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Großenhain

Erstmal Glasfaserkabel verbuddeln

Der Großenhainer Ortsteil Strauch braucht dringend vernünftige Fußwege – aber die Zukunftsprojekte wachsen der Stadt derzeit über den Kopf.

Strauch braucht Fußwege: Gisela Richter und Edelgard Zieries haben es schwer, mit dem Rollator auf den Fußweg zu kommen.
Strauch braucht Fußwege: Gisela Richter und Edelgard Zieries haben es schwer, mit dem Rollator auf den Fußweg zu kommen. ©  Kristin Richter

Strauch. Sachsens Landbevölkerung dürfe sich nicht länger abgehängt fühlen, hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer im August bei seinem Besuch in Großenhain gesagt. Das war beim Wahlkampf-Finale, und der Christdemokrat inszenierte sich als Kümmerer für die Leute in den Dörfern. Kein Wunder, dass die Erwartungen nun hoch sind – auch wenn es um kommunale Angelegenheiten geht. 

Zum Beispiel im Großenhainer Ortsteil Strauch. Dort zieht sich eine stark befahrene Kreisstraße nahezu durch den gesamten Ort, aber die Fußwege sind – sofern überhaupt vorhanden – in einem beklagenswerten Zustand. „Der Stadtbauhof geht hier immer mit dem Rasenmäher drüber – das sagt eigentlich schon alles“, erklärt Einwohner Bernd Hallek. 

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Tatsächlich ähneln die unbefestigten Abschnitte eher einem Kräutergarten als Trottoir. Manche Anrainer machen sich die Mühe, das Unkraut regelmäßig zu entfernen, aber das Resultat lässt schon nach kurzer Zeit wieder zu wünschen übrig. Ältere Straucher, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, können die Wege schon nicht mehr passieren. „In dieses Alter kommen wir alle mal“, sagt die Straucherin Iris Richter. „Dann sind wir auch noch von unseren Nachbarn abgeschnitten.“

Susann Noppes hat Schwierigkeiten, die Straße zu überqueren. 
Susann Noppes hat Schwierigkeiten, die Straße zu überqueren.  ©  Kristin Richter

Aber auch die jüngeren Leute haben ein Problem. Vorm Eingang der Kita „Zum Mäusestübchen“ gabelt sich die Straße – man tritt hier vom Tordurchgang direkt hinaus auf die Fahrbahn. „Das ist kreuzgefährlich“, erklärt Susann Noppes, die ihr Kind jeden Tag hier abholt. Bei Gegenverkehr weichen die Fahrzeuge, die in Richtung Skäßchen unterwegs sind, nach rechts aus und brausen nur Zentimeter am Kita-Ausgang vorbei. 

Die Straucherin hat deshalb einen Brief an Großenhains OB geschrieben. Darin bittet sie die Stadt, wenigstens Straßenrandbegrenzungen oder Parkplätze zu markieren und Poller aufzustellen. Noch besser wäre natürlich, einen sicheren Fußweg vor der Kita anzulegen. Schon deshalb, weil die Straßengabelung stark von Traktoren mit schwer beladenen Hängern, Kieslastern und Bauschutt-Transportern befahren wird.

Susann Noppes Brief ist inzwischen beim Stadtbauamt angekommen, aber eine Antwort steht noch aus. Baubürgermeister Tilo Hönicke reagiert eher genervt auf eine SZ-Anfrage zum Straucher Gehwegproblem. „Unser Schwerpunkt liegt zurzeit auf der Breitbandversorgung“, sagt er. Das sei ein unglaublicher Kraftakt, der die meisten Kapazitäten bindet. Auch der Ortsteil Strauch soll schnelles Internet bekommen. Ob das wie geplant bis Ende 2020 passiert, ist allerdings nicht sicher. Die Enso, die für die Arbeiten verantwortlich zeichnet, habe Verzug signalisiert, so Hönicke.

Die Glasfaserkabel für die Breitbandversorgung sollen in die Fußwege gelegt werden. Eine gleichzeitige Sanierung der Wege ist aber nicht geplant. Das hängt auch mit dem ungelösten Problem der Regenwasserableitung in Strauch zusammen. Wenn über Großenhains nördlichstem Ortsteil Starkregen niedergeht, kann es passieren, dass die Dorfmitte unter Wasser steht. 

Das liegt zum einen daran, dass Strauch in einer Talsohle liegt, wo die Niederschläge aus der Umgebung zusammenlaufen. Der Hauptgrund für die Überschwemmungen ist allerdings die unzureichende Regenwasserkanalisation. Sie fasst die Wassermengen nicht, die zuweilen vom Heideberg hinunterfließen. Es gibt nicht genug Straßeneinläufe, und wahrscheinlich sind auch die Abflussrohre zu eng. Ein Streit zwischen dem zuständigen Abwasserverband und der Stadt hat die Lösung des Problems jahrelang blockiert (die SZ berichtete).

Ohne Regenwasserableitung keine Straßensanierung und kein Fußwegebau – so könnte man das Straucher Problem derzeit umschreiben. Dabei hatte das Rathaus vor einigen Jahren ein „Zukunftsbild“ für seine ländlichen Ortsteile entworfen, in dem sogar Termine genannt werden. Die Straucher Gehwege sollten bis zum Jahr 2020 in Ordnung gebracht sein. Danach sieht es im Moment nicht aus. 

Man kann der Kommune sicher nicht vorwerfen, dass sie in den vergangenen Jahren nichts für Strauch getan hätte. 2014 bekam das Dorf für eine halbe Million Euro ein neues Feuerwehrhaus hingesetzt. Aber danach hatte das Rathaus mit den Wünschen und Begehrlichkeiten der anderen ländlichen Ortsteile zu tun. Bis die Straucher sich vergessen vorkamen. „Eigentlich fühlen wir uns gar nicht mehr so“, sagt Iris Richter, „als würden wir noch zur Stadt Großenhain gehören.“

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