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Hoyerswerda

Es droht die zweite Missernte in Folge

Die Landwirtschafts-GmbH Bergen-Bluno könnte auch in diesem Jahr Dürre-Nothilfe gebrauchen.

Am vergangenen Wochenende hat die Bergener Landwirtschafts-GmbH mit der Getreideernte begonnen. Mehrere Getreidesorten befinden sich bereits in der Notreife.
Am vergangenen Wochenende hat die Bergener Landwirtschafts-GmbH mit der Getreideernte begonnen. Mehrere Getreidesorten befinden sich bereits in der Notreife. © Foto: Ralf Grunert

Bergen/Hoyerswerda. Ende Mai fielen mal zehn Liter Regen auf den Quadratmeter. Den letzten nennenswerten Niederschlag hat Roland Nuck, der Geschäftsführer der Bergener Landwirtschafts-GmbH, am 11./12. Juni mit zusammen 18 Litern auf den Quadratmeter registriert. 

Eine Tagesmenge von 20 Litern, die helfen würde, so sagt er, gab es noch gar nicht in diesem Jahr. Dabei wären angesichts der aktuellen Hitzegrade mal 30 bis 40 Liter in einer Woche nötig. Zwar hat die Getreideernte gerade erst begonnen, dennoch rechnet der Landwirt schon jetzt mit Einbußen in allen Bereichen. „In ähnlicher Größenordnung wie im vergangenen Jahr.“ Da gab es aber wenigstens Nothilfen. Für die Landwirtschafts-GmbH Bergen-Bluno, zu der das Unternehmen von Roland Nuck gehört, geht es um einen sechsstelligen Betrag. Und während die Auszahlung des Geldes nach wie vor auf sich warten lässt, hat die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bereits verkündet, dass es diese Dürrehilfe nicht noch mal geben werde.

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Wie sehr macht die Hitze der Bergener Landwirtschaft zu schaffen?

Das lässt sich am besten in Zahlen ausdrücken. Während der Monat Mai recht kühl war und mit 59 Litern/m² von der Niederschlagsmenge her im langjährigen Durchschnitt lag, Ausreißer waren das Jahr 2014 mit 160 Litern und das Jahr 2003 mit 14,5 Litern, registrierte Roland Nuck im Juni nur 40 Prozent der sonst üblichen Niederschlagsmenge. „Das ist gerade genug, um zu überleben“, kommentiert das der 50-Jährige. Erschwerend kommt hinzu, dass das Wasserdefizit aus dem Vorjahr im Boden noch nicht wieder ausgeglichen sei.

Welchen Einfluss hat die Trockenheit auf das Erntegeschehen?

„Bei der Gerste kommen wir mit einem blauen Auge davon“, so die Einschätzung des Bergener Landwirts. Die sei am frühesten im Jahr reif. Ihr Drusch hat letzten Samstag begonnen. „Alle späteren Kulturen, die Wasser brauchen, sind in die Notreife gegangen, sind bereits mehr oder weniger vertrocknet.“ Vor allem gehe es um Raps, Roggen und Weizen. „Wenn es zu trocken ist, müssen die Kulturen schnell runter vom Feld.“ Zum einen drohe bei Wetterlagen wie derzeit die Gefahr von Starkniederschlag und Hagel, zum anderen wäre mit Unkrautdurchwuchs zu rechnen, wenn es plötzlich ausgiebig regnen sollte. Bis Ende Juli sollen daher alle Getreide-Sorten geerntet sein. Es geht um rund 80 Prozent der Gesamtfläche von den 1 200 Hektar, die der Bergener Betrieb bewirtschaftet.

In welcher Größenordnung bewegte sich der Ernteausfall im Vorjahr?

Statt durchschnittlich 36 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha) wurden beim Roggen 21,8 dt/ha geerntet. Beim Weizen war es gut die Hälfte der üblichen Menge von 41,3 dt/ha. Deutlich weniger als die Hälfte des Durchschnitts kamen bei Sonnenblumen und Mais zusammen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Faustregel lautet: „Je später die Kultur reift, umso größer die Einbuße.“

Wird es in diesem Jahr auch ohne Dürre-Nothilfe vom Bund gehen?

