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Es bröckelt an allen Ecken und Kanten

Viele Stützmauern in Rosenthal sind in einem desolaten Zustand. Die Stadt will sie nun sanieren – doch sie hat auch Bedingungen an die Anwohner.

Von Jan Lange

Auf einer Länge von gut zehn Metern hat Klaus Petzold ein rot-weiß gestreiftes Absperrband gezogen. Von einem Wäschepfahl zum nächsten. Denn der Felsen und die Stützmauer, die die Grenze zum Nachbargrundstück bilden, sind in einem desolaten Zustand. Immer wieder fallen Steine heraus. Das geht nun schon seit Jahrzehnten so. Früher seien die Flächen vor den Häuser schräg abgefallen. Um sie überhaupt erst nutzen zu können, mussten oft Stützmauern angelegt werden, die das Gelände terrassenförmig halten. Die Mauern wurden meist in Eigenregie und auf eigene Kosten errichtet.

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Die Jahrzehnte hinterließen an diesen Bauwerken deutliche Spuren. Überall in Rosenthal bröckeln die Mauern. Die Hausbesitzer haben sich immer wieder selbst geholfen. So auch Klaus Petzold. Einen Teil der Stützmauer an der Bachseite erneuerte er bereits vor zehn Jahren, vor vier Jahren folgte dann der Rest. Auch Nachbar Dietmar Marka hat hin und wieder entstandene Löcher verfugt und durch Ziegeln aufgefüllt. Die letzte dieser Maßnahmen liegt gut fünf Jahre zurück. Doch der Berg drückt weiter und schiebt Steine nach außen. Eine komplette Sanierung der Stützmauer würde Familie Marka finanziell überfordern. Wie ihnen ginge es vielen Rosenthalern.

Neben der finanziellen Belastung spielt aber auch das Eigentum eine Rolle. Denn die Stützmauern befinden sich heute zum großen Teil auf kommunalen Flächen der Stadt Zittau. „Die privaten Flurstücke sind relativ klein und umfassen häufig nur die Grundfläche des Wohngebäudes“, erklärt Stadtsprecher Kai Grebasch. Die Stadt Zittau hat deshalb nun eine grundlegende Neuordnung der Grundstücksverhältnisse angeschoben. Das soll im Zuge eines Flubereinigungsverfahrens erfolgen.

Bereits 2011 hatte die Stadt dazu beim Landkreis Görlitz einen entsprechenden Antrag gestellt. Da der Handlungsbedarf immer größer wird, ordnete der Landkreis inzwischen ein vereinfachtes Verfahren an. Gleichzeitig wurde eine Kostenanalyse erstellt, die die Baukosten für die Stützmauern einschließt. Denn nur durch intakte Stützmauern könne aus Sicht der Stadt die Standfestigkeit der Wohnbebauung langfristig gesichert, das anfallende Regenwasser geregelt abgeleitet und ein bergseitiger Erosionsschutz sichergestellt werden.

Rund 4,1 Millionen Euro sind für die Gesamtmaßnahme notwendig. Diese enorme Summe könnte zu drei Vierteln über Fördermittel abgedeckt werden, den Rest von etwas mehr als einer Million Euro müsste die Stadt Zittau als Eigenanteil tragen. Die Kosten fallen aber nicht mit einem Mal an. Sie sind auf sechs Jahre aufgeteilt, wobei in den Jahren 2017 bis 2019 mit jeweils 300 000 Euro die größten Einzelsummen eingeplant sind. Es sei der Anfang einer großen Aufgabe, meint Zittaus Oberbürgermeister Arnd Voigt (Freie Bürger). Weitere Ortsteile wie Dittelsdorf oder Wittgendorf sollten laut Voigt folgen.

Nach Einschätzung von Zittaus Rathauschef laufe das Vorhaben für die Stadt kostenfrei ab. Denn Zittau will die städtischen Flächen nach der Neuvermessung an die Hausbesitzer verkaufen. Ob dadurch allerdings knapp über eine Million Euro eingenommen werden, kann bezweifelt werden. Den Eigentümern sei nämlich versprochen worden, dass ihnen die Flächen so günstig wie möglich angeboten werden, sagt Klaus Petzold.

Er selbst sei an einem Kauf auf jeden Fall interessiert. Schon kurz nach der Wende habe er bei der damals noch eigenständigen Gemeinde Hirschfelde angefragt, ob er die kommunale Fläche kaufen kann. Seinerzeit sei das Ansinnen mit der Begründung abgewiesen worden, dass es erst mal wichtigere Dinge zu erledigen gebe.

Nun macht die Stadt die Zustimmung der Anwohner zum Kauf zur Bedingung für die Sanierung. Einzelne Gespräche mit den Rosenthalern habe es aber noch nicht gegeben, erklärt Rentner Petzold. „Es geht erst richtig los, wenn vermessen wird“, glaubt er. Petzold ist sich auch sicher, dass seine Nachbarn einem Kauf zustimmen werden – vorausgesetzt, dass die Stützmauern vorher erneuert wurden. Nachbar Dietmar Marka sieht es genauso. In seinem Fall handelt es sich um eine Fläche von rund 30 Quadratmetern. Eine horrende Summe würde er dafür nicht bezahlen. Denn letztlich handele es sich ja um nutzloses Land.