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Erzieher gesucht

In Ottendorf-Okrilla bemängeln Eltern die Betreuungsqualität in den Kitas. Der Gemeinderat stellt sich auf ihre Seite.

© Archivfoto: Thorsten Eckert

Von Alexander Buchmann

Ottendorf-Okrilla. Qualität hat ihren Preis. Das wissen auch die Eltern, die ihre Kinder in den Kitas der Gemeinde Ottendorf-Okrilla betreuen lassen. Als nun die Gebühren wegen gestiegener Betriebskosten erhöht werden sollten, sprachen sich die Elternräte in ihren Stellungnahmen an die Gemeinde jedoch deutlich dagegen aus. Denn mit dem Gegenwert, den sie dafür erhalten, sind sie bereits seit einiger Zeit nicht mehr zufrieden. „Gute pädagogische Konzepte sind gleichwohl kein Garant für eine qualitativ hochwertige Umsetzung“, heißt es beispielsweise in der Stellungnahme des Elternrates des Waldkindergartens Ottendorf-Okrilla.

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Größter Kritikpunk ist die personelle Ausstattung. „Die Einhaltung des Betreuungsschlüssels wird von uns schon länger infrage gestellt“, schreibt der Elternrat. Durch tägliche Beispiele durch alle Häuser hindurch werde diese Annahme immer mehr bestätigt. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, an der auch zahlreiche Eltern teilgenommen haben, meldete sich eine Mutter zu Wort und erzählte, dass morgens eine Person für 30 Kinder zuständig sei. Nach dem Sächsischen Gesetz über Kindertageseinrichtungen sieht der Personalschlüssel dagegen vor, dass in der Kinderkrippe für fünf Kinder eine vollbeschäftigte pädagogische Fachkraft angestellt werden muss und im Kindergarten für zwölf.

Der stellvertretende Bürgermeister Mirko Thomas versichert dagegen, dass der Betreuungsschlüssel eingehalten werde. „Sonst bekomme man keine Betriebserlaubnis“, sagt er. Das Ausgangsproblem sei, dass man zu wenig Erzieher sehe. Werden Erzieher krank, gebe es allerdings keinen Puffer, so Thomas. Hauptamtsleiter Udo Rößler erklärt, dass der Betreuungsschlüssel nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis eingehalten werde. „Wir regeln das über Mehrstunden“, sagt er. Fallen Erzieher aus, müssen die anderen also mehr arbeiten.

Die Folge: Die Erzieher arbeiten am Limit. „Immer wieder werden Mitarbeiter weinend angetroffen, die unter der Last (Arbeitsbedingungen) zu zerbrechen scheinen“, schreibt der Elternrat des Waldkindergartens. Und Gemeinderat Kai Albertowski sagt in der Ratssitzung: „Ich weiß, dass die Erzieher an Leistungsgrenzen kommen.“ Dem versucht die Gemeinde durch zusätzliche Mitarbeiter entgegenzuwirken. Aktuell seien vier Erzieherstellen in der Kita und eine im Hort ausgeschrieben, sagt Rößler. Wenn diese besetzt sind, sei man flexibler und könne die Mehrstunden zurückfahren. Allerdings sei es schwierig, Personal zu finden, erzählt der Hauptamtsleiter.

Nicht der einzige Kritikpunkt

Die Personalsituation ist der größte, aber nicht der einzige Kritikpunkt seitens der Eltern. In der Hermsdorfer Kita „4 Jahreszeiten“ gibt es beispielsweise auch Probleme mit dem Außengelände. Das sei weit von einem kindgerechten Platz entfernt, schreibt der Elternrat der Kita „Sonnenhügel“ in seiner Stellungnahme. Und im Waldkindergarten wird das Fehlen von Spielzeug beziehungsweise pädagogischem Material ebenso bemängelt wie die Kommunikation zwischen dem Elternrat, der Kita-Leitung und der Gemeinde als Träger der Einrichtung. So ist unter anderem von einem „Stille-Post-Effekt“ die Rede. „Das Miteinander zwischen Elternrat und Kita-Leitung ist schlecht“, weiß auch der stellvertretende Bürgermeister. Außerdem sei das Betriebsklima schlecht, was mittlerweile auch für die Eltern spürbar sei.

Und nicht nur für diese, sondern auch für die Kinder. „Allgemein ist noch festzustellen, dass viele Kinder seit geraumer Zeit immer mehr äußern, dass sie nicht mehr gern in die Kita gehen möchten. Die Kinder spüren sowohl den Stress der Erzieher als auch den Stress durch die vielen anderen Kinder in den großen Gruppen“, heißt es in der Waldkita-Stellungnahme.

Beim Gemeinderat sind die Beschwerden der Eltern angekommen. Dieser hat die Erhöhung der Gebühren einstimmig abgelehnt. „Das kann als politisches Signal verstanden werden und Reaktion auf die Stellungnahmen“, sagt Gemeinderat Rico Schrapel. Die Entscheidung solle dabei auch ein Signal in die Gemeindeverwaltung sein. Das sieht auch der stellvertretende Bürgermeister so. Mit der höheren Belastung des Gemeindehaushalts wolle man dem Amt die Aufgabe mitgeben, sich verstärkt um die Probleme der Kitas zu kümmern und diese abzustellen, sagt Thomas. Und René Edelmann ergänzt: „Die Ablehnung ist kein Signal Richtung Kämmerer, sondern Richtung Hauptamt.“

Außerdem soll demnächst mit einer Umfrage die Zufriedenheit der Eltern gemessen werden. Derzeit habe man nämlich kein Gesamtbild und wisse nicht, welche Unterschiede es zwischen den Einrichtungen gebe, sagt Schrapel. Wenn man bestimmte Kriterien abfrage, könne man nach einer gewissen Zeit messen, ob sich etwas verändert habe.

Die Eltern begrüßen die Entscheidung des Gemeinderats. „Wir sind sehr froh über das gesetzte Signal durch den Gemeinderat und sehr positiv gestimmt bezüglich des weiteren Vorgehens. Es gab bereits Gespräche und ich hoffe, dass dies weiter so gelebt wird.“, sagt Nelly Gallert, Vorsitzende des Elternrates des Waldkindergartens. „Ich bin im Moment einfach froh, dass wir gehört und ernst genommen werden.“