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Erste Erntehelfer in Sachsen eingetroffen

Vermutlich ab dem 20. Mai werden die Erdbeeren bei der Obstland AG reif. Der Vorstand hofft auf genügend Helfer.

Auf einem Feld bei Minkwitz wachsen sie, die mehrfach tragenden Erdbeeren der Sorte „Florentiner“. Susann Kühne ist verantwortlich für die süßen Früchte in der Region Leisnig.
Auf einem Feld bei Minkwitz wachsen sie, die mehrfach tragenden Erdbeeren der Sorte „Florentiner“. Susann Kühne ist verantwortlich für die süßen Früchte in der Region Leisnig. © Lars Halbauer

Region Döbeln. Aus Spanien sind sie längst im Supermarkt erhältlich, in der Region lassen sich die süßen Früchte noch Zeit. Dabei hat Jan Kalbitz schon vor Ostern die ersten Blüten an den Erdbeerpflanzen entdeckt. Aber nur an denen, die mit Minitunneln und Fleece geschützt sind und besonders zeitig ihre Früchte tragen. Inzwischen ziehen auch die freien Feldpflanzen nach.

„28 bis 32 Tage dauert es von der Blüte bis zur reifen Frucht“, sagt der Vorstand der Obstland AG aus Dürrweitzschen. Bis die Pflanzen so viele Früchte tragen, dass sich die Ernte auch für den Verkauf lohnt, wird noch etwas mehr als eine Woche vergehen. Um den 20. Mai herum rechnet Kalbitz mit dem Start in die Saison. Durch Abdecken können die Pflanzen vor dem angekündigten Frost in dieser Woche geschützt werden.

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„Dafür ist alles vorbereitet und wird je nach letztem Stand der Wettervorhersage entschieden“, sagt Jan Kalbitz. Nachteil der Abdeckung sei, dass sie bei starkem Wind Blüten oder junge Früchte durch Anschlagen deformieren. „Wo möglich und nötig, können wir auch mit heißer Luft oder auf kleiner Fläche auch mit einer Frostschutzberegnung agieren“, ergänzt der Vorstand.

Bisher war das Wetter für die Pflanzen aber gut. Durch die viele Sonne bekämen die Früchte ausreichend Licht. Der fehlende Regen werde durch eine Bewässerung ersetzt. Um das richtige Maß an Feuchtigkeit zu erwischen, wird auf den Anbaugebieten die Bodenfeuchtigkeit gemessen. 

Auf rund 35 Hektar, verteilt auf die vier Obstanbau-Gebiete des Unternehmens in Leisnig, Dürrweitzschen, Sornzig und Ablaß wachsen die knallig roten Vitaminbomben, die dieses Jahr geerntet werden können. Vorwiegend angebaut sind dort die Sorten Rumba und Sonata. 2018 kam die Sorte Faith dazu. Auf rund 14 Hektar wachsen zudem die neuen Pflanzen.

Andere Reifezeit, neue Schädlinge

Auf einem Feld bei Minkwitz sind zudem im April 2019 immertragende Erdbeeren eingepflanzt worden. Hier sammelt die Obstland AG derzeit noch Erfahrungen. „Wenn die Erdbeeren zu einer anderen Zeit reif werden, hat man auch mit anderen Schädlingen zu tun“, schildert Kalbitz. Über den Winter seien dagegen unter anderem Schlupfwespen eingesetzt worden. 

Die Obstbauern hoffen nun, dass mit den Nützlingen der Bestand an Schädlingen ausreichend reduziert wurde. Die Pflanzen werden von einem Minitunnel geschützt. Trotzdem war im vergangenen Jahr nach Pfingsten der Hagel auf sie gedonnert. „Aber jetzt sehen sie gut aus“, so Kalbitz.

Für dieses Jahr erwartet der Vorstand eine normale Ernte. Knapp 240 Helfer sind dafür nötig. Die ersten sind vor einer Woche in Nürnberg eingetroffen, auf dem Flughafen. Mitarbeiter der Obstland AG haben die knapp 15 Erntehelfer aus Rumänien selbst abgeholt und zu den firmeneigenen Unterkünften gebracht. Dort gelten aufgrund der Corona-Krise entsprechende Schutzmaßnahmen. Es gibt Desinfektionsmittel, die Zahl der Bewohner pro Unterkunft wurde reduziert. 

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

In der Erdbeersaison lasse sich dies noch gut handhaben, meint Kalbitz. Nach der Ankunft dürfen sich die Erntehelfer für zwei Wochen nur auf dem Betriebsgelände aufhalten. „Sie befinden sich zunächst in Quarantäne.“ Auch bei der Obstland AG dürfen die Erntehelfer erst einmal nur Aufgaben übernehmen, bei denen sie keinen Kontakt zu den übrigen Mitarbeitern haben. Ab Mitte nächster Woche werden weitere Helfer erwartet.

Kalbitz rechnet damit, dass es ihm bis zum Beginn der Ernte gelingt, genügend Helfer in die Region zu holen. Er sei dazu im Gespräch mit den Agenturen in Rumänien, aber auch in Polen habe er einige Kontakte aus der Vergangenheit wieder aufleben lassen. Von einer Scheu der Saisonarbeitskräfte, nach Deutschland zu kommen, habe er bisher von seinen Agenturen nichts gehört. 

Allerdings sei es kaum gelungen, die Erntehelfer, die beim Schnitt der Obstbäume Ende März in der Region tätig waren, dazubehalten, wie ursprünglich geplant. „Es sind ein paar Einzelne noch da. Viele wollten nach Hause“, erklärt Kalbitz.

Neben den Saisonkräften von außerhalb gebe es auch Angebote von Helfern aus der näheren Umgebung. Doch nicht jedes Angebot kann der Vorstand annehmen. „Es ist zwar löblich, wenn jemand von 10 bis 14 Uhr helfen will, zu pflücken. Aber wenn die Früchte am nächsten Tag im Supermarkt sein sollen, ist das zu spät. 

Aufgrund der Transportkette fangen wir schon zwischen 5 und 6 Uhr damit an, die dann noch kühlen Früchte zu ernten“, begründet Kalbitz. Andere Helfer hätten kein Fahrzeug, müssten aber zunächst aus Leipzig ins Obstland kommen, um arbeiten zu können. „Wir wählen die Option nicht generell ab, aber wir müssen jeden einzelnen Bewerber genau anschauen“, sagt Kalbitz.

Selbstpflücke auch im Obstland?

Einige Spargelbauer, wie der Betrieb Schertenleib in Ostrau, haben sich in dieser Saison auch mit der Option der Selbstpflücke geholfen. Vielleicht ist auch das eine Alternative für die Obstbauern aus Dürrweitzschen. Laut Kalbitz werde überlegt, eine Selbstpflücke anzubieten. Das gab es bislang bei der Obstland AG nicht. Doch ob und wo dies möglich sein wird, dazu kann Kalbitz aktuell noch keine definitive Aussage treffen. Sollte es diese Option geben, dann allerdings erst ab Juni.

Zu der Zeit wird voraussichtlich auch die Selbstpflücke in Sömnitz bei Ostrau möglich sein, sagt Christan Wachs. Er kümmert sich dort auf rund 1,3 Hektar um einen Bestand an Pflanzen. Der sehe soweit gut aus, auch wenn einige Blüten schon dem Frost zum Opfer gefallen sind. Aber der Regen jetzt tue den Pflanzen, die ebenfalls bewässert werden, gut.

Doch ein Wermutstropfen bleibt. Der Aufwand bei der Suche und der Anreise der Erntehelfer wird sich in diesem Jahr auf den Preis der Früchte auswirken. „Die Preise entstehen am Markt. Aber die Aufwendungen sind ein Stück weit gestiegen. Die Unterbringung der Saisonkräfte und die Anreise mit dem Flugzeug statt mit dem Bus sind teurer. Es wäre schön, wenn wir daher am Markt bessere Preise erzielen könnten“, sagt der Obstland-Vorstand.

Für die Ernte des Kernobstes benötigt die Obstland AG 800 bis 1.000 Erntehelfer. „Ich gehe davon aus, dass sich die Kräfte finden werden und die Ernte im Spätsommer beziehungsweise Herbst weitestgehend normal laufen kann“, meint Kalbitz. Eine Rolle dabei spiele auch, dass sich das Kernobst einfacher ernten lasse, als Spargel oder Erdbeeren.

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