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Erstes Storchenpaar bei Schneetreiben in Schönborn gelandet

Erst kam das Männchen, kurze Zeit später das Weibchen. Ursache für die frühe Rückkehr könnte ein Unfall sein, sagen Anwohner.

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Von Thomas Drendel

Ein wenig verfroren stehen sie ja da, die beiden Weißstörche auf ihrem Horst in Schönborn. Mit dem vielen Schnee mitten im März haben sie offenbar nicht gerechnet. Das Männchen ist vor einigen Tagen ins Rödertal gekommen, seine Gattin fand etwas später den Weg ins gemeinsame Nest. Harry Kühne kennt die zu zeitig geratenen Frühlingsboten genau. „Sie kommen jedes Jahr zu uns auf das Grundstück. Offenbar gefällt ihnen das Nest auf unserem Schornstein“, sagt er. „Meist landen sie Mitte März bei uns. Dass diesmal noch Schneetreiben herrscht, das konnten sie vermutlich bei ihrem Abflug nicht ahnen“, sagt der Schönborner. „Sie kommen mit der Kälte und dem Schnee aber offenbar gut zurecht“, sagt Harry Kühne.

Vor einigen Jahren sei es ebenfalls schon einmal ziemlich kalt gewesen. „Auch damals lag Schnee. Ich dachte, dass sie kein Futter finden“, erzählt der Ortschaftsrat. „Deshalb habe ich mich bei Storchexperten erkundigt, was sie so fressen. Danach besorgte ich frisches Fleisch und habe es den Tieren hingelegt. Angerührt wurde es von ihnen jedoch nicht. Vermutlich finden sie trotz der Schneedecke genug Futter“, sagt Harry Kühne. Jetzt sieht er sie an offenen Bächen stehen. „Hier gibt es offenbar genug Würmer und ähnliche Tiere.“ Weshalb ausgerechnet dieses Pärchen so früh im Jahr nach Schönborn kommt, darüber kann Harry Kühne nur Mutmaßungen anstellen. „Vermutlich haben sie ihr Winterquartier nicht allzu weit entfernt“, sagt er. Der männliche Storch soll vor Jahren einmal einen Unfall mit einem Flugzeug gehabt haben. „Danach wurde er von Naturschützern in Dresden gesund gepflegt. Vielleicht hat er sich dabei so sehr an die Gegend und das Klima gewöhnt und verbringt die Winter sogar in der Landeshauptstadt. Dort ist es ja wärmer als hier draußen auf dem Land“, sagt der Schönborner. Normalerweise überwintern Störche in Mittel- und Südafrika. Dorthin gelangen sie über zwei Flugrouten. So ziehen die sogenannten Weststörche bei Gibraltar über das Mittelmeer, und in Westafrika vom Senegal bis zum Tschadsee. Die Oststörche fliegen über den Bosporus, das Jordantal und die Sinaihalbinsel nach Afrika. Sie ziehen das Niltal hinunter bis in den Sudan. Von dort aus geht der Zug weiter in Richtung Ostafrika. Ihre Winterquartiere der befinden sich von Ost- bis Südafrika. Die Tiere legen dabei Entfernungen von bis zu 10 000 Kilometer zurück. Nicht immer geht es bei dem Storchenpaar in Schönborn so friedlich zu wie in diesen Tagen. „Vor einigen Jahren gab es mächtig Streit im Horst“, erinnert sich der Schönborner Ortsvorsteher Torsten Heidel. „Damals war das Storchenmännchen fremdgegangen. Ein fremdes Weibchen hatte wohl den einsamen Storch entdeckt und war kurzerhand gelandet. Der wollte anscheinend nicht erst auf seine langjährige Partnerin warten und nahm die Neue mit ins Nest“, erzählt er. Als dann aber die richtige Störchin doch noch kam, war die Aufregung groß. „Sie war dann so sauer, dass sie gleich beide von dem Horst vertrieb“, sagt Torsten Heidel.

Überhaupt hätten die Tiere in Schönborn schon einiges erlebt. Der Tornado am Pfingstmontag vor drei Jahren beschädigte das Nest ziemlich stark. Die Jungtiere sind damals auch aus dem Nest geweht worden. „Wir haben sie damals gesucht. Aber keines der Jungtiere wurde gefunden“, erinnert sich Harry Kühne. Ansonsten gibt es jedes Jahr reichlich Nachwuchs auf dem Schornstein in Schönborn. „Bis zu drei Jungtiere sind dort zu sehen. Wir hoffen, dass es auch in diesem Jahr wieder so viele werden“, sagt der Schönborner.