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Es fehlt die Zeit, um faul zu sein

Urlaub. Sommerferien im Landkreis: Liegen alle Lehrer in der Hängematte oder am Strand? Die SZ hat sich in einigenSchulen umgeschaut.

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Von Claudia Parton

Der Pausengong im Werner-von-Siemens-Gymnasium in Großenhain wirkt verloren. Kein Jubelgeschrei der Schüler, kein Getrampel tausender Füße antwortet. Es sind Sommerferien im Landkreis. Die langen Gänge in der Schule scheinen verwaist. Doch plötzlich: Ein Lehrer huscht über den Flur. Ein weiterer kommt aus dem Schulleiterzimmer. Aber sollten die nicht faul am Strand oder in der Hängematte liegen? „Das ist ein Klischee“, winkt Schulleiter Klaus Liebtrau ab. „Die meisten haben in den Sommerferien alle Hände voll zu tun.“

Stundenpläne basteln, den Unterricht planen, Bücher sortieren: Was die Lehrer in diesen Wochen nicht schaffen, bleibt nach der einhelligen Meinung aller Schulleiter für das ganze Schuljahr liegen. Zudem gibt es zahlreiche Veränderungen: So brüten die Lehrer an der Grundschule Nünchritz über einem neuen System, nach dem sie ihre Schützlinge bewerten sollen. Statt stur falsche Rechenergebnisse abzustrafen, sollen die Pädagogen künftig berücksichtigen, wie originell die Schüler auf die Lösung kamen und welche Fortschritte sie gemacht haben. „Dafür haben wir Bögen mit den Kriterien bekommen. Damit müssen wir uns auseinander setzen“, sagt die Schulleiterin Maria Ermel.

Termine planen sie schon jetzt

Darüber hinaus würden die Pädagogen bereits jetzt ihre Elternabende und die Termine für die Sport- und Projekttage planen. Nur einer ihrer zwölf Lehrer habe derzeit Urlaub. „Die anderen gehen erst ab der kommenden Woche.“

An den Gymnasien wird es ab September neue Lehrpläne für die achten Klassen geben: Der Profilunterricht sei neu organisiert worden, so Liebtrau. Statt sturer Paukerei nach Lehrplan sei der Unterricht fächerübergreifend in so genannte Lernbereiche aufgeteilt worden. Liebtrau: „Wenn es um die Optik geht, nimmt die Physik die Brechungsgesetze durch, die Biologie beschäftigt sich gleichzeitig mit Sehfehlern.“ Wann die Pädagogen was lehren, sprechen sie nun ab. Alle anderen sortieren Bücher oder räumen die neuen Vorbereitungszimmer der Schule ein. Nach Angaben Liebtraus sind in dieser Woche von den 80 Lehrern 50 im Lande.

Auch in der Mittelschule am Kupferberg in Großenhain ist von Ruhe keine Spur: Drei Lehrer erstellen die neuen Stundenpläne. Bei 16 Klassen dauere das etwa anderthalb Wochen, so Schulleiterin Manuela Hörster. „Wir müssen die Neigungskurse berücksichtigen, die es übergreifend für mehrere Klassenstufen gibt.“

Im Lehrerzimmer sprechen die Pädagogen ab, wo sie fächerübergreifend unterrichten wollen. Das ist für die Mittelschulen seit zwei Jahren Pflicht. Doch während der Schulzeit ließe sich das kaum organisieren, so Manuela Hörster. „Da sind die Lehrer zu unterschiedlichen Zeiten im Unterricht.“ Wie viel Urlaub die Lehrer tatsächlich haben, ist im Tarifvertrag geregelt. Maximal 30 Tage gibt es, und die auch nur auf Antrag. „Die übrige Zeit müssen die Pädagogen zur Verfügung stehen, sich weiterbilden und den Unterricht vorbereiten“, sagt Katrin Reis vom Regionalschulamt Dresden.

Der Unterricht muss stehen

Dennoch sind die Ferien für die Lehrer ruhiger als der Rest des Schuljahres. Wo sie sich vorbereiten, bleibt ihnen überlassen: Ob Lehrerzimmer, Café oder Garten – erlaubt ist, was gefällt. „Es ist mir völlig egal, ob die Kollegen bis mittags schlafen und dafür bis in die Nacht hinein arbeiten. Hauptsache, der Unterricht steht mit Beginn des neuen Schuljahres“, so Liebtrau.

In vier Wochen ist allerdings Schluss mit lustig: Während die Kinder noch ein paar Tage ausschlafen dürfen, müssen die Lehrer zur Vorbereitungswoche erscheinen. Dann muss der Unterricht für das gesamte Schuljahr geplant sein – bevor der Gong die Schüler wieder zusammen trommelt.