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Meißen

„Der Landkreis Meißen ist schon immer blau gewesen"

AfD-Landtagswahlsieger Thomas Kirste wehrt sich gegen Extremismus-Vorwürfe aus den eigenen Reihen.

Bei der Landtagswahl am 1. September konnte AfD-Kandidat Thomas Kirste im Wahlkreis Meißen 34,2 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen.
Bei der Landtagswahl am 1. September konnte AfD-Kandidat Thomas Kirste im Wahlkreis Meißen 34,2 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen. © Foto: privat

Herr Kirste, trotz anderslautender Prognosen haben Sie den Wahlkreis Meißen direkt gewonnen. Waren Sie überrascht?

Nicht wirklich. Der Kreis ist schon immer blau gewesen. Auch bei der Europawahl lagen wir vorn. Was mich tatsächlich überrascht hat, war mein Vorsprung vor den Zweitstimmen. Das freut mich natürlich. Wahrscheinlich kommt dieser Effekt durch meine Arbeit bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und die Bekanntheit meiner Familie in der Region zustande.

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Wer hat Ihnen als Erster gratuliert?

Es gab immer wieder Gratulationen und Jubel, noch bevor das vorläufige Endergebnis überhaupt feststand. Als mir späterhin der Kreiswahlleiter sagte, dass ich rund 1 000 Stimmen Vorsprung habe, stand es eigentlich fest. Zu diesem Zeitpunkt hat mir mein ganzes Team gratuliert und natürlich meine Eltern. Später folgten hunderte Whatsapp-Nachrichten, E-Mails und Anrufe.

Wie haben Ihre Arbeitskollegen reagiert?

Ganz unterschiedlich. Einige haben mich umarmt und sich mit mir gefreut. Andere haben sich eher distanziert verhalten. Da gab es nur ein kurzes Hallo und vielleicht noch eine Gratulation.

Aktuell sind Sie noch in Ihrem bisherigen Job als Hochschulmitarbeiter beschäftigt. Was heißt das für Sie?

Ja, während des Wahlkampfes war ich zwei Monate unbezahlt freigestellt. Das ist im Abgeordnetengesetz so festgelegt. Jetzt möchte ich aber die Projekte, die ich angefangen habe, noch fertigmachen und ordentlich übergeben. Ende des Monats beginnt dann wieder die Freistellung, damit ich mich ganz der Arbeit im Landtag widmen kann.

Steht bereits fest, welchen thematischen Schwerpunkten Sie sich in Dresden widmen werden?

Auf der ersten Fraktionssitzung wurde das abgefragt, um die Besetzung der Ausschüsse zu koordinieren. Bei mir läuft es sicher auf Wirtschaft hinaus, da ich seit zehn Jahren in der Wirtschaftsförderung tätig bin. Der Bereich der Hochschulