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"Es darf keinen weiteren Bauverzug geben"

Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) über den Bau des Gymnasiums, die neue Situation im Stadtrat und Prüfungen des Rechnungshofes.

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Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother möchte 2020 das Gymnasium fertigstellen.
Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother möchte 2020 das Gymnasium fertigstellen. © Karl-Ludwig Oberthür

Herr Rother, wann wussten Sie, dass das neue Gymnasium im August 2019 nicht bezugsfertig sein wird?

Das war im März 2019, als wir im Stadtrat über Vergabestreitigkeiten informiert haben. Zu dem Zeitpunkt ging ich davon aus, dass wir es bis zum Jahresende schaffen können. Was damals nicht absehbar war, war der Wassereinbruch und die Insolvenz eines Auftragnehmers.

Würden Sie so ein Projekt noch einmal machen?

Ja, unbedingt. Es gibt kein schöneres Projekt, was man als Bürgermeister umsetzen kann. Wir schaffen etwas für unsere Kinder. Wir gestalten die Zukunft. Ich habe schon zu anderen Gelegenheiten gesagt, dass es mich mit großer Dankbarkeit erfüllt, in so einer Zeit als Bürgermeister von Wilsdruff Verantwortung tragen zu dürfen. Ich empfinde es als großen Glücksfall, in so einem Moment mitgestalten zu können.

Gegenwärtig ist Wilsdruff die einzige Kommune im Landkreis, die ein Gymnasium baut. Wie geht es Ihnen damit?

Den Kollegen im Landkreis bin ich dankbar, weil sie im Kreistag bei der Schulnetzplanung aktiv mitgewirkt haben. Sie haben zugunsten des Gymnasiums Wilsdruff auf Geld aus dem Konjunkturpaket verzichtet. Dadurch haben wir eine Million Euro bekommen, das war die Anschubfinanzierung für die Turnhalle. Alle Kommunen und der Landkreis haben anteilig auf einen Teil ihres Anspruchs verzichtet.

Wäre es besser gewesen, wenn der Kreis den Bau des Gymnasiums übernommen hätte?

Der Landkreis hatte damals kommuniziert, dass er das Gymnasium nicht finanzieren kann. Die Entscheidungswege sind zudem im Landkreis etwas länger. Unsere Kinder brauchten aber eine schnelle Lösung, was die aktuellen Schülerzahlen eindrucksvoll belegen. Deshalb war es richtig, dass unsere Stadt Schulträger und Bauherr geworden ist.

Was passiert, wenn es weitere Verzögerungen gibt und der Umzug aus dem Provisorium noch einmal verschoben werden muss?

Das darf nicht passieren. Ich denke, wir sind mit den Streitigkeiten zum Baubeginn, mit den Vergabestreitigkeiten, mit dem Wassereinbruch und mit der Insolvenz schon genug gestraft. Die größten Risiken im Bauablauf haben wir in den letzten Monaten hoffentlich überwunden.

Der Rechnungshof wollte sich das Gymnasium genauer anschauen. Laufen die Prüfungen noch?

Ja, die laufen noch. Wir haben den Rechnungshof aber schon darauf eingestimmt, dass wir zum Jahresende andere Prioritäten setzen müssen. Wir müssen den neuen Bauablaufplan festzurren und uns in erster Linie um den laufenden Bau kümmern und die Rechnungen der Firmen bearbeiten. Damit haben wir richtig viel zu tun. Den Rechnungsprüfern können wir bestimmte Dinge erst Anfang 2020 liefern. Dass es so kommen könnte, haben wir geahnt. Wir sind eine kleine Verwaltung. Es war vorhersehbar, dass es schwierig wird, den Bau zu koordinieren und gleichzeitig die Prüfer zu bedienen. Deshalb hatten wir den Rechnungshof gebeten, mit der Prüfung erst nach Ablauf der Bauarbeiten zu beginnen. Unserer Bitte ist man aber nicht nachgekommen.

Öffentlich stellen sich alle Räte hinter das Gymnasium, wie ist die Stimmung im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzungen?

In den Stadtratssitzungen stehen alle hinter dem Gymnasium. Die wichtigsten Entscheidungen sind in der letzten Legislaturperiode, also vor der Kommunalwahl, gefallen.

Neue Köpfe, neue Ideen. Die Kommunalwahl hat den Stadtrat verändert. Wie kommen Sie damit klar?

Ich habe schon einige Kommunalwahlen miterlebt. Bei jeder sind neue Räte in den Stadtrat gekommen. 2019 waren es etwas mehr als bei vorherigen. Deshalb wird es eventuell etwas länger dauern, bis sich ein Vertrauensverhältnis zwischen den Stadträten und zur Verwaltung aufgebaut hat. Ich bin ein positiv denkender Mensch. Ich hoffe, dass jeder weiß, dass er für das Wohl der Stadt und seiner Einwohner gewählt wurde und dem auch verpflichtet ist.

Wie bewerten Sie das Jahr 2019 als Bürgermeister der Stadt Wilsdruff?

Es war ein gutes und ereignisreiches Jahr. Wir hatten viele tolle Veranstaltungen wie unsere Bauernmärkte, die Hochseilartistik auf dem Wilsdruffer Marktplatz, die Veranstaltungen zu 100 Jahren Heimatmuseum, den Auftritt von Tom Pauls mit der Elbland Philharmonie und nicht zuletzt das Lichterfest. Auch in den Ortsteilen wurden schöne Feste gefeiert. 

Welche Bauvorhaben wurden abgeschlossen?

Unsere Verwaltung war fleißig, wir konnten zahlreiche Bauvorhaben fertigstellen: die Abwasserüberleitung nach Dresden, die Straße nach Kleinopitz, die Steinsgasse in Mohorn, das Grüne Tal in Braunsdorf, Naumanns Feldweg in Grumbach und den Anbau der Stadtverwaltung, um einige zu nennen. Wir haben neue Straßenlaternen in Kaufbach und in Braunsdorf sowie mehrere Löschwasserzisternen errichtet, die neue Rettungswache in Betrieb genommen, mit der Erweiterung der Kita in Wilsdruff und der Sanierung des historischen Kalkofens begonnen. Auch die Breitbanderschließung ging voran. Zudem konnten wir eine Projektstelle zur Schaffung unseres Freilichtmuseums schaffen.

Welche größeren Vorhaben wird die Stadt 2020 anpacken?

Nächstes Jahr werden wir unser größtes Projekt, das Gymnasiums fertigstellen. Dann haben wir den Kauf von Fahrzeugen für unsere Feuerwehren, die weitere Modernisierung der Stadtverwaltung und die Errichtung des historischen Windrads in Grumbach geplant. Außerdem sind verschiedene Maßnahmen in unseren Sportvereinen vorgesehen. Es gibt einen Berg an Instandsetzungsmaßnahmen an unseren vielen öffentlichen Gebäuden. Und auch das wird wichtig: Wir wollen die Planung für die Hochwasserschutzmaßnahmen weiter vorantreiben und möchten erreichen, dass die Belange des Hochwasserschutzes höher bewertet werden als die des Naturschutzes. Der Schutz der Menschen und der Sachwerte muss einen höheren Stellenwert bekommen. Davon wollen wir die Behörden überzeugen.

Das Gespräch führte Maik Brückner.

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