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Riesa

Es fehlt eine dreizügige Grundschule

Die SZ stellt vor der Stadtratswahl die Spitzenkandidaten der Listen vor. Heute: Uta Knebel von den Linken.

Uta Knebel vor der Grundschule Breitscheidstraße, die sie gern erhalten würde. Der Stadträtin bleibt wenig Zeit abseits der Politik. Die verbringt sie am liebsten mit der Familie, beim Kanu- und Radfahren oder beim Reisen um die Welt.
Uta Knebel vor der Grundschule Breitscheidstraße, die sie gern erhalten würde. Der Stadträtin bleibt wenig Zeit abseits der Politik. Die verbringt sie am liebsten mit der Familie, beim Kanu- und Radfahren oder beim Reisen um die Welt. © Sebastian Schultz

Riesa. Uta Knebel sitzt in der Sonne vor der 4. Grundschule an der Rudolf-Breitscheid-Straße. Fürs Foto hat die 53-Jährige ihre blaue Jacke angezogen. Die Farbe vermittelt Vertrauen, sagt die Spitzenkandidatin der Linken für die Riesaer Stadtratswahl Ende Mai. Sie ist die Dienstälteste in dem Gremium, seit 1994 dabei.

 Bei der Wahl vor fünf Jahren fuhr die Canitzerin mit mehr als 4 200 Stimmen das zweitbeste Ergebnis nach Marco Müller (CDU) ein. Die Erhaltung des Verkehrslandeplatzes Göhlis, die Senkung der Elternbeiträge in Kitas oder die Abschaffung der Straßenbaubeiträge ab 2020 schreibt sich die sechsköpfige Linkenfraktion in der aktuellen Legislaturperiode als Erfolge auf die Fahnen. Die Wiederwahl Uta Knebels gilt als sicher. Sie lächelt in die Kamera. Dabei ist ihr gerade beim Thema Grundschulen nicht nach Lachen.

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„Wir sitzen vor der Schule, die abgerissen werden soll. Das finde ich schlecht“, sagt Uta Knebel. „Das ist die Schule mit dem größten Entwicklungspotenzial – auch, was die Schülerzahlen betrifft.“ Die Linke habe deshalb in der Vergangenheit nicht für den aktuellen Schulnetzplan gestimmt und fordert stattdessen ein Umdenken. Ihre Idee: Die Stadtteile Weida und Gröba behalten ihre Grundschulen an der Magdeburger Straße und Am Storchenbrunnen, in der Innenstadt aber wird umstrukturiert.

 Weil auch das Gebäude der christlichen Grundschule an der Schillerstraße der Stadt Riesa gehört und sanierungsbedürftig ist, sollte diese Einrichtung in die jetzige 1. Grundschule an den Rathausplatz ziehen und das alte Gebäude an der Schillerstraße als Schulstandort aufgegeben werden, findet Uta Knebel. 

Stattdessen sollte die Grundschule an der Breitscheidstraße saniert werden. „Wir brauchen auf Dauer eine dreizügige Grundschule in der Stadt“, begründet die Stadträtin ihre Idee, „dafür reicht die Grundschule am Rathausplatz aber nicht.“ 

Doch obwohl es laut Uta Knebel aktuell eine gute Zusammenarbeit über die Fraktionsgrenzen hinaus gibt, ist nicht klar, ob diese Idee im nächsten Stadtrat ernsthaft diskutiert wird. Nicht nur, weil das Schulkonzept bereits beschlossene Sache ist. Sondern auch, weil ihm der Linken-Malus anhaftet.

Links zu sein, ist alles andere als populär, sagt Uta Knebel. Das merke man nicht nur bei den Wählern, die zwar hilfesuchend zu ihr kommen, aber letztlich doch bei anderen Parteien ihre Kreuze machen oder gar nicht erst wählen gehen. Und das merken auch die Kandidaten der Linken. 

„Interessenten werden angegriffen, es wird ihnen mit beruflichen Konsequenzen gedroht“, beschreibt Uta Knebel den aktuellen Wahlkampf. „Es gehört Courage dazu, auf der Linken-Liste zu stehen.“ 

Zwölf Frauen und Männer haben sich für die anstehende Stadtratswahl aufstellen lassen. Altbekannte wie Volker Thomas. Parteienwechsler wie Hannes Keuerleber, der als unbequem gilt und aktuell noch für die SPD im Stadtrat sitzt. 

Und politische Neulinge wie Erik Christopher Richter, der in Riesa erst vor wenigen Wochen die Linksjugend gegründet hat und nun politisch bis in die Landesebene durchstarten will. Uta Knebel steht zu dieser Pluralität. Von Fraktionszwängen bei Abstimmungen im Stadtrat hält sie nichts und hofft, dass Die Linke zweitstärkste Fraktion bleibt.

 „Ich weiß, dass das schwer wird.“ Auch für sie persönlich. Die Grabenkämpfe bei den Linken in Sachsen in den vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen. Dazu kommt der Spagat zwischen diversen Posten und Jobs. „Ich bin eine von den Frauen, von denen man im Radio hört. 

Eine mit mehreren Arbeitsverträgen.“ Uta Knebel ist neben ihren politischen Ehrenämtern als Stadt- und Kreisrätin sowie als Vorsitzende des Kreisverbandes der Linken auch als selbstständige Hausverwalterin tätig, als ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende des Mietervereines Saxonia, als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Linken-Landtagsabgeordneten René Jalaß und als Regionalmitarbeiterin Ost der Bundestagsfraktion der Linken. „Das hatte ich mir anders vorgestellt, hat sich aber so ergeben“, sagt die Mutter zweier erwachsender Kinder rückblickend.

Nach dem Abschluss als Diplom-Ingenieur-Ökonom an der TU Dresden 1989 arbeitet sie zunächst im Ölwerk. Sie ist bereits Mitglied in der SED, später in der PDS, und wird angesprochen, für den ersten Kreistag nach der Wende zu kandidieren.

 „Einer muss es ja machen, hat mein Mann damals gesagt“, erinnert sich Uta Knebel. Sie wird gewählt. Vier Jahre später überredet sie der ehemalige Oberbürgermeister Wolfram Köhler (CDU), auch für den Stadtrat zu kandidieren. 

Zu der Zeit arbeitet sie im Hotel am Bahnhof, später geht sie in die Selbstständigkeit, und mittlerweile dreht sich fast ihr gesamtes Leben um die Politik. „Links zu sein, ist nicht karrierefördernd“, weiß sie heute. Trotzdem will sie sich weiter engagieren. „Das ist mir ein Bedürfnis.“