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Erste Supermärkte beschränken Einlass

Kunden sollen in Löbau/Zittau jetzt einzeln einkaufen, so der Wunsch von Discountern. Bei manchen gibt es sogar festgelegte Zahlen, wie viele hineindürfen.

Von Jan Lange & Markus van Appeldorn
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In einigen Supermärkten darf jetzt nur noch eine bestimmte Anzahl Kunden einkaufen.
In einigen Supermärkten darf jetzt nur noch eine bestimmte Anzahl Kunden einkaufen. © Sven Ellger

Maximal 25 Kunden dürfen sich aktuell im Edeka-Markt an der Dresdner Straße in Zittau aufhalten. Darauf weist ein Schild direkt am Eingang des Marktes hin. Ist diese Zahl überschritten, müssen die Kunden warten, bis ihnen der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Einlass gewährt. 

Gerade hat wieder ein Kunde den Einkaufsmarkt verlassen, ein anderer darf ihn nun betreten. Ganz vorn in der Schlange steht allerdings ein älteres Ehepaar. Der Mann, der den Wagen vor sich herschiebt, schreitet los, während ihm seine Frau zuruft, dass sie nachkommt. Die Szene wirkt schon ein wenig skurril.

Auch die zeitweise Ansammlung von Kunden vor dem Markt, die auf Einlass warten, ist nicht unbedingt mit den derzeitigen Regelungen zur Gruppenbildung konform. Da sich die Kunden nicht untereinander absprechen, wann wer einkaufen geht, kann es - wie in diesem Moment - vorkommen, dass draußen etwa zehn Kunden, relativ dicht beieinander stehend, auf Einlass warten. Auch an anderen Supermärkten bilden sich Schlangen von Kunden vor den Eingängen, die oft nur durch eine Einkaufswagenlänge voneinander getrennt sind.

Offiziell heißt es von Edeka: "Wir wenden in unseren Regie-Märkten die Regelung fünf Personen pro 100 Quadratmeter an, was wir auch unsere selbstständigen Kaufleuten empfehlen, zu tun. Teils erfolgt diese Kontrolle über Sicherheitsdienste, teils übernimmt dies das Marktpersonal", informiert Stefanie Schmitt von der Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen Stiftung & Co. KG.

So wie hier bei Kaufland im Elbepark in Dresden bildeten sich vor einigen Discountern längere Kundenschlangen.
So wie hier bei Kaufland im Elbepark in Dresden bildeten sich vor einigen Discountern längere Kundenschlangen. © Sven Ellger

Während bei Edeka die Anzahl der Kunden auf 25 beschränkt ist, gibt es bei Kaufland bisher nur den Hinweis, möglichst nicht zu zweit oder in Gruppen, sondern einzeln einkaufen zu kommen. In den sozialen Netzwerken sorgte allein die Ankündigung für Kritik. Eine alleinerziehende Mutter beklagte sich, was sie während der Zeit des Einkaufs mit ihrem Kind tun solle, wenn man nicht mehr zu zweit den Markt betreten könne. Kaufland versichert, dass man weiter mit Kindern einkaufen könne. Wenn es möglich ist, sollten Eltern aber darauf verzichten.

Paletten-Barriere zwischen Ein- und Ausgang

Auch in den beiden Zittauer Kaufland-Filialen kontrolliert Sicherheitspersonal den Kundenstrom. Im Markt an der Christian-Keimann-Straße hat der Kollege immer eine Desinfektionsflasche zur Hand, mit der er die Griffe der Einkaufswagen absprüht. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Rewe, wo die Einkaufswagen ebenfalls desinfiziert werden. Nur desinfizierte Wagen werden an die Kunden weitergegeben. Außerhalb des Marktes stehen gar keine Wagen mehr bereit.

"Wir sind derzeit in der Erarbeitung von Konzepten, die darauf abzielen, den Zugang zu den Märkten zu beschränken – wo der Kundenzulauf dies notwendig macht. Dies kann sowohl durch Einlasskontrollen als auch durch die Beschränkung der Anzahl der Einkaufswagen oder Einkaufskörbe geschehen", erklärt Kristina Schütz, Pressesprecherin der Rewe-Gruppe, und fügt hinzu: "Über die jeweilige Regelung informieren wir unsere Kunden über Aushänge oder Plakate."

In der Löbauer Kaufland-Filiale wurde die Zahl der Kunden ebenfalls eingeschränkt. Gewährleistet wird das hier durch eine Verknappung der Einkaufswagen. Ein Security-Mann am Eingang weist ankommende Kunden daraufhin, dass der Einkauf nur mit einem Einkaufswagen erlaubt ist. Eine der zwei großen Wagenboxen wurde allerdings mit einer Barriere aus Paletten abgesperrt.

