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Es bleibt laut

Der Freistaat fordert von der Stadt, etwas gegen den Lärm zu tun. Umsetzbar sind die Maßnahmen aber sowieso nicht.

Von Peggy Zill

Vom Kreisverkehr am Gewerbegebiet in Döbeln-Ost, über die Oberbrücke und quer durch die Stadt bis zur Auffahrt B 169 zieht sich die rot markierte Lärmstrecke durch die Stadt. Teilweise werden auch nachts Lärmwerte von über 70 Dezibel erreicht. Besonders hoch ist die Belastung an der B 169 und an der Autobahn. Insgesamt sind 821 Döbelner Lärmbelastungen oberhalb von 55 Dezibel in der Nacht ausgesetzt. Das haben Berechnungen der Stadt ergeben. Die war dazu verpflichtet, eine Lärmkartierung anzufertigen und etwas gegen den Krach zu unternehmen. Die Maßnahmen sollten in einem Lärmaktionsplan festgehalten werden. Dass die Stadt darauf verzichten wird, darauf habe man schon bei der Übergabe der Ergebnisse der Lärmkartierung hingewiesen, so Stadtsprecher Thomas Mettcher.

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Von den Grünen gibt es dafür jetzt Kritik. Die Stadt gehe fahrlässig mit der Gesundheit ihrer Bürger um. Gisela Kallenbach, umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, hatte beim Umweltministerium nachgefragt, wie weit die sächsischen Kommunen mit den Aktionsplänen sind. Ergebnis: 130 der 200 Gemeinden haben sich entschieden, keinen eigenen Lärmaktionsplan zu verabschieden. Bei den meisten davon ist es nicht so laut, sodass das Ministerium das akzeptiert. Bei Döbeln und sieben weiteren Kommunen sei diese Entscheidung nicht nachvollziehbar begründet, heißt es in der Antwort des Umweltministers.

Kein Platz für Lärmschutzwände

Die Stadtverwaltung hat davon bisher noch nichts gewusst. Nachdem die Unterlagen den zuständigen Stellen im vergangenen Jahr überreicht worden sind, habe es keine Reaktionen gegeben. „Uns ist bisher nicht bekannt, dass der Freistaat die Unterlagen kritisch betrachtet“, so Thomas Mettcher.

Die Erklärung, weshalb Döbeln auf die Erstellung eines Aktionsplanes verzichtet, ist simpel: Was soll die Erarbeitung, die auch Geld kostet, bringen, wenn in der Praxis am Ende keine Maßnahme umgesetzt werden kann? „Die Bebauung entlang der Döbelner Hauptverkehrsstraßen ist so dicht, dass die Errichtung von Lärmschutzwänden oder Ähnlichem zwischen der Straße und betroffenen Gebäuden nicht möglich ist“, erklärt Thomas Mettcher.

Eine weitere Möglichkeit, den Lärm zu reduzieren, wäre, die Geschwindigkeit auf den Straßen zu reduzieren. Es sei jedoch verkehrsrechtlich und gesellschaftlich nicht umsetzbar, beispielsweise die Leipziger Straße, Dresdner Straße oder Burgstraße als klassifizierte Staats- beziehungsweise Bundesstraßen in der gesamten Länge als 30-Stundenkilometer-Bereich zu deklarieren. „Der überwiegende Teil der infrage kommenden Straßen befindet sich nicht in Trägerschaft der Stadt. Hier wären ohnehin Bund und Land gefragt“, so Mettcher.

Auch der Einbau von Lärmschutzfenstern wird nur dann unterstützt, wenn zuvor die Straße in ihrer Linienführung verändert wurde. Als zum Beispiel die A 14 gebaut wurde, gab es zwar eine neue Fahrbahn, aber die Spuren blieben genauso breit. Ohne wesentliche Veränderung am Straßenkörper besteht kein Anspruch auf Fördergelder.

Natürlich sei auch die Stadt daran interessiert, die Lärmbelastung für die Bürger so gering wie möglich zu halten, so Mettcher. Hier sei aber die gesamte Gesellschaft gefragt. Vom Bürger bis zu den Stellen bei Bund und Land. Wenn zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr immer weiter reduziert würde, befördere das natürlich den Autoverkehr. Mit einem stärkeren Einsatz von leiseren Fahrzeugen könnte der Verkehrslärm bekämpft werden.