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Radebeul

Es geht noch schneller

Jonas Greif ist vom Kart auf Tourenwagen umgestiegen. Der Abiturient würde gern als Rennfahrer sein Geld verdienen, hat aber einen Plan B.

Im VW Scirocco ging es über den Hockenheimring. Jonas Greif und sein Teamkollege fuhren auf Platz 2. Ein Reifenplatzer vermasselte den Sieg.
Im VW Scirocco ging es über den Hockenheimring. Jonas Greif und sein Teamkollege fuhren auf Platz 2. Ein Reifenplatzer vermasselte den Sieg. © privat

Coswig. Es sollte das erste Rennen in einem Tourenwagen werden. Doch eine Woche vorher wurde Jonas Greif krank, wollte schon absagen. Selbst am Abend vor dem Rennen war die Erkältung noch nicht ganz ausgestanden. 

Doch am entscheidenden Tag lief es dann besser als erwartet. „Das lag wahrscheinlich am Adrenalin“, sagt der 18-Jährige. Er und sein Teamkollege fuhren auf dem Hockenheimring im VW Scirocco Cup auf den zweiten Platz. Schon im Qualifying sicherten sie sich mit ihrem Rennwagen die Pole-Position in ihrer Klasse und konnten im Rennen über vier Stunden diese Position ungefährdet und sicher behaupten. 

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Doch dann ein Reifenplatzer. Neun Minuten vor Rennende. Jonas musste zu einem ungeplanten Boxenstopp. Auf den Pokal kann er dennoch stolz sein. Denn Erfahrung mit Rennautos hat er vorher kaum sammeln können.

Als Siebenjähriger saß Jonas zum ersten Mal in einem Kart, wurde zweimal sächsischer Meister, fuhr zuletzt um die deutsche Meisterschaft. Dann kam das Angebot von T3 Motorsport, ein noch ganz junges Rennteam aus Dresden und Radebeul, dessen Ziel es ist, junge und talentierte Fahrer zu fördern. 

Vorher ist Jonas Kart gefahren. Im Tourenwagen ist er schneller unterwegs.
Vorher ist Jonas Kart gefahren. Im Tourenwagen ist er schneller unterwegs. © privat

Jonas sei zunächst skeptisch gewesen, startete in die Saison ohne Erwartungen. T3 wurde erst im Herbst von motorsportbegeisterten Unternehmern gegründet. Auf Siege sei man noch gar nicht aus, wolle zunächst Erfahrungen sammeln, sagt Jens Feucht, einer der Gründer und Teamchef. Dass Jonas und Kollege gleich beim ersten Rennen um den Sieg gefahren sind, sei ein großer Erfolg.

Jens Feucht ist selbst fast 30 Jahre Rennen gefahren. „Ich war nah dran am Profisport, habe den Sprung aber nie geschafft, weil niemand da war, der mir gesagt hat, wie das geht.“ Mit T3 soll das dem Nachwuchs nicht passieren. Und Jonas kommt seinem Traum, mit dem Rennsport Geld zu verdienen, etwas näher.

Der Umstieg vom Kart auf einen Tourenwagen war zunächst ungewohnt, sagt er. Es ist enger, der Fahrer komplett von Karosserie umgeben. „Im Kart hat man mehr Respekt.“ Und der VW fährt deutlich schneller. Mit mehr als 200 Stundenkilometern geht es über die Rennstrecken. Ein Kart kommt auf maximal 125 km/h.

Und die Taktik ist eine andere. Drei oder vier Stunden dauert so ein Rennen im Tourenwagen, bei dem sich zwei Fahrer zwar immer abwechseln, aber das Auto bleibt dasselbe. Die Fahrer müssen deshalb zum Beispiel im richtigen Moment entscheiden, wann der Boxenstopp nötig ist.

Drei Autos in verschiedenen Kategorien gehören zu T3. Jonas fährt im Scirocco derzeit noch in der Einstiegsklasse. Im zweiten Halbjahr sollen die Tests mit dem Audi RS3 beginnen. Für die ADAC GT Masters würde er auf einen Audi R8 umsteigen und dann auch gegen Berufsfahrer antreten. Es würde mehr als 100 000 Zuschauer geben, die Rennen werden im Fernsehen übertragen.

Bis zu vier Stunden dauert ein Rennen. Die Fahrer wechseln sich ab.
Bis zu vier Stunden dauert ein Rennen. Die Fahrer wechseln sich ab. © privat

Der Aufstieg klappt aber nur, wenn es die finanziellen Möglichkeiten zulassen. Ohne Sponsoren läuft im Rennsport nichts. Allein die Teamgründung hat rund 750 000 Euro gekostet, sagt Jens Feucht. Jede Saison kostet noch einmal so viel. Die Autos sind Einzelanfertigungen und werden nach jedem Rennen fast komplett auseinandergenommen.

Hinzu kommt das Personal für jedes Rennwochenende. Dass die Fahrer erfolgreich sind, dafür sorgen im Hintergrund bis zu 30 Leute. Techniker, Ingenieure, Teammanagement, Helfer für Auf- und Abbau und die Verpflegung. „Ein bisschen wie ein Wanderzirkus“, so beschreibt es Jens Feucht. Einer, der sich nicht versteckt und auffällt. „An der Rennstrecke stehen bei uns alle Tore offen“, sagt Jens Feucht.

Die Teamfarben – ein leuchtendes Grün und Gelb – sind bewusst gewählt. T3 will sich von den anderen abheben. Neben den sportlichen Erfolgen steht die Nachwuchsförderung an erster Stelle. Und das mit „Präzision und Leidenschaft“, wie es im Slogan des Rennteams heißt.

Leidenschaft ist nötig, denn vom Rennsport leben können die Gesellschafter nicht. Selbst wenn Jonas den Sprung in den Profibereich schaffen und vielleicht irgendwann bei der Deutschen Tourenwagen-Masters mitfahren würde, bekommen seine Förderer keine Ablösesumme, wie sie aus dem Fußball bekannt ist.

Das langfristige Ziel bleibt es dennoch, vom Motorsport leben zu können. „Das Potenzial ist da. Man braucht aber auch ein bisschen Glück“, sagt Jens Feucht über Jonas und rät ihm unbedingt zu einem zweiten Standbein.

Nachdem das Abi nun geschafft ist, will Jonas in Dresden Wirtschaftswissenschaften studieren. Bis zum Beginn des Studiums im Herbst stehen noch verschiedene Praktika und Trainings im Terminkalender. Und zwischendurch will er auch einfach mal das Leben genießen. Diese Zeit komme schließlich nie wieder.