Um die Ströme von Kunden auseinander zu halten, die den Markt betreten oder verlassen, wurde auch der Eingangsbereich mit einer Paletten-Barriere getrennt. Genauso hat auch der Kaufland-Markt an der Äußeren Weberstraße in Zittau gehandelt. Rechts geht es nun nur noch hinein, links können die Kunden den Markt verlassen. Zwischen beiden Zugängen wurde auch hier eine lange Paletten-Barriere errichtet.

Seife, Toilettenpapier, Nudeln - alles alle

Die Kunden lassen sich davon noch nicht von ihrem Einkauf abhalten. Gerade die großen Märkte sind noch gut gefüllt. Was man von den Regalen - gerade bei Kaufland - nicht unbedingt behaupten kann. Schon am vergangenen Sonnabend waren im Zittauer Markt an der Äußeren Weberstraße viele leer oder zumindest halbleer. Anfang der Woche hat sich daran nicht viel geändert.

Auch in Löbau sind viele Regale nahezu leer, etwa die für Nudeln, Brot, Reis oder Konserven. Tiefkühlpizza und Fisch werden langsam knapp. Über dem Abstellplatz für Toilettenpapier weist nur noch ein Schild darauf hin, dass es hier mal die Sorte "Limited Edition" gab. Mehrere Regalmeter Seife sind komplett abverkauft - ausgerechnet "Arztseife" gibt's noch.

Dennoch versichern die Supermarktketten gebetsmühlenartig, dass die Versorgung gesichert sei. "In den vergangenen Tagen wurden in unseren Filialen Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Mehl und Konserven sowie Hygieneprodukte teilweise sehr stark nachgefragt. Daher kann es derzeit bei einzelnen Produkten kurzfristig zu Engpässen kommen", erklärt Andrea Kübler von der Kaufland-Presseabteilung in Neckarsulm. "Aufgrund unseres großen Sortiments ist die Warenversorgung jedoch grundsätzlich gewährleistet. Da unsere Filialen laufend mit neuer Ware beliefert werden, ist die Warenversorgung auch weiterhin sichergestellt."

In der aktuellen Situation arbeiten die Mitarbeiter in den Aldi-Märkten und in der Logistik unermüdlich daran, den Warenfluss sicherzustellen, teilt Aldi-Sprecher Christian Salmen auf SZ-Anfrage mit. "Darauf liegt aktuell unser ganzer Fokus."

Mit solchen Hinweisen werden die Kunden über die Abgabebeschränkungen bei bestimmten Produkten informiert.
Mit solchen Hinweisen werden die Kunden über die Abgabebeschränkungen bei bestimmten Produkten informiert. ©  privat

Bestimmte Produkte rationiert

An "Hamsterkäufen" allein können die momentanen Engpässe bei bestimmten Produkten nicht liegen. Denn schon seit mehreren Tagen hat beispielsweise Kaufland die Abgabe vieler Produkte beschränkt. Betroffen sind nicht mehr nur allein Toilettenpapier und Nudeln. Auch Zucker, Mehl, Zwieback und Fertiggerichte sind aktuell in den Zittauer Kaufland-Märkten rationiert. So gibt's pro Kunden nur eine Packung Toilettenpapier, von Zucker, Mehl, Nudeln, Fertigprodukten oder Konserven gibt's pro Kunden nur zwei Stück. Im Löbauer Kaufland-Markt sind die Rationierungen identisch.

Bundesweit sei aber keine Rationierung der Warenabgabe geplant, versichert die Kaufland-Pressesprecherin. In Einzelfällen kann es durchaus sein, dass Filialen für bestimmte Produkte eine Abgabe auf haushaltsübliche Mengen beschränken, bestätigt sie die Situation in den hiesigen Kaufland-Märkten.

Zum Thema Abgabebeschränkung teilt Edeka-Sprecherin Stefanie Schmitt mit: "Eine Abgabebeschränkung gibt es nur insofern, dass wir die Verbraucher auf die haushaltsübliche Mengenabgabe hinweisen, so wie Sie es sonst auch als Vermerk in unseren Handzetteln finden." Bei Rewe gibt es momentan auch noch keine umfangreichen Abgabebeschränkungen.

Unternehmenssprecherin Kristina Schütz erklärt dazu: "Unsere Marktverantwortlichen haben grundsätzlich – wie auch schon vor Corona üblich – die Möglichkeit, den mengenmäßigen Verkauf eines Artikels temporär und individuell zu steuern. Einfluss darauf haben unter anderem die jeweilige Disposition, die Verfügbarkeit oder Zuteilungsmenge, die Prognose der erwarteten Nachfrage oder auch der verfügbare Platz im Regal."

An Kassen Plexiglasscheiben oder Spukschutz angebracht

In Sachen Mitarbeiterschutz haben innerhalb der letzten Tage viele Supermärkte weitere Maßnahmen ergriffen. Waren Plexiglasscheiben oder ein sogenannter Spukschutz Mitte voriger Woche noch die Ausnahme in den heimischen Supermärkten, so sind sind mittlerweile vielerorts angebracht worden.

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