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Hoyerswerda

Erst Schleife, dann Hoyerswerda

30 Kilometer nordöstlich der Stadt läuft aktuell ein ziemlich aufwendiger Schulumzug.

Das Transportunternehmen Umzugslogistik GmbH Jena belädt in der Oberschule Schleife pro Tag einen Möbeltransporter von 20 Tonnen. Bis heute werden es zehn Fahrzeuge gewesen sein, die jeweils am neuen Schulstandort wieder zu entladen waren. Mitarbeiter Hei
Das Transportunternehmen Umzugslogistik GmbH Jena belädt in der Oberschule Schleife pro Tag einen Möbeltransporter von 20 Tonnen. Bis heute werden es zehn Fahrzeuge gewesen sein, die jeweils am neuen Schulstandort wieder zu entladen waren. Mitarbeiter Hei © Foto: Joachim Rehle

Von Constanze Knappe und Mirko Kolodziej

Schleife. Wie zieht man eigentlich eine Schule um? Nicht, dass das noch niemand getan hätte! Aber so oft kommt es eben auch nicht vor. In Hoyerswerda wird es im Sommer wieder so weit sein. Wenn das Schuljahr endet, laufen damit auch die beiden Oberschulen „Am Stadtrand“ in der Altstadt sowie „Am Planetarium“ im WK VI aus. Das neue Schuljahr beginnt dann in der nagelneuen Oberschule im WK I. Und gleichzeitig müssen die Verantwortlichen schon über einen weiteren Schulumzug nachdenken. Denn die Handrij-Zejler-Grundschule in der Dresdener Straße wird nach Umbauten am Stadtrand in die jetzige Altstadt-Oberschule verlegt.

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Nächste Woche wird eingeräumt

Wie so ein Schulumzug praktisch abläuft, lässt sich aktuell gut 30 Kilometer nordöstlich von Hoyerswerda beobachten. In Schleife ist der neue deutsch-sorbische Schulkomplex fertig. Es handelt sich um ein noch größeres Vorhaben als die Hoyerswerdaer Oberschule. Am Ortsausgang in Richtung Brandenburg ist seit dem Herbst 2017 ein Ensemble aus Grundschule, Oberschule und Hort entstanden. Auch Sportanlagen gehören dazu. Die Planungen sind noch älter. Sie fußen letztlich auf dem Umsiedlungsvertrag von 2008 für den im Zusammenhang mit der Erweiterung des Tagebaus Nochten nötigen „Ersatz“ für das abzubaggernde Mühlrose.

Seit Montag hieß es nun für den 24-Millionen-Euro-Bau Kisten schleppen. Nachdem die Schüler in ihre wohlverdienten Ferien gingen, haben in den Schleifer Schulen die Möbelpacker das Sagen. In dieser Woche stand der Umzug der jetzigen Grund- und Oberschule in den neuen Schulkomplex an. Diverse Möbel und Hunderte Umzugskisten hatte die beauftragte Firma dorthin zu bringen. In der nächsten Woche soll eingeräumt und alles für den Schulbetrieb vorbereitet werden. Am Montag, den 24. Februar, gehen dann die Schüler in ihre neuen Schulen und werden sicher große Augen machen. Mit dem Landesjugendamt fand schon am Donnerstag der vorigen Woche die letzte von unzähligen Abnahmen statt. „Auch das werden wir meistern“, hatte Bauamtsleiter Steffen Seidlich dem Gemeinderat verkündet und zugleich darüber informiert, dass die personenbezogenen Schlüssel an Lehrer beider Schulen und sonstige zugangsberechtigte Personen verteilt wurden.

Nach der Fertigstellung ist nun das Vermessungsbüro Rosenau aus Hoyerswerda mit der Gebäudeeinmessung beauftragt, sodass der Schulkomplex ins Liegenschaftskataster eingetragen werden kann. Wie Steffen Seidlich weiter mitteilte, haben zudem die Arbeiten an einer Lärmschutzwand begonnen. Sie wurde abgesteckt und die ersten Streifenfundamente betoniert.

Für den Schulkomplex Schleife hat die Gemeinde einen Gasliefervertrag mit der Spreegas Gesellschaft für Gasversorgung und Energiedienstleistung mbH in Cottbus abgeschlossen. „Es besteht keine Verpflichtung zur Abnahme einer Mindestmenge und auch keine Obergrenze, bei deren Überschreiten Gebühren zu zahlen wären“, so Bürgermeister Reinhard Bork (parteilos). Das Zertifikat Ökogas garantiere ein klimaneutrales Erdgas. „Damit ist Schleife nach Calau und Altdöbern die dritte Gemeinde im Versorgungsgebiet von Spreegas, deren Schule mit klimaneutralem Erdgas versorgt wird“, erklärte er.

