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Es fehlt an guten Bewerbern

Wirtschaft. Heute laden Oberbürgermeister undLandräte zum Empfang für Ausbilder. Wie sehensie die Lage auf demLehrstellenmarkt?

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Von Ingo Kramer

Industrie

Das Görlitzer Siemens-Werk hat bis 2004 je nach Bedarf jährlich zehn bis zwölf Azubis zu Industriemechanikern und Zerspanern ausgebildet, seit 2005 sind es 15 pro Jahr. Von den jährlich rund 200 Bewerbern werden 25 Prozent aufgrund schlechter Zensuren abgelehnt, weitere 50 Prozent schaffen den Eignungstest nicht. Rund 60 Bewerber erfüllen die Kriterien. Dazu kommen jährlich zwei Industriekaufleute. „Es gehört zur Siemens-Philosophie, unseren Nachwuchs selbst auszubilden“, sagt Ursula Dahmen, Leiterin des Betreuungscenters. Bisher wurden jedes Jahr nahezu alle Lehrlinge zunächst befristet und später unbefristet übernommen.

Handwerk

Die Tischlermeisterin Erika Rothe-Püschner bildet seit 1995 jedes Jahr zwei Tischlerlehrlinge aus. Seit diesem Jahr absolvieren diese das erste Lehrjahr in überbetrieblicher Ausbildung und kommen nur zum Praktikum in den Betrieb. „Wir versuchen, uns eigenen Nachwuchs heranzuziehen“, sagt die Chefin. Jeden kann sie trotzdem nicht übernehmen: „Es ist aber wichtig, der Jugend eine Chance im Handwerk zu geben“. Gute Azubis zu finden, sei heute schwieriger als früher. „Der Leistungsdurchschnitt ist sehr schlecht, das liegt vor allem am Schulsystem“, sagt sie. Dennoch sei es bisher noch jedes Jahr gelungen, zwei gute Lehrlinge zu finden.

Gastronomie

Heiko Kretschmer betreibt seine Konditorei und das Ratscafé. Insgesamt bildet er im Moment vier Jugendliche aus: einen Konditor, zwei Köche und einen Restaurantfachmann. „Das sind mehr als früher, denn zunächst musste ich selbst meinen Weg finden“, sagt der Konditor. Auch er bildet vor allem aus, um eigenen Nachwuchs heranzuziehen. „Die Region ist mit guten Fachkräften ausgeblutet, wenn man welche braucht, muss man sie selbst ausbilden“, weiß er. Gute Azubis zu finden, sei nicht schwer, denn jeder, der sich bewirbt, muss bei ihm zunächst Probe arbeiten.

Dienstleistungen

Bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien werden derzeit 36 junge Leute ausgebildet, die meisten zum Bankkaufmann/ -frau, die anderen zum Diplombetriebswirt(in)-BA. „Wir bilden für den eigenen Bedarf, aber auch aus sozialer Verantwortung für die Region aus“, sagt Pressesprecherin Katrin Sumpf. Wer gut ist, wird übernommen. In diesem Jahr bekamen alle Azubis ein Übernahmeangebot. Allerdings stelle die Sparkasse fest, dass das Leistungsniveau bezüglich der Schulbildung gesunken sei. Falls sich nächstes Jahr genügend geeignete Bewerber finden, sollen mehr als 16 Lehrstellen besetzt werden.

Verwaltung

Die Stadt Görlitz bildet im Moment 35 Lehrlinge in neun verschiedenen Berufen aus. Diese Zahl ist seit langem in etwa konstant. „Die Stadt will jungen Leuten die Möglichkeit geben, in der Region eine Ausbildung zu bekommen und somit hier zu bleiben“, sagt Kerstin Scholz vom Büro des OB.

Außerdem solle die Verwaltung verjüngt werden. „Leider sind die schulischen Leistungen der Bewerber schlechter geworden, so dass eine Auswahl schwieriger geworden ist“, ergänzt sie. Zurzeit werde noch über Bedarf ausgebildet.Alle ausgelernten Azubis werden aber mindestens für ein halbes Jahr befristet eingestellt.