merken
PLUS Dippoldiswalde

Das Erzgebirge ist gefragt wie nie

Die Tourismusbranche zählte 2019 rund 3,2 Millionen Übernachtungen. Für den Erfolg sind pfiffige Ideen gefragt.

Ines Hanisch-Lupaschko, besucht das Bergbaumuseum in Dippoldiswalde. Die Chefin des Tourismusverbandes Erzgebirge freut sich über die Gästezahlen in der Region.
Ines Hanisch-Lupaschko, besucht das Bergbaumuseum in Dippoldiswalde. Die Chefin des Tourismusverbandes Erzgebirge freut sich über die Gästezahlen in der Region. © Karl-Ludwig Oberthür

Früher war das Erzgebirge eher eine Winter- und Weihnachtsregion. Das hat sich geändert. 2019 verzeichnete die Region mit rund 3,18 Millionen Übernachtungen ein Rekordergebnis. Rund 100.000 Gäste mehr als im Jahr zuvor logierten in den 468 Hotels, Pensionen und Privatquartieren. Die offiziellen Übernachtungszahlen werden allerdings erst in Kürze vom Statistischen Landesamt in Kamenz veröffentlicht. Nach bisherigen Schätzungen werden alle bisherigen Statistiken seit 1992 getoppt. Die Sommermonate sind inzwischen bei den Touristen die begehrtesten.

Viel besser konnte der Start für Ines Hanisch-Lupaschko kaum sein: Seit April 2019 leitet die 50-Jährige den Tourismusverband Erzgebirge mit Hauptsitz in Annaberg-Buchholz. Sie bringt 20 Jahre Erfahrungen im Tourismus mit und war zuvor in Potsdam, Meißen, Bad Homburg, Düsseldorf und Frankfurt tätig. Zuletzt hatte sie acht Jahre lang ein Hotel in Lichtenwalde geleitet. 

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Der gebürtigen Chemnitzerin ist die Region vertraut. „Aber ich durfte in den vergangenen Monaten sehr viel Neues kennenlernen“, sagt sie. Und es kommt immer wieder etwas hinzu. Die zweite Winterferienwoche verbringt sie mit ihrer Tochter rund um Seiffen. Als begeisterte Skifahrerin hofft sie noch auf etwas Schnee, wenigstens für den Langlauf. Doch auch wenn der Winter in diesem Jahr ausbleibt, Langeweile werden sie in der Region nicht haben.

Welterbetitel bringt Aufmerksamkeit fürs Erzgebirge auch in Berlin

Seit Sommer 2019 freut sich die deutsch-tschechische Montanregion Erzgebirge/ Krušnohoří über die Eintragung in die UNESCO-Liste der Welterbestätten. „Für uns ist das eine Verpflichtung, die Besonderheiten und das Fachwissen der Region zu bewahren. Wir nutzen den Titel als Qualitätsmerkmal. Er bringt uns vor allem mehr Aufmerksamkeit für die Region“, sagt die Tourismuschefin. 22 Orte und Einrichtungen, 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite, vermitteln das Bild der vom Bergbau geprägten Kulturlandschaft.

Bei der ITB, der internationalen Fachmesse der Tourismuswirtschaft, Anfang März in Berlin gibt es den Stand „Berlin feiert Welterbe im Erzgebirge“. Was wären schließlich die edlen Kupferdächer vom Berliner Dom oder Pergamonmuseum ohne die Saigerhütte in Olbernhau-Grünthal? Der entsprechende Denkmalkomplex mit über 20 historischen Bauten stellt ein einzigartiges Zeugnis des Hüttenwesens der Buntmetallurgie aus der Zeit um 1537 dar.

Saigern war ein Schmelzverfahren zur Herstellung von Rohkupfer. Der Besucher erhält Einblick in die Technik, Geschichte und soziale Struktur des jahrhundertealten Betriebes. Im Besucherbergwerk Zinngrube in Ehrenfriedersdorf hingegen wird die Geschichte vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert präsentiert. Die Einfahrt erfolgt über eine Seilfahrtsanlage bis in hundert Meter Tiefe. Das Museum bietet auch spezielle Führungen für Kinder.

Das jüngste Haus dieser Art befindet sich seit Sommer 2018 in Dippoldiswalde. Das Museum für mittelalterlichen Erzbergbau (Miberz) verdankt seine Existenz der Jahrhundertflut 2002. „Damals bahnten sich Wassermassen ihren Weg durch ein bis dahin unbekanntes unterirdisches System von Hohlräumen“, erläutert Museumsleiterin Linda Burghardt. Nachdem das Wasser wieder abgeflossen war, zeigten sich sensationelle mittelalterliche Bergbaufunde. Diese wurden aufwendig restauriert.

