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Erster Drehtag lockt Zuschauer

Film. Die Dreharbeiten mit Ottfried Fischer haben begonnen. Schaulustige umringen das Team.

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Von Ulrike Körber

Er ist der Star. Nur ihn wollen sie sehen, die beiden Ein-Euro-Jobberinnen, die eigentlich keine Zeit haben und dann doch mindestens 15 Minuten stehen bleiben und sich über die Mauer hinter der Frauenkirche lehnen – direkt neben dem Postkartenvertreter aus Thüringen, der versucht, ihn vor seine kleine Kamera zu bekommen. Ihn, den Dicken mit dem schwarzen Hut, den sie alle aus dem Fernsehen kennen. „Ja, wenn Ottfried Fischer irgendwo auftaucht, dann dauert es nicht lang und die Zuschauer kommen scharenweise“, sagt Rico Krahnert. In Meißen sei das nicht anders. Aber das ist das Team gewöhnt. Bis zum 4. August dreht Fischer in der Stadt für eine neue Krimifolge der Reihe „Pfarrer Braun“. Start war gestern vor dem Brauhaus und in der Webergasse 1.

Fischer ist zwar der Star, doch Krahnert hat viel zu sagen in der Crew. Immerhin ist er der erste Aufnahmeleiter des Teams und auf das „erste“ – da legt er Wert. Schließlich ist er es, der alle Filmtage koordiniert, den mit Kameras bestückten Hubschrauber ordert, die Fäden zieht. Krahnert dirigiert das 35-Mann starke Team, von Fischer angefangen bis zu den jungen Leuten, die mit Handys und Fahnen ausgerüstet die Zuschauer am Drehort vorbeischleusen oder wenigstens in Schach halten. Schließlich brauchen Regisseur und Hauptdarsteller, Kameraleute und Produktionsassistentin, Klappenhalterin, Mikroträger, Kabelschlepper und alle anderen Ruhe für ihre Kunst.

Szene wird x-mal wiederholt

„So lange wir unser Programm durchziehen können, stört mich eigentlich keiner“, sagt Regisseur Ulrich Stark wortkarg. Er sieht das Publikum kaum, genauso wenig wie Fischer, der still und stumm auf seinem Stuhl sitzt, liest, und sich nur rührt, wenn es wieder heißt: „Aufnahme, Ruhe bitte!“ Auf diesen Punkt ist absolute Stille, wirken die Menschen rund um den Drehort wie erstarrt. Dann spricht nur Fischer mit seiner Filmpartnerin – ein, zwei Sätze – bis Stark „Danke!“, ruft. Eine Stunde geht das so. Alle paar Minuten hört man: „Ruhe, Aufnahme!“ 60 Minuten lang sagt Fischer immer wieder die selben zwei Sätze, während Teamleute und Publikum wie angewurzelt und atemlos stehen. „Meine Güte dauert das, ehe sie was im Kasten haben“, raunt eine der Ein-Euro-Jobberinnen kopfschüttelnd und tritt von einem Fuß auf den anderen. „Die proben doch, ehe sie mit dem Dreh beginnen“, raunt der Postkartenvertreter aus Thüringen zurück. Er hat sich kundig gemacht bei dem Mann mit dem Sprechgerät. Wahrscheinlich bei dem Gleichen, der den Finger auf die gespitzten Lippen legt und zur Ruhe mahnt. Denn schon wieder soll Fischer seine zwei Sätze sprechen.

Das dauert den beiden Ein-Euro-Jobberinnen jetzt zu lang. Sie stehlen sich quasi auf Zehenspitzen am Catering-Wagen vorbei, wo Claudia Dilthey von der Berliner Firma Comida inzwischen den Salat für das Filmteam reißt und Kannen mit Kaffee aufstellt. „Die Künstler lieben Frisches, bei uns gibt nichts aus Dosen oder aus dem Glas“, sagt sie im Flüsterton und schaut zu der Mauer, an der auch der Vertreter aus Thüringen seine Kamera wieder verpackt. „Eigentlich wollte ich eine Autogrammkarte haben, doch dafür hat Fischer keine Zeit, sagte man mir.“

Zuschauer begeistert

Gestern hatte Fischer keine Zeit und ob er sie heute und morgen hat – das weiß nur der erste Aufnahmeleiter. Krahnert macht die Tagespläne, und die sind auf Kante genäht. Nichts darf dazwischen kommen. Das weiß auch Claudia Dilthey. Sie ist ein alter Hase im Filmgeschäft, hat so manchen Star schon bekocht und schaut nur müde lächelnd zu den immer neuen Schaulustigen, die ihn sehen wollen – ihn, den Dicken mit dem Hut, den sie aus dem Fernsehen kennen.