„Wir Landwirte sind Berufsoptimisten“, sagt Roland Nuck und ist überzeugt: „Wir werden das schaffen.“ Der Unternehmensverbund stehe auf soliden Füßen. „Auf unseren leichten Böden mussten wir uns schon immer etwas einfallen lassen.“ Eine Nothilfe würde aber helfen, das Auskommen der Landwirte zu sichern. Das Argument der Landwirtschaftsministerin, dass eine neuerliche Nothilfe den Steuerzahlern nicht vermittelbar sei, kann Roland Nuck nicht nachvollziehen. „Die Bereitschaft bei den Steuerzahlern, die ich kenne, ist da. Es hätte keiner etwas gegen die Nothilfe für die Landwirtschaft.“ Zumal der Bund Geld für viele andere Dinge ausgibt, die weniger im Interesse der Steuerzahler sind. Beispiele dafür finden sich im jährlich erscheinenden Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler reichlich.

Kann die Veränderung der Fruchtfolge helfen, wie die Ministerin empfiehlt?

Der Bergener Landwirtschaftsbetrieb baut etwa eine Handvoll Getreidesorten und verschiedene andere Kulturen an. „Den Spielraum, den wir haben, nutzen wir bereits. Wir haben auch schon vieles ausprobiert.“ Nach Auskunft von Roland Nuck sei das eine Möglichkeit, um das Risiko zu streuen. Der entscheidende Punkt sei aber: „Unterm Strich muss etwas herauskommen. Der Erlös pro Hektar muss stimmen.“

Ist die Errichtung von Bewässerungs- und Beregnungsanlagen praktikabel?

Zu Vor-Wende-Zeiten waren solche Anlagen entlang der Schwarzen Elster für den Gemüseanbau in Betrieb. Inzwischen gibt es das alte System nicht mehr. Ein neues zu installieren, würde Unmengen kosten. Die Voraussetzung wäre zudem, dass ausreichend Wasser zur Verfügung steht. „Ich müsste die Elster anzapfen.“ Dafür braucht es eine Genehmigung. Zudem kostet die Wasserentnahme Geld. Zu normalen Zeiten reicht der gewohnte Niederschlag. In einer Trockenphase wie derzeit wiederum darf kein Wasser entnommen werden. Gerade erst hat ja das Landratsamt Bautzen das Abpumpen untersagt. Einen Brunnen zu bohren, bedarf ebenfalls einer Genehmigung. Hier gibt es zudem das Handicap, dass wegen des eisenhaltigen Grundwassers spezielle Technik eingesetzt werden müsste. Das würde alles noch teurer machen. Zudem hat Roland Nuck beim Landwirtschafts-Studium gelernt: „Beregnung ist die letzte Intensivierungsmaßnahme, wenn alles andere schon ausgelotet ist.“

Gibt es Pflanzen, die der Hitze und der Trockenheit besser gewachsen sind?

„Da fällt mir auf Anhieb keine ein“, so die Reaktion von Roland Nuck angesichts der Empfehlung der Landwirtschaftsministerin zum Anbau solcher Pflanzen. Mais und Hirse, so der Landwirt, brauchen weniger Wasser. Diese Kulturen werden von der Bergener Landwirtschafts-GmbH schon angebaut. „Das ist ein guter Ersatz.“ Ernteausfälle lassen sich so aber nicht kompensieren. Die Natur lässt sich nun mal nicht überlisten. „Ohne Wasser geht nichts!“

Hitze und Trockenheit sorgen dafür, dass die Schwarze Elster bei Neuwiese nur noch ein größeres Rinnsal ist. Die Wasserentnahme per Pumpe wurde Ende letzter Woche verboten. Gerade in solchen Trockenphasen bräuchte die Landwirtschaft das Wasser.
Hitze und Trockenheit sorgen dafür, dass die Schwarze Elster bei Neuwiese nur noch ein größeres Rinnsal ist. Die Wasserentnahme per Pumpe wurde Ende letzter Woche verboten. Gerade in solchen Trockenphasen bräuchte die Landwirtschaft das Wasser. © Foto: Ralf Grunert