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Erst neue Busse, dann neue Straßenbahnen

Ende 2023 könnte die erste Niederflur-Bahn in Görlitz eintreffen. Und mit viel Glück fährt sie 2025 bis zum Klinikum.

Uwe Mauerhoff (r.), Vertriebsbeauftragter bei Mercedes-Benz Omnibusse, übergibt einen symbolischen Schlüssel für den neuen Hybridbus (im Hintergrund) an  Oberbürgermeister Octavian Ursu (l.) und GVB-Geschäftsführer Andreas Trillmich.
Uwe Mauerhoff (r.), Vertriebsbeauftragter bei Mercedes-Benz Omnibusse, übergibt einen symbolischen Schlüssel für den neuen Hybridbus (im Hintergrund) an Oberbürgermeister Octavian Ursu (l.) und GVB-Geschäftsführer Andreas Trillmich. © Nikolai Schmidt

Auf den neuen Bus ist Andreas Trillmich richtig stolz. „Unser erster Hybrid-Bus“, sagt der Geschäftsführer der Görlitzer Verkehrsbetriebe (GVB). Hybrid heißt hier: Er fährt mit Strom und mit Diesel. Ein dreiachsiger Gelenkbus ist es, stolze 18 Meter lang und der insgesamt dritte in den neuen GVB-Farben orange/weiß. Am Freitagvormittag wurde er im Beisein von OB Octavian Ursu (CDU) übergeben.

Doch so sehr sich Trillmich über den Bus freut: Er weiß genau, dass den Görlitzern neue Niederflur-Straßenbahnen wichtiger sind. „Auch die werden kommen“, sagt er zuversichtlich. Acht Stück wird Görlitz bestellen. Die sind auch eines der sieben großen Ziele, die Ursu auf dem städtischen Neujahrsempfang präsentiert hat. Der Fördermittelantrag ist inzwischen gestellt, bestätigt Trillmich. Die GVB wisse nun auch genau, was sie will: Die neuen Bahnen sollen 30 statt wie bisher 20 Meter lang sein und 2,30 statt 2,20 Meter breit. „Wir wollen die Ausschreibung noch im ersten Quartal starten“, sagt Trillmich.

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Ausschreibung wird etwa ein Jahr dauern

Etwa ein Jahr wird sie dauern: „Im besten Fall würden wir gern im Frühling 2021 den Zuschlag erteilen.“ Bis dahin werde wenig nach außen dringen, warnt er schon mal vor. Das ist bei Ausschreibungen so üblich. Vom Auftrag bis zur Fertigstellung vergehen für gewöhnlich zwei bis drei Jahre. Wenn alles gut geht, könnte also Ende 2023/Anfang 2024 das erste Fahrzeug in Görlitz sein und in den Testbetrieb im Depot gehen, später in den Probebetrieb auf Strecke und schließlich in den regulären Betrieb. „Mein Wunsch wäre, dass Ende 2025 die komplette Straßenbahnflotte ausgetauscht ist“, sagt Trillmich. Sicher sei das aber nicht: „Es kann auch 2026 werden.“

Görlitz will zusammen mit Leipzig und Zwickau ausschreiben. Durch die Bündelung kommt ein deutlich größeres Los zustande. Das ist für die Industrie viel attraktiver. „Ohne die Unterstützung der Leipziger Kollegen würden wir den Zeitplan nicht schaffen“, sagt Trillmich. Andererseits berichtete die Leipziger Volkszeitung aber kürzlich, dass Leipzig 2,40 Meter breite Straßenbahnen ordern will und dass diese erst 2025 fahren werden. „Beides ist für uns kein Problem“, sagt Trillmich. Wenn Leipzig andere Breiten braucht, seien individuelle Anpassungen für jede Stadt trotzdem möglich: „Wir können den Weg weiterhin zusammen gehen.“ Auch, dass Görlitz schon vor Leipzig die erste neue Bahn hat, sei durchaus möglich.

Neue Bahnen kosten rund 25 Millionen Euro

Er rechnet mit Kosten von etwa 25 Millionen Euro für neue Bahnen. Hinzu kommen noch die Kosten für den Umbau sämtlicher Haltestellen. Diese sind noch nicht beziffert, aber für die neuen Bahnen unbedingt nötig. Trillmich überlegt, das auch gleich für eine weitere Verbesserung zu nutzen: „Vielleicht schaffen wir es, am Demianiplatz und am Südausgang so umzubauen, dass Bus und Bahn künftig am gleichen Bahnsteig abfahren.“ In Großstädten wie Dresden sei das ja schon üblich. Bei den modernen Fahrscheinautomaten hingegen ist die GVB schon viel weiter: „Da sind wir mitten im Ausschreibungsverfahren.“ Bis Mitte nächsten Jahres sollen alle Fahrscheinautomaten ausgetauscht werden.

Weil nicht alles gleichzeitig zu schaffen ist, hängt die GVB aber bei einem anderen wichtigen Ziel hinter dem Zeitplan her: Die Studie zur Straßenbahnanbindung des Klinikums sollte Ende 2019 fertig sein. Das hat nicht geklappt. „In den nächsten Monaten wird das aber passieren, auf jeden Fall noch im ersten Halbjahr“, sagt Trillmich. Sobald belastbare Ergebnisse vorliegen, sollen diese zuerst den Stadträten und anschließend der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Ich glaube fest daran, dass es uns gelingen wird, eine Bahn zum Klinikum fahren zu lassen“, sagt er. Zur genauen Route, zu Kosten und Zeitplänen aber müsse die Studie abgewartet werden. „Wenn wir es schaffen, 2025 oder 2026 mit den neuen Niederflur-Wagen zum Klinikum zu fahren, sind wir gut“, sagt Trillmich.

Erst einmal fährt keine Straßenbahn nach Polen

Nach Polen hingegen wird in nächster Zeit erst einmal keine Straßenbahn fahren. „Politisch und stadtentwicklungstechnisch wäre das wünschenswert, aber die polnische Seite müsste mitspielen“, sagt Ursu. Daran sei es zuletzt gescheitert. „Wir können die Idee aber jederzeit wieder aufgreifen, wenn in Polen andere Gedanken dazu da sind“, sagt der OB. Er fände es gut, das Straßenbahn-Netz in alle Richtungen zu erweitern: „Aber wir können nur Schritt für Schritt gehen.“ 

Auf die Busse trifft Letzteres im Übrigen auch zu. Laut Trillmich sind in Görlitz noch drei Busse unterwegs, die mehr als 15 Jahre auf dem Buckel haben: „Auch hier sind Neuanschaffungen erforderlich.“ Ob es alles so schicke Hybrid-Busse sein werden wie der jetzige Neuzugang, steht aber noch nicht fest.

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