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Erste Wahl

Jasmin Rjeschni und Paul Schlosser dürfen im Mai zum ersten Mal wählen. Paul nutzt diese Chance gleich doppelt.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Vor dem ersten Mal herrscht Aufregung. Dabei geht es doch nur um ein paar Kreuze. „Doch wir haben ja noch nie gewählt“, sagt Paul Schlosser. Am 14. Januar feierte der Schüler aus Großbrösern seinen 18. Geburtstag. Ende Mai darf er deshalb genauso wie seine Mitschülerin Jasmin Rjeschni über das Europaparlament, den Kreistag und den Gemeinderat abstimmen. Und nicht nur das: Der Zwölftklässler aus dem Bautzener Melanchthon-Gymnasiums meldete sich für den Superwahltag auch gleich als Wahlhelfer an. „Mich interessiert einfach, wie so ein Tag abläuft – vom Öffnen der Wahllokale bis zum Auszählen der letzten Stimme.“

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Noch freilich bestimmt der Unterricht den Alltag der Jugendlichen. Jasmin und Paul genießen die letzten Schultage vor den Abiprüfungen. Sorgen machen sie sich deshalb nicht. Schließlich sind die Vorklausuren bestens gelaufen. Umso gespannter blicken beide auf die Zeit nach dem Abitur. Dann werden sie der Oberlausitz den Rücken kehren. Jasmin will Internationales Management studieren.

Paul hat sich noch nicht entschieden, ob es nun Jura oder doch Wirtschaft sein soll. Und auch die Politik interessiert ihn. „Es stimmt einfach nicht, dass Jugendliche generell unpolitisch sind“, sagt der Abiturient. „Sicher, wir diskutieren auf dem Schulhof nicht über Wahlprogramme. Trotzdem haben wir zu vielen Themen eine Meinung.“ Da wird im Freundeskreis zuweilen auch kontrovers über Diätenerhöhungen, Asylrecht oder die deutsche Außenpolitik gestritten. Auch in der Familie treffen oft unterschiedliche Standpunkte aufeinander. „Meist finden wir aber am Ende einen Konsens “, sagt Jasmin.

Wäre sie selbst Politikerin, dann würde sie sich vor allem für ein bundesweit einheitliches Abitur einsetzen. Mehr noch: „Eigentlich müsste man das ganze Schulsystem reformieren. Aber das ist eine Riesenaufgabe“, sagt die 18-Jährige. Paul würde hingegen zuerst das Thema Rente anpacken. „Es muss doch eine Altersversorgung geben, von der alle gut leben können, und die trotzdem nicht so stark zulasten der jungen Generaration geht“, sagt er.

Auch ihre Wahlentscheidung treffen beide Erstwähler mit Bedacht. „Ich schaue mir genau an, welche Ziele die Parteien haben. Aber es gibt keine, die zu 100 Prozent meinen Vorstellungen entspricht. Da muss man schon Kompromisse machen“, sagt Paul. Und beide Schüler wissen auch: Wahlprogramme sind das eine, der politische Alltag sieht oft anders aus.

Dennoch ist Nichtwählen aus ihrer Sicht keine Lösung. Wer so denke, überlasse den Falschen das Feld. „Manchmal denke ich sogar, es wäre gut, wenn schon 16-Jährige mitstimmen dürften. Dann würden die Ergebnisse anders aussehen und junge Parteien, wie die Piraten, in die Parlamente kommen“, sagt Paul. Er wird wohl am 25. Mai einer der Ersten sein, der seine Kreuze auf dem Wahlzettel macht. Gleich danach tritt er seinen Dienst als Wahlhelfer an. Jasmin wird gemeinsam mit ihren Eltern zum Wahllokal gehen. Stolz und auch ein wenig aufgeregt. Auf ein Wort