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Dresden als Negativbeispiel

Das Time Magazine zeigt Dresden unter einer wenig schmeichelhaften Schlagzeile - dabei ist die Stadt nicht einmal das Thema.

© PR/dpa/R. Michael

Von Sandro Rahrisch

Dass Dresdens Ruf unter Pegida leidet, wird von der asylfeindlichen Bewegung gern bestritten. Fakt ist, dass ein Bild der Montagsproteste die aktuelle Titelseite des europäischen Time Magazines ziert. Versehen ist das Foto, das am 21. Dezember am Königsufer vor der Altstadt-Kulisse entstanden ist, mit der Schlagzeile „Unwillkommen“. Für die Stadt ist es bei Weitem nicht die erste Negativ-Werbung im Ausland.

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„Das Titelbild lädt nicht zum Aufenthalt in Dresden ein“, muss Bettina Bunge, die Geschäftsführerin der Dresden Marketinggesellschaft, zugeben. „Wir bedauern sehr, dass grundsätzlich positiv wahrgenommene Motive unserer schönen Stadt gegenwärtig in den Medien mit negativen Themen verbunden werden.“ Dabei gehe es in dem Beitrag nicht vordergründig um die Pegida-Bewegung, sondern wie Deutschland versucht, mit der Flüchtlingskrise fertig zu werden, und wie rechtspopulistische Bewegungen in Europa erstarken. Für Letztere dienen Dresden und Pegida unübersehbar als Beispiel.

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Pegida ist längst im Ausland angekommen. Die britische Tageszeitung The Guardian berichtete im Herbst unter der Überschrift „Wie ein Gift“ über die montäglichen Kundgebungen. Beiträge liefen auch im russischen Nachrichtenfernsehen, die Washington Post berichtete ebenfalls. Zumindest auf den Auslandstourismus scheinen diese Nachrichten bislang kaum Einfluss zu haben. Zwar sind die Übernachtungszahlen 2015 zurückgegangen – zwischen Januar und Oktober um minus 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch im Gegensatz zu deutschen Urlaubern haben Touristen aus dem Ausland die Branche gestützt und dafür gesorgt, dass das Minus nicht noch größer wurde. „Für unsere internationalen Gäste scheint Pegida bei der Reiseentscheidung eher eine geringere Relevanz zu haben“, sagt Bettina Bunge. „Wir erhielten 2015 ebenso wie in den ersten Wochen des Jahres 2016 zwar Anfragen, aber nur vereinzelt konkrete Absagen.“ Als anmaßend bezeichnet der Chef des Dresdner Tourismusverbandes, Johannes Lohmeyer, die Wahl des Titelbildes. „Das Magazin wird in England herausgegeben, einem Staat, der letztes Jahr nur halb so viele Flüchtlinge aufgenommen hat wie Sachsen. Ich denke, man sollte sich dort schon sehr zurückhalten.“ Lohmeyer sei außerdem darüber verwundert, dass eine Pegida-Demonstration für einen Artikel gewählt worden ist, in dem es um die Willkommenskultur in Deutschland geht und nicht um die montäglichen Kundgebungen.

Die „Dresden“-Ausgabe des Magazins erscheint am 1. Februar. Über 1,7 Millionen Leser werden ein Bild der Stadt unter der Überschrift „Unwillkommen“ sehen. Das Heft erscheint in Europa, Afrika und dem Nahen Osten.