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Es gibt 20 Rosenthals in Deutschland

Orte mit dem Namen finden sich auch in Österreich, den USA und Osteuropa. Besonders schön ist ein Namensvetter in Hessen.

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Von Dietmar Rößler

Mit genau der gleichen Schreibweise wie der Hirschfelder Ortsteil Rosenthal gibt es allein in Deutschland 20 Orte. Und noch jeweils einen in Österreich und in den USA. Und mit ursprünglich diesem deutschen Namen noch vier in Polen und zwei in Tschechien. Außerdem eine bekannte Porzellanmarke und ein edles Markenpapier.

Wer meint, Rosenthal bei Hirschfelde ist ja schon lange „nur noch ein Ortsteil“, der sollte wissen, dass es diese Eigenschaft mit 19 seiner 20 deutschen „Namensvetter“ teilt. Größter Ortsteil ist übrigens ein Stadtteil Berlin-Pankows – mit über 8000 Einwohnern.

So viele Einwohner kann der einzige eigenständige Ort Rosenthal (2300) nicht vorweisen. Dafür ist er seit seiner Gründung um 1327 selbstständig. Und eine Stadt! Zwar die kleinste in Hessen, aber immerhin. Bei der Gründung hieß sie noch „Mainzer Stadt“, deshalb das „Mainzer Rad“ im Wappen, flankiert von vier Rosen.

Die Stadt Rosenthal ist das Zentrum des Burgwaldes, des größten zusammenhängenden hessischen Waldgebietes, einer beliebten Wanderregion mit vielfältigen Landschaftsformen, schönen Panoramablicken und einsamen Mooren. Was sich allerdings noch mehr herumsprechen könnte.

Ähnlich wie in der südlichen Oberlausitz ist die Verkehrserschließung nicht die beste und deshalb auch dort der Tourismus kein „Selbstläufer“. Die Rosenthaler versuchen, das mit guten Ideen wett zu machen. Zum Beispiel kann man bei der Stadtverwaltung Wanderkarten nicht nur kaufen sondern auch mieten. Mietgebühr: ein Euro pro Tag, plus eine Kaution etwa die Höhe des Kartenpreises.

Eine besondere Idee in Zusammenhang mit dem Stadtnamen nahm im Mai 2011 Gestalt an. Seitdem führt ein 2,6 Kilometer langer „Wildrosenweg“ durch das Stadtgebiet. 17 Stationen informieren rund um die Blumen. Insgesamt 60 Rosensorten, 40 Wildrosen und deren Hybriden wurden angepflanzt.

Der kleine, in Rosenthal aus Fischbach und Rodebach entstehende Fluss Bentreff kann mit unserer Neiße nicht konkurrieren. Aber wie an der Neiße gibt es auch an der Bentreff schmucke Fachwerkhäuser, natürlich kein Umgebinde. Dafür ist man aber stolz, dass die alte Schule an einem Tag, dem 28. Juli 1831, entstanden ist. Die Fachwerkbalken wurden am örtlichen Zimmermannsplatz vorgefertigt und nummeriert. Dann wurde das Haus an einem Tag zusammengesetzt.

Für das dreigeschossige Fachwerk-Rathaus von 1654 brauchte man sicher etwas länger. Seine restaurierte historische Holztür ziert der sinnreiche Spruch: „Rat nach That kommt zu spat.“

Vom Rathaus aus hat man auch die anderen „Rosenthäler“ Deutschlands im Blick. So wurde 1990, anlässlich der 650-Jahr-Feier, Kontakt zu drei Orten in der ehemaligen DDR gesucht. Zur Feier konnte ein Blasorchester und eine Tanzgruppe aus der Nähe des „sorbischen Rosenthals“ (Ralbitz-Rosenthal) begrüßt werden. Freundschaften, die sich daraus entwickelten, werden bis heute gepflegt. Aus einem sportlichen Kontakt zwischen der Fußballabteilung des TSV Rosenthal und dem Sportverein der gleichnamigen Gemeinde in Niedersachsen ist sogar eine Ehe hervor gegangen. Das Paar lebt heute glücklich und zufrieden im hessischen Rosenthal.

Eine zufällige Gemeinsamkeit des Hessischen und Oberlausitzer Rosenthals soll zum Schluss noch erwähnt sein: Beide Orte liegen auf der gleichen geografischen Breite: 50°57‘ N.

www.rosenthaler.de