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Vollbremsung als Erziehungsmaßnahme?

Um Schüler zu maßregeln, soll eine Busfahrerin zu drastischen Maßnahmen gegriffen haben. Vor Gericht bestreitet sie das.

© © Symbolfoto: dpa

Bis zum Beginn der Sommerferien in diesem Jahr war Emma S. immer mit dem Bus von Gersdorf zur Grundschule nach Liebstadt gefahren. Wirklich ruhig sei es in der Linie 207 nie zugegangen, erzählt die elfjährige Schülerin. So auch am Morgen des 27. November 2017.

Obwohl es für alle Kinder ausreichend Sitzplätze gegeben habe, seien einige zwischen den hinteren Sitzreihen umhergesprungen, berichtet sie weiter. Nicht weit von diesen entfernt saß Emma zusammen mit einer Freundin. Beide Mädchen hatten die anderen selbst noch gemahnt und sie gebeten, sich doch endlich hinzusetzen. Genützt hatte das aber nichts. Während sie sich mit ihrer Freundin unterhielt, habe die Busfahrerin abrupt gebremst. „Ich bin dann nach vorn gegen die Lehne des Vordersitzes geschleudert worden“, schildert Emma. Auch ihre Freundin prallte gegen den Vordersitz. Emma zog sich eine Gehirnerschütterung zu, ihre Freundin eine Prellung des Oberarms.

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Beide Mädchen waren sich sicher, dass die Busfahrerin nur gebremst hatte, um die herumtollenden Kinder dazu zu bringen, sich endlich zu setzen. Gegenverkehr oder vorausfahrende Autos hatten die Mädchen von ihren Sitzplätzen aus nicht wahrgenommen. Aber nicht nur sie waren von dem Bremsmanöver direkt betroffen. Auch andere Kinder hatten diesen Vorfall im Sekretariat der Liebstädter Grundschule gemeldet.

Die Busfahrerin selbst will von alledem nichts mitbekommen haben. Erst als sie wieder zurück im Depot gewesen sei, habe ihr ihr Vorgesetzter mitgeteilt, dass sich Kinder in ihrem Bus verletzt hatten. Er habe sie dann auch gebeten, darüber eine Unfallmeldung zu verfassen. „Aber wie und worüber?“, fragt sie am Amtsgericht in Pirna, wo Ema S. ebenfalls ausgesagt hat. „Ich habe doch nicht gesehen, dass Kinder gestürzt waren.“ Die Deutsche bestreitet, überhaupt so stark gebremst zu haben. Beweisen soll das auch der Fahrtenschreiber. Auf diesem ist in der Zeit, die auf den Streckenabschnitt zwischen Herbergen und Liebstadt fällt, keine Vollbremsung verzeichnet. Allerdings hat es in den Minuten davor eine sehr starke Bremsung gegeben. Alle Bremsmanöver auf der gesamten Strecke zwischen Gersdorf und Liebstadt, so erklärt Beatrice E. dann, seien verkehrsbedingt erfolgt.

Um die Daten ganz genau zuordnen zu können, wäre die Expertise eines Gutachters notwendig, denn für Laien sind die Diagramme schwer lesbar. Ein Gutachten aber ist mit hohen Kosten verbunden, die in keinem Verhältnis zu einer etwaigen Verurteilung stehen, heißt es beim Gericht.

Da so nicht eindeutig zu belegen ist, ob die Angeklagte tatsächlich nur gebremst hatte, um die Kinder zur Ordnung zu rufen, stellt Richterin Wiedmer das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen die Zahlung einer Geldauflage ein. Je 150 Euro muss Beatrice E. an die beiden Mädchen zahlen. Zusätzlich sollen 150 Euro an einen gemeinnützigen Verein fließen.