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Dresden

Erste-Hilfe-Kurse immer gefragter

Vor allem Eltern wollen auf den Ernstfall vorbereitet sein. Steigt das Sicherheitsbedürfnis der Dresdner? 

Schon im Kindesalter lassen Eltern ihren Nachwuchs gern an die wichtigsten Handgriffe der Ersten Hilfe heranführen. Egon und Emil üben im Kinderhaus Jona, wie ein Verband richtig angelegt wird.
Schon im Kindesalter lassen Eltern ihren Nachwuchs gern an die wichtigsten Handgriffe der Ersten Hilfe heranführen. Egon und Emil üben im Kinderhaus Jona, wie ein Verband richtig angelegt wird. © René Meinig

Im Kindergarten herrscht Aufregung. Heute kommen echte Sanitäter, die den Vorschülern im Kinderhaus Jona beibringen, was zu tun ist, wenn sich jemand verletzt hat und Hilfe braucht. Egon und Emil, beide fünf, üben eifrig, wie Verbände richtig angelegt werden, wie ein Notruf abgesetzt und ein Verletzter beruhigt wird. Das Johanniter-Team um Ausbildungsleiter Roy-Udo Heim ist regelmäßig in Dresdner Kindergärten und Schulen unterwegs, um schon die Kleinen an das heranzuführen, was im Ernstfall Leben retten kann.

Das Bedürfnis nach mehr Sicherheit im Alltag steigt, sagt Heim. Das bestätigt auch Ulrike Peter, Sprecherin beim Deutschen Roten Kreuz Dresden. Die Nachfrage von Kindergärten und Grundschulen werde immer größer. „Generell können wir sagen, dass Erste Hilfe Kurse populärer geworden sind.“ Doch auch Eltern wollen gewappnet sein, wenn ihr Kind sich die Hand verbrennt, eine Platzwunde am Kopf oder Atemnot hat. Für Eltern sind diese Fälle eine Horrorvorstellung, die sie wahrscheinlich nicht verhindern, aber sich so gut wie möglich darauf vorbereiten können.

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Den Johanniter-Kurs „Erste Hilfe am Kind“ gibt es schon seit vielen Jahren. „Wir bieten heute aber deutlich mehr Kurse dazu an“, sagt Heim. War es vor vier Jahren nur ein Kurs mit 16 Teilnehmern im Quartal, stieg die Zahl der Kurse in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Zunächst waren es Kurse im Abstand von zwei Monaten, dann alle zwei Wochen am Wochenende. Mittlerweile finden sie wöchentlich und auch in der Woche statt. Im kommenden Jahr soll dieses Angebot noch erweitert werden, sagt Johanniter-Sprecher Danilo Schulz. Immer mehr Familien nutzen zudem die Möglichkeit, so einen Kurs in der Elternzeit zu machen.

Roy-Udo Heim ist sich sicher, dass das Thema heute gesellschaftlich mehr Bedeutung hat. „Eltern verlassen sich nicht mehr darauf, was Oma früher im Notfall gemacht hat. Sie wollen sich selbst vom Experten erklären lassen, was zu tun ist, sie wollen die Handgriffe ausprobieren, damit diese im Ernstfall sitzen.“ Das gebe den Eltern Sicherheit, auch mal etwas auszuprobieren, bevor sie den Notruf wählen.

Vor allem bei Säuglingen gelten bei der Ersten Hilfe nämlich einige andere Regeln, als bei größeren Kindern oder Erwachsenen. „Babys müssen zum Beispiel in eine stabile Bauchlage gebracht werden – die Seitenlage wird erst später angewendet.“ Eltern lernen bei Heim, wie ein Kind reanimiert und eine Wunde versorgt wird, was bei schwacher Atmung und bei einem Insektenstich im Rachen zu tun ist. „Die Eltern haben aber auch von sich aus viele Fragen zu Dingen, die im Alltag häufig passieren.“ Häufig gefragt sind Themen wie Nasenbluten, Verbrennungen und Vergiftungen. Auch hier müsse man je nach Alter des Kindes unterschiedlich handeln, erklärt der Experte. Genauso wichtig seien psychologische Tipps: „Ruhe bewahren, trotzdem ehrlich zum Kind sein, damit es weiß, was los ist mit ihm“, sagt Heim.

Zu mehr Gelassenheit rät der Dresdner Kinder- und Jugendpsychiater Veit Rößner. Es sei gut, vorbereitet zu sein, wenn das Kind schnelle Hilfe braucht. „Zu viel Angst vor dem, was alles passieren kann, wird aber auch das Kind ängstigen.“ Rößner erlebt, dass Eltern mehr Verantwortungsdruck spüren und vorsichtiger sind. „Wenn ein Kind nicht Schwimmen oder Fahrradfahren lernt, aus Angst davor, dass es sich verletzt, wird das eher zu Unfällen führen.“

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