkt. © Karl-Ludwig Oberthür

In Bannewitz und Umgebung warten die Landwirte dagegen auf Regen. „Das Niederschlagsdefizit von 2018 ist noch nicht aufgeholt“, sagt Ingolf Schulze, Geschäftsführer der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG, die 3 000 Hektar in Bannewitz, Kreischa und der Stadt Rabenau bewirtschaftet. Im Vergleich zu den Vorjahresmonaten habe es aber mehr geregnet. Die diesjährige Ernte wird deshalb besser als 2018 ausfallen. „Die geplante Summe werden wir aber nicht erreichen“, so Schulze.

Die Wetteraussichten: Es wird zunächst etwas milder

Für Mittwoch, den 26. Juni, sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) Temperaturen bis zu 37 Grad voraus. In der Nacht darauf kommt dann eine Kaltfront rein, die etwas Abkühlung bringt. „Wir erwarten am Donnerstag Tageshöchsttemperaturen um die 27 Grad“, sagt DWD-Mitarbeiter Jens Oehmichen. Am Sonntag kann es noch mal bei bis zu 35 Grad Höchsttemperatur richtig heiß werden. Tags darauf bestehe für die Region eine partielle Schauer- und Gewittergefahr. Erst in Laufe der kommenden Woche werden sich die Temperaturen vermutlich auf 25 Grad tagsüber einpendeln.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

Und unseren ebenfalls kostenlosen täglichen Newsletter abonnieren Sie unter www.sz-link.de/freitalkompakt

Mehr zum Thema Freital