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Erst müde lächelnd, dann infiziert

Musikalische Selbst-Läuterung: Die Südtiroler Band Frei.Wild korrigiert ihr Corona-Lied.

Philiipp Burger musste sein Corona-Lied zweimal einsingen.
Philiipp Burger musste sein Corona-Lied zweimal einsingen. © Scrennshot: youtube/frei.wild

Von Tom Vörös

Sehr selten kommt es vor, dass ein Künstler nachträglich einen Liedtext verwirft. Die Südtiroler Band Frei.Wild hat es getan, beziehungsweise tun müssen. Denn in der Anfang März veröffentlichten Version des Liedes „Corona-Weltuntergang“ stand die Verharmlosung der Ereignisse im Fokus. Da sangen Frontmann Philipp Burger & Co. noch gegen die Panikmache an: „Die ganze weite Welt macht wieder mit. Der Tod reitet voraus, doch die Angst will schneller sein und sie hält Schritt. Ob Schweine- oder Vogelgrippe, SARS oder einfach Rinderwahn. Wenn die Angst erst durch die Köpfe rauscht, dann lacht der Tod über den Weltuntergang.“

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Doch je ernster die Lage wurde, umso stärker stand die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, und so entschied man sich, das Lied umzutexten. Inzwischen hat die Band erkannt, dass das „Scheißding“ Covid-19, wie Burger singt, die Welt verändert. Jetzt heißt es: „Verdammt, wir lagen so falsch, wir lagen daneben, dann ritt das Karma zu uns heim. Dieses Scheißding fraß an uns, doch ließ uns leben, doch lange nicht jeder hat so ein Schwein. [...] Ja, alles hat eine Ende, wird wieder gut. Corona Weltuntergang? Nein, wir fangen wieder an“, heißt es im Refrain.

Zum Sinneswandel beigetragen haben dürfte auch die persönliche Situation der Bandmitglieder. Der Tontechniker der Band hatte sich angesteckt und danach eine Woche mit der Band im Studio gearbeitet. Nach seiner Heimkehr positiv getestet, hatte er sich in seinem Studio in Quarantäne begeben. Dann ließ sich auch die Band testen. 

Das Ergebnis verkündete der Sänger per Videobotschaft auf Facebook: „Unser Tontechniker Alex hat uns wohl alle erwischt“, so Burger. Inzwischen seien alle aber wieder wohlauf. Nur Schlagzeuger Christian „Föhre“ Fohrer habe noch etwas über Husten geklagt.

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Philipp Burger zeigt sich geläutert: „Ich persönlich hätte nie geglaubt, dass so etwas möglich ist. Es ist ein echter Albtraum, aber trotzdem eine neue Chance. Bitte haltet euch an alle diese Vorgaben. Wer weiß, vielleicht hat dieser Corona-Zustand auch eine Art positive Wirkung auf die Zukunft für uns alle“. Frei.Wild verkaufen nun auch T-Shirts mit einem Coronavirus drauf, aus dem romantische Rosenblüten wachsen.

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