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Erst viel vergeigt, nun ehrgeizig bei der Sache

Bautzen. Dank eines Projektes beim BBZ fand Robby Huste nach einer abgebrochenen Lehre im zweiten Anlauf einen Ausbildungsplatz.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

Als Teenager hat Robby Huste viel Mist gebaut. Jetzt, mit 24, sieht er das jedenfalls so. Die Schule beendete er ohne Abschluss, auch die Ausbildung schmiss er kurz vor der Prüfung hin, und den Führerschein wurde er bald wieder los, weil er unter Alkohol gefahren war. „Ich hab´ einfach keinen Bock gehabt“, beschreibt er seine damalige Einstellung. Geändert hat die sich erst während der Zeit beim Bund. Als er von dort zurück kam und wieder ohne Arbeit da stand, war ihm klar: So kann es nicht weitergehen. „Ich hab´ mich beworben, aber ohne Ausbildung hast du keine Chance.“

Dass er jetzt doch noch eine geboten bekommt, ist einem Projekt zu verdanken, das seit vorigem Jahr unter anderem beim Berufsbildungszentrum Bautzen (BBZ) läuft. Hier soll jungen Arbeitslosengeld II-Empfängern unter 25 Jahren geholfen werden, sich ihre Brötchen künftig selbst zu verdienen. „Wir haben uns dabei auf die Fahnen geschrieben, nur nach Stellen in der Region zu suchen“, sagt Projektleiter Thomas Wenke. Das Schwierige daran: Die Vorstellungen der Jugendlichen, die oft illusorisch sind, mit der Realität in Einklang zu bringen. So wollte eine junge Frau Malerin oder Tierpflegerin werden, doch für letzteres gibt es hierzulande kaum eine Stelle. Und wer Maler ausbildet, nimmt selten ein Mädchen. Ein Kompromiss fand sich mit einem Praktikum in einer Zoohandlung und der Hoffnung, als Verkäuferin eine Chance zu bekommen.

Interessen und Fähigkeiten der jungen Leute sind das erste, was Thomas Wenke und seine Mitarbeiter ermitteln. Tests in Mathe, Deutsch und Allgemeinwissen geben Aufschluss über die Voraussetzungen, die sie mitbringen. Robby Hustes Ergebnis fiel überdurchschnittlich aus. Ihn selbst hat es nicht so sehr überrascht. „Es fiel mir nicht schwer, ich war in der Schule halt nur zu faul, hab´ nichts gemacht.“ Für Thomas Wenke war damit jedoch klar, dass eine Ausbildung für den jungen Mann zu schaffen sei. Nun begann die Suche nach einem Unternehmen, in dem er sich unter Beweis stellen konnte.

Das tut Robby Huste derzeit bei der Bautzener Isolierfirma Kupke & Partner GmbH. „Man merkt, dass er will. Wir schicken ihn gern mit auf Baustellen, denn er zieht mit“, freut sich Geschäftsführer Marco Kosak, der auch schon andere Erfahrungen gemacht hat. Generell sei sein Unternehmen zur Ausbildung bereit. „Als Handwerksbetrieb sind wir auf gut qualifizierte Mitarbeiter angewiesen.“ Nach seinem Praktikum wird Robby Huste nun hier eine Lehre als Isolateur für Wärme-, Kälte- und Schallschutz beginnen. Die Arbeit mit den Dämmstoffen sagt ihm zu und ist für ihn nicht völlig neu, gibt es doch Parallelen zu dem, was er als angehender Bauwerksabdichter schon einmal gelernt hatte.

Die dreijährige Ausbildung ist der erste Schritt, aus dem selbst verursachten Tief herauszukommen und endlich eigenes Geld zu verdienen. Mittlerweile zeigt Robby Huste so viel Ehrgeiz, dass er sich später sogar noch ein Studium vorstellen kann. Dafür muss er allerdings seinen Schulabschluss nachholen. – So viel Energie legt nicht jeder an den Tag. Etwa ein Viertel der bisherigen Teilnehmer an dem Projekt versagte gar jegliche Mitarbeit, mancher blieb schon nach dem ersten Tag fern. Von den 25, die durchgehalten haben, werden im Herbst sechs eine Lehre beginnen.