Reinigungsleistung vergeben

Gereinigt wird der Schulkomplex durch die BSL Umweltdienste GmbH aus Lauchhammer-West. In der Ausschreibung hatten sieben Firmen die Unterlagen abgefordert, darunter Unternehmen aus Dresden, Zwickau, Frankfurt/Oder und Cottbus. Fünf gaben letztlich ihre Angebote ab, deren Preise bis 377.000 Euro reichten. Das Unternehmen aus Lauchhammer-West war mit 216.238 Euro der wirtschaftlichste Bieter und erhält nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderats den Zuschlag. Die Reinigungsleistungen waren für ein Jahr ausgeschrieben. Der Vertrag läuft also bis Februar 2021. Wie Reinhard Bork sagte, rechnet die Gemeinde mit geschätzten Bewirtschaftungskosten für das Schulzentrum von 400.000 Euro pro Jahr. „Wenn mit der Reinigungsleistung schon knappe 50 Prozent weg sind, werden wir uns Gedanken machen müssen“, sagte er.

Nicht ohne den Ministerpräsidenten

Einen offiziellen Eröffnungstermin für das neue deutsch-sorbische Schulzentrum in Schleife gibt es indes noch immer nicht.

Auf Vorschlag der Schulleiter von Grund- und Oberschule sollte die Einweihung am 28. Februar stattfinden. Beide betrachten dies als „pädagogisch sinnvoll“, da die Schüler die erste Woche nach den Ferien zur Eingewöhnung bräuchten. Auch sei die zeitnahe offizielle Feier wichtig, weil die Eröffnung für Schüler und Lehrer eine große Zäsur darstellt. Vonseiten der Gemeinde sei das nachvollziehbar, hieß es. Der Termin aber wurde abgelehnt, da es bis zur Sitzung des Gemeinderats Anfang Januar noch keine Bestätigung aus dem Büro des Ministerpräsidenten gab.

Die Oberschule feiert trotzdem – ihr eigenes Fest zur Einweihung des Schulbetriebs. Sie lädt für den 28. Februar dazu ein, das Gebäude in Augenschein zu nehmen. Gefeiert werden soll die Einweihung „mit all den Gästen, die zum Teil großen Anteil am Gelingen dieses sicher auf lange Zeit einmaligen Bauprojekts in unserem Kirchspiel haben“, steht in der Einladung. Und dass man diesem Tag einen würdigen Rahmen verleihen möchte, um ihn für die Schüler zu einem bleibenden Erlebnis werden zu lassen. Im Rahmen eines kleinen Programms wird Schulleiter Wolfgang Goldstein die Amtsgeschäfte an den Nachfolger oder die Nachfolgerin übergeben.

Diese Ankündigung veranlasste Petra Rübesam, die Leiterin der Grundschule, in der Sitzung des Gemeinderats noch einmal nachzuhaken. Sie bat die Räte, sich zu positionieren. Lehrer und Eltern der Grundschule würden auf eine klare Ansage warten. „Die Oberschule feiert am 28. Februar das Schulfest, aber es ist doch Sache des Schulträgers und damit der Gemeinde, die Schule zu eröffnen“, sagte sie. Die Grundschule selbst feiert im Mai 20 Jahre 2plus-Konzept, also die Fortführung des sorbischen Witaj-Projekts aus dem Kindergarten in der Grundschule. Das aber sei für die offizielle Eröffnung des Schulzentrums viel zu lange hin. Bürgermeister Reinhard Bork verwies erneut auf seine Aussage, wonach er beim Tag der offenen Baustelle im vorigen Jahr mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die offizielle Eröffnung für das Frühjahr 2020 vereinbart habe. Auf Nachfrage in dessen Büro verlautete, dass die Gemeinde informiert werde, wann dieser Termin in den Kalender des Ministerpräsidenten passt. Bisher habe er noch keine solche Information erhalten. „Aber wir sind nicht der Nabel der Welt“, so Reinhard Bork. Zwar hieß es aus dem Büro von Michael Kretschmer, dass der Kalender des Ministerpräsidenten Mitte Januar steht und darauf habe er sich verlassen, bis heute sei aber noch nichts passiert. „Ich kann Ihnen noch keinen Termin sagen“, erklärte der Bürgermeister.

Drei Partner zu koordinieren

Petra Rübesam war darüber alles andere als erfreut. „Ich bin fassungslos. Ich habe wirklich gedacht, wir kriegen einen gemeinsamen Festakt am 28. Februar noch hin“, sagte sie. Worauf Reinhard Bork entgegnete: „Wir sind drei Partner: Freistaat, Leag und Gemeinde. Die Gemeinde kann doch nicht zwei oder drei Eröffnungen feiern.“ Aus Reihen der Bürger bemerkte Edith Penk aus Rohne in der Gemeinderatssitzung: „Ich habe den Eindruck, die Schule wurde für den Ministerpräsidenten gebaut. Der Bauherr muss doch die Schule an die Schüler übergeben. Darauf warten auch Eltern und Lehrer. Die kann man doch nicht alle vor den Kopf stoßen.“ (CK/MK)