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Erstes Elbeschwimmen ohne Dietrich Ewers

Als Badegewässer hat die Elbe einen schlechten Ruf. Am Sonntag wollen rund 2.000 Badegäste das Gegenteil beweisen.

Daniel Baumann mit dem schwimmenden Maskottchen Elbi. Am Sonntag zum größten Flussschwimmen Dresdens, wird nur einer von ihnen im Wasser sein, denn der neue Organisator wird das Geschehen vom Ufer aus überwachen.
Daniel Baumann mit dem schwimmenden Maskottchen Elbi. Am Sonntag zum größten Flussschwimmen Dresdens, wird nur einer von ihnen im Wasser sein, denn der neue Organisator wird das Geschehen vom Ufer aus überwachen. ©  Rene Meinig

Wenn in diesem Jahr das 22. Dresdner Elbeschwimmen stattfindet, wird es ganz im Namen von Dietrich Ewers stehen. Der bekannte Johannstädter hatte das gemeinsame Flussschwimmen 1998 als einmalige Aktion ins Leben gerufen und seitdem jeden Sommer wiederholt. Im Oktober 2018 verunglückte der Rentner jedoch bei einer Bergwanderung auf Rhodos tödlich. In diesem Jahr übernimmt nun sein früherer Nachbar Daniel Baumann die Organisation.

Bevor es am 4. August ins Wasser geht, wird Baumann deshalb eine Rede zu Ewers Ehren halten. Im Vorfeld wird es „Danke Dietrich“-T-Shirts zu kaufen geben und zum Schluss noch eine Überraschung: „Ohne zu viel verraten zu wollen, am Ziel wird jeder von Dietrich begrüßt werden“, verkündet der neue Organisator.

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Dem fast 80-jährigen Ewers war bereits klar gewesen, dass er das Elbeschwimmen nicht ewig organisieren kann. „Irgendwann hat er mich zur Seite genommen und gefragt, ob ich das Elbeschwimmen nicht in die Hand nehmen möchte“, erzählt der 33-Jährige. Eine Bedingung gab es allerdings, Baumann sollte das gemeinsame Flussschwimmen für mindestens fünf Jahre weiterführen. „Das hab ich ihm dann versprochen und ich werde es auch noch viel länger machen.“

Dietrich Ewers ist Initiator des Dresdner Elbeschwimmens. Hier ist er am Start 2016 zu sehen. Im Oktober 2018 ist Ewers er auf Rhodos tödlich verunglückt. 
Dietrich Ewers ist Initiator des Dresdner Elbeschwimmens. Hier ist er am Start 2016 zu sehen. Im Oktober 2018 ist Ewers er auf Rhodos tödlich verunglückt.  © Archiv/Sven Ellger

Von 2013 bis 2016 waren die beiden Nachbarn. „Dietrich hat jede Woche an meiner Tür geklingelt und mich zu irgendwelchen Veranstaltungen eingeladen“, erzählt Baumann. In den drei Jahren der gemeinsamen Organisation des Elbeschwimmens sei eine Freundschaft entstanden. „Er war immer ein großes Vorbild für mich, weil er für die Gesellschaft sehr viel getan hat. Nehmen wir nur den Aufzug am Terrassenufer, dafür hat er jahrelang gekämpft. Wenn jeder so wäre wie Dietrich, wäre die Welt definitiv ein besserer Ort.“

Deshalb werde das Elbeschwimmen als Ewers Erbe weiterbestehen. „Da wird alles genauso stattfinden wie bei Dietrich“, erzählt der Johannstädter. Das heißt, es wird kein Eintritt verlangt und die gleiche Strecke vom Blauen Wunder bis zum Fährgarten Johannstadt geschwommen. Da gibt es dann in alter Tradition für alle Teilnehmer kostenloses Bier und Bratwurst. „Das galt schon für die fünfzig Teilnehmer des ersten Elbeschwimmens und ist heute bei den fast 2 000 Teilnehmern noch genauso.“

Um so ein Event auf die Beine zu stellen, braucht es viele freiwillige Helfer. Zwischen zehn und 15 Leute haben Ewers bei der Organisation unter die Arme gegriffen. Nach seinem Tod sei das Team noch das Gleiche. Bis auf eine Ausnahme: Zum ersten Mal ist auch Ewers Frau mit dabei, um das Lebenswerk ihres Mannes weiterzutragen: „Wir machen das nach wie vor, um den Leuten zu zeigen, dass es auch in Dresden Flussschwimmer gibt“, sagt Baumann.

Und die werden immer mehr. Im letzten Jahr haben sich 1781 wagemutige Schwimmer in die Elbe getraut. Bei den angekündigten 26 Grad und Sonnenschein für Sonntag, gehen die Veranstalter davon aus, den Besucherrekord vom letzten Jahr noch einmal zu toppen. Da sei dann aber so langsam auch die Kapazitätsgrenze erreicht, denn sehr viel mehr als 2 000 Menschen vertrage die Veranstaltung nicht.

Dass das Elbeschwimmen Jahr für Jahr so viele Dresdner anzieht, liege daran, dass die Veranstaltung so unkompliziert gestaltet sei. „Jeder kann ganz ohne Anmeldung vorbeikommen, seine ganzen Sachen in einen Transporter schmeißen und losschwimmen.“ Da kommen dann nicht nur Wasserratten aus Dresden, sondern aus ganz Sachsen. Sogar aus Brandenburg und Berlin seien schon Besucher gekommen.

Wer sich durchs Elbeschwimmen angefixt fühle, öfters in der Elbe zu treiben, solle das unbedingt machen. Zumindest, wenn es nach Daniel Baumann geht. „In der Elbe kann man jeden Tag baden gehen, da gibt es keine Verbote.“ Nur leichtfertig solle man auf keinen Fall sein. „Es ist auf jeden Fall wichtig, die Gefahrenstellen zu kennen. Unter Brücken, vor allem unter Brücken mit Pfeilern, sollte man auf keinen Fall durchschwimmen und auch Bojen sollte man meiden.“ Zur besonderen Sicherheit wird die dreieinhalb Kilometern lange Strecke von neun Booten des DRK und der Wasserschutzpolizei begleitet.

Ein anderer Punkt ist die Wasserqualität, über die keine genauen Aussagen getroffen werden können, weil sie jeden Tag stark schwanke. „Solange man das Wasser nicht trinkt, ist das kein Problem“, meint Baumann. „Dietrich ist jeden Sonntag in die Elbe gestiegen. Nach dem Joggen ist er immer von der Heide aus nach Hause geschwommen.“

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