Linda Burghardt leitet zurzeit das Museum für mittelalterlichen Erzbergbau (Miberz).
Linda Burghardt leitet zurzeit das Museum für mittelalterlichen Erzbergbau (Miberz). © Egbert Kamprath

So konnten die hölzernen Originalteiler einer 800 Jahre alten Haspel, also einer Seilwinde zusammengefügt werden. Mit ihrer imposanten Größe ist das einzigartige Exponat der Hingucker in dem Museum. In Dippoldiswalde blieb der mittelalterliche Bergbau erhalten, während er in anderen Regionen von späteren Generationen weiterhin genutzt wurde.

Das Erzgebirge hat zahlreiche Museen, aber auch imposante sakrale Bauten und beschauliche Städtchen. Doch das reicht dem Tourismusverband längst nicht aus. „Wir setzen auf einen Mix aus Kultur, Familienaktivitäten und aktiver Freizeitgestaltung. Im Trend sind beispielsweise Themenwanderwege und Wanderwochen“, sagt Hanisch-Lupaschko.

Seit 2006 bietet das Erzgebirge Wanderwochen an, inzwischen im Winter, Frühjahr und Herbst. Dabei informiert jeweils ein Wanderführer oder eine Wanderführerin über Spannendes am Rande des Weges. „2018 und 2019 nahmen jeweils 2.800 Personen daran teil. Gefragt ist auch das Wandern ohne Gepäck, bei dem die Logispartner den Transport der Koffer übernehmen.“ Der größte Teil der Wanderer bucht individuell und nicht über den Tourismusverband. Deshalb lassen sich keine genauen Zahlen nennen.

Mit Rennrad oder Mountainbike auf dem Stoneman Miriquidi

Ines Hanisch-Lupaschko, die selbst gern mit dem Rennrad oder Mountainbike unterwegs ist, freut sich auch über ein weiteres Angebot: So gibt es im sechsten Jahr einen 162 Kilometer langen „Stoneman Miriquidi“ mit 4.400 Höhenmetern. Je nach Lust und Kondition lässt sich die vom Profisportler Roland Stauder initiierte Tour an ein bis drei Tagen absolvieren. Im vergangenen Jahr übernachteten 860 Biker entlang der Strecke insgesamt 2.410-mal. Auch für dieses Jahr haben sich bereits 131 Freizeitsportler angemeldet. Wem diese Herausforderung noch nicht reicht, der kann sich auch für den 290-Kilometerritt auf der Pultscholle entscheiden.

Zum Zurücklehnen sieht Ines Hanisch-Lupaschko keinen Grund. Bei der Gästezufriedenheit verzeichnet die „Erlebnisheimat Erzgebirge“ Rekordergebnisse. Dennoch müsse sich die Region angesichts der Konkurrenz und der steigenden Ansprüche der Gäste immer wieder aufs Neue beweisen. „Gemeinsam mit der Technischen Universität Chemnitz führen wir eine Marktforschungsstudie zum Thema UNESCO-Welterbe durch. So wollen wir mehr über Erwartungen und Vorstellungen der Interessengruppen erfahren“, sagt sie.

Der Veranstaltungskalender steckt voller Highlights. Sport auf Weltklasseniveau versprechen die Bob und Skeleton Weltmeisterschaften vom 17. Februar bis 8. März in Altenberg. Oberwiesenthal ist Austragungsort der Junioren-Weltmeisterschaft Ski Nordisch vom 28. Februar bis 8. März.

Weiterführende Artikel

Das erwartet uns beim Tag der Sachsen

Das erwartet uns beim Tag der Sachsen

250.000 Besucher und ein intensives Sicherheitskonzept: Aue-Bad Schlema soll so zusammenwachsen.

Mehr als 8,5 Millionen Touristen in Sachsen 

Mehr als 8,5 Millionen Touristen in Sachsen 

2019 war ein neues Rekordjahr für den Tourismus in Sachsen. Welche Regionen besonders beliebt sind.

Neue Leiterin im Bergbaumuseum Dipps

Neue Leiterin im Bergbaumuseum Dipps

Die Archäologin Linda Burghardt übernimmt die Elternzeitvertretung für Jitka Steßl.

Kommt das Osterzgebirge zu kurz?

Kommt das Osterzgebirge zu kurz?

Gleich drei Welterbestätten befinden sich zwischen Altenberg und Dippoldiswalde. Doch im Mittelpunkt stehen andere.

In Zwickau, Oelsnitz und Freiberg feiert das Erzgebirge die 500-jährige Industrie- und Gewerbetradition in Sachsen. Am ersten Juniwochenende laden die Bergbau-Erlebnistage ein. Wenn der Tag der Sachsen Im September in Aue-Bad Schlema gefeiert wird, heißt es sicherlich in der gesamten Region Glück auf und „Herzlich willkommen im Schacht“. 

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Freital lesen Sie hier. 

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde