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Dippoldiswalde

Erzgebirgler im Welterbe-Fieber

Was die Macher vor der Entscheidung des Unesco-Komitees fühlen und welche Chancen sie sich ausrechnen.

Die Lauensteiner Schlossherrin Gabriele Gelbrich. Gerade wurden das Eingangsportal vom Hauptschloss saniert und eine Bergbauschau eröffnet. Schloss und Kirche Lauenstein stehen auf der Vorschlagsliste wie Bergbauzeugen in Altenberg und Dipps.
Die Lauensteiner Schlossherrin Gabriele Gelbrich. Gerade wurden das Eingangsportal vom Hauptschloss saniert und eine Bergbauschau eröffnet. Schloss und Kirche Lauenstein stehen auf der Vorschlagsliste wie Bergbauzeugen in Altenberg und Dipps. © Karl-Ludwig Oberthür

Wenn es irgendwann am Wochenende in Altenberg knallt und überm Bahnhof weißer Rauch aufsteigt, ist nichts Schlimmes passiert. Im Gegenteil, wie bei Königs verkünden dann drei Böllerschüsse frohe Kunde. In diesem Fall bedeutet das: Wir sind Welterbe!

Viele Erzgebirgler fiebern darauf, dass es endlich mit dem Titel für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoři klappt. Nach SZ-Informationen wird sich das Unesco-Welterbekomitee, das seit Sonntag in Baku in Aserbaidschan tagt, ab Freitagmittag mit den weltweit 35 Nominierungen befassen. 

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Der deutsch-tschechische Antrag soll wohl an 24. Stelle behandelt werden. Wann das ist, kann keiner genau sagen. Aber laut Tagesordnung will das Komitee bis Sonntagabend den Punkt Nominierungen abschließen. Viele Erzgebirgler hoffen, das sie dann in Jubel ausbrechen können. 

Welterbe- und Bergbaufans werden sich am Sonntag ab 17 Uhr in Olbernhau zur öffentlichen Jubiläums-Festveranstaltung anlässlich 25 Jahre Saigerhüttenknappschaft treffen. Dort wird es eine Live-Schaltung nach Baku geben. Platzreservierungen für den Festakt für nicht geladene Gäste nimmt die Tourist-Information Olbernhau entgegen, Tel. 037360 689866. Der Eintritt ist frei. 

Leistung der Region

Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH.
Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH. © privat

Die Erzgebirgler haben nicht nur in der 800-jährigen Bergbaugeschichte viel bewegt. Sie brachten von der Basis aus vor über 20 Jahren auch das grenzüberschreitende Welterbe-Projekt Montanregion Erzgebirge/Krušnohoři auf den Weg. Jetzt steht es in Baku in Aserbaidschan zur Abstimmung. „Das ist eine ganz schöne Leistung von einer ganzen Region“, sagt Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH. Die Gesellschaft ist maßgeblich beteiligt. 

Über 1.000 Leute haben allein auf deutscher Seite mitgewirkt. Der Welterbeverein mit 32 Kommunen sowie drei Landkreisen und der Förderverein Montanregion Erzgebirge haben das Projekt nach 16 Jahren intensiver Arbeit auf die Zielgerade gebracht. Lißke, der am Sonnabend nach Baku fliegen und die sächsische Delegation verstärken wird, ist optimistisch. „Der Weltdenkmalrat Icomos hat diesmal eine Empfehlung ausgestellt für die bedingungslose Einschreibung in die Welterbeliste.“ Er sagt aber auch, die Entscheidung der Unesco ist auch immer eine politische.

Positiv gestimmt

Was sich bei der Sitzung des Unesco-Welterbekomitees in Baku tut, wird genau beobachtet von der Tourismusbranche. „Ich habe am Wochenende Dienst“, sagt Silke Zimmermann vom Management des Hotels Lugsteinhof in Zinnwald. „Ich werde die Entscheidung online verfolgen.“ Es gibt einen Livestream im Internet. „Ich hoffe, dass wir den Welterbe-Titel nach der Überarbeitung des Antrages für die Region hinbekommen.“

Mit dem Herzen dabei

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten.
Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten. © Andreas Weihs

„Ich habe erzklopfen“, sagt Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten und spielt auf den gleichnamigen Hashtag an, mit dem das Erzgebirge in den sozialen Netzwerken auf das Ereignis aufmerksam macht. „Wir haben 2016 den Rückzug unseres Projektes erleben müssen, obwohl wir damals dachten, dass wir gut dabei sind“, sagt er. „Jetzt bin ich sehr zuversichtlich, dass wir uns als Welterbe eintragen können.“

Hoffen, hoffen, hoffen

Nach dem Dämpfer, den der Antrag vom Weltdenkmalrat Icomos vor drei Jahren erhielt, äußert sich Ines Hanisch-Lupaschko zurückhaltend. Sie ist seit Kurzem Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge. Der Antrag wurde zwar überarbeitet und sei aus fachlicher Sicht diesmal zur Einschreibung in die Welterbeliste empfohlen worden. Das stelle einen überaus wichtigen Schritt dar, sagt sie. Die Entscheidung fälle jedoch letztendlich das Unesco-Welterbekomitee. „Die Chancen stehen gut, aber entschieden ist es noch nicht. Wir drücken weiterhin die Daumen.“

Fest Daumen drücken

Veronika Hiebl, Chefin Tourismusverband Erzgebirge
Veronika Hiebl, Chefin Tourismusverband Erzgebirge © Egbert Kamprath

Der Tourismusverband Erzgebirge hat den Welterbe-Antrag befördert. Die langjährige Chefin Veronika Hiebl wechselte kürzlich an die Spitze der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen. Sie schätzt die Welterbe-Chancen diesmal extrem hoch ein. Fachlich sei alles getan worden, was getan werden kann, sagt sie. „Ich werde fest die Daumen drücken.“

Wir würden geadelt

„Wir sind ganz gespannt“, sagt Christoph Schröder. „Für uns wäre der Welterbe-Titel ein wesentlicher Impuls.“ Er leitet mit den Bergbaumuseen in Altenberg und Zinnwald gleich zwei Stätten, die auf der Vorschlagsliste stehen. Ein Eintrag in die Welterbeliste würde die Bedeutung und Wichtigkeit der bergbaulichen Anlagen unterstreichen. „Diese werden durch den Titel geadelt.“ Er ist optimistisch und erwartet eine gute Entscheidung.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

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