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Kamenz

Gaststätten bieten jetzt Abholservice

Wegen des Coronavirus dürfen Restaurants nur noch eingeschränkt öffnen. Mit neuen Ideen kommen sie ihren Gästen entgegen.

Thomas Lukasch, Küchenchef im Sorbischen Restaurant Wjelbik in Bautzen, probiert mit seinem Team momentan außergewöhnliche Wege aus der Krise.
Thomas Lukasch, Küchenchef im Sorbischen Restaurant Wjelbik in Bautzen, probiert mit seinem Team momentan außergewöhnliche Wege aus der Krise. © Archivfoto: SZ / Uwe Soeder

Bautzen/Kamenz/Bischofswerda. Das Coronavirus hält ganz Deutschland in Atem. Zu den Branchen, in denen es deswegen in den nächsten Wochen ruhiger zugehen wird, gehört die Gastronomie. Die aktuelle Lage gestattet hiesigen Gaststätten zwar noch, verkürzt zu öffnen. Wie lange das so sein wird, ist jedoch unklar. Täglich ändern sich die Auflagen. Zum Beispiel müssen die Abstände zwischen den Tischen größer werden. Die meisten Restaurants sind von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Doch nur wenige Gäste nehmen das Angebot an.

Auch im Sorbischen Restaurant "Wjelbik" in Bautzen bekommt man dies zu spüren.  Eigentlich wäre Hochdruck zur Mittagsstunde, würden Dutzende Hungrige einer Reisegesellschaft an Tischen sitzen und Hochzeitssuppe, Quark mit Leinöl oder Bautzener Schlachteplatte genießen. Und es würden unzählige Tischreservierungen im Buch stehen. Restaurantleiterin Monika Lukasch aber hat Zeit für ein Gespräch.

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Nichts ist derzeit normal. "Obwohl wir  sagen müssen, dass sich die Lage nach dem gestrigen Schock wieder entspannt hat", sagt sie. Am Dienstagabend hagelte es Stornierungen, riefen unzählige Gäste an, nachdem die Bundesregierung die neuen Leitlinien gegen die Ausbreitung des Coronavirus herausgegeben hatte. "Viele waren regelrecht entsetzt. Heute sahen alle schon etwas klarer und reagierten gelassener", sagt sie.

"Wjelbik": Wunschessen aussuchen und abholen

Trotzdem müssen Krisenpläne geschmiedet werden. Das "Wjelbik" reagierte jedenfalls schnell und  bietet seit Dienstag einen Abholservice an. "Wir denken, dass den Stammgästen unser Essen fehlen wird. Viele kommen öfters unter der Woche zum Mittagstisch. Nun trauen sich die Leute kaum mehr her. Aber das Essen könnte man ja auch gemütlich daheim genießen." Auf ihrer Homepage und über soziale Medien werben die Inhaber dafür, dass man auch in schweren Zeiten "nicht auf Senfsuppe, Wiener Schnitzel und Creme brulée verzichten muss".

Per Internet kann man sich sein Wunschessen aus der Karte aussuchen und nach telefonischer Bestellung vor Ort abholen. "Wenn gewünscht, gleich auf dem eigenen Teller. In Plastikdosen sieht es nicht ganz so vorteilhaft aus, geht aber auch", sagt Monika Lukasch. Sie hält zwar umweltfreundliches Verpackungsmaterial aus Rohrzucker bereit, doch wer möchte kann es sich stilecht auf dem Teller nach Hause holen. Das neue Angebot ist noch ganz frisch. "Noch hat es kaum jemand genutzt. Aber eine Tisch-Reservierung  für Sonnabend haben wir bereits telefonisch umgelenkt. Die Kunden holen sich ihre Wunschgerichte nun ab." Wieder vier Essen gesichert. Not macht erfinderisch.

Tisch-Stornierungen nehmen weiter zu

Im Bistro Plan B. in Kamenz konnte man schon immer Speisen mit nach Hause nehmen -  umweltfreundlich in recycelter Zuckerrohr-Verpackung. Oder im Einweckglas. Dieser Tage fällt Inhaberin und Köchin Diana Heinrich nicht unbedingt auf, dass die Kundschaft dieses Angebot verstärkt nutzt. "Meine Stammgäste kommen erfreulicherweise immer noch gern und essen vor Ort, nutzen ihre Mittagspause für etwas Gemütlichkeit. Ich habe den Gastraum  umgeräumt und mehr Platz zwischen den Tischen geschaffen, doch die Menschen kommunizieren trotzdem gern miteinander. Das macht unser Bistro auch aus", freut sie sich. 

Im "La Piazza" am Kamenzer Markt  häufen sich derweil die Tisch-Stornierungen. "Wir finden die Idee mit dem Abholservice aber sehr gut und werden schnellstens darüber nachdenken", so Mitarbeiterin Kerstin Osmani.

Auch das französische Gasthaus L’Auberge „Gutshof“ in Bischofswerda hat einen  Abholservice eingerichtet und wirbt damit auf seiner Homepage und Facebook-Seite. Aktuell gibt es eine Aktion mit Flammkuchen in neun Varianten, die man gut nach Hause transportieren kann. 14 weitere Angebote aus der Speisekarte können ebenfalls geordert werden. Zumindest in den sozialen Medien trifft dies auf gute Resonanz und wird fleißig geteilt. Wie es genutzt wird, bleibt abzuwarten. Da die Gaststätten 18 Uhr schließen müssen, breche das Abendgeschäft vollständig weg. 

Doch keiner weiß, wie es weiter geht. "Sollte eine Ausgangssperre kommen, dann ist natürlich alles hinfällig", sagt die Restaurantleiterin des "Wjeblik"  in Bautzen. Vorerst aber werden fleißig Ideen geschmiedet. Immerhin geht es im "Wjelbik" um die Arbeitsplätze für 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein bisschen schwebt das Thema Kurzarbeit über der gesamten Branche. "Wir pflegen ein gutes Miteinander und kommunizieren viel mit anderen Kollegen in der Umgebung. Da tauscht man sich auch über so etwas aus", sagt Monika Lukasch. "Das Schlimmste für alle ist die Unsicherheit", weiß sie.

Das Ostergeschäft wird in Bautzen sicher ohne Touristenströme laufen. "Die Einheimischen wollen aber auch essen. Sie können ja diesmal nicht wegfahren", sagt die Wirtin schmunzelnd. Auf die nette Stammkundschaft freue man sich. "Vier Wochen kann ein gut aufgestelltes Restaurant durchaus überbrücken. Danach wird es kritisch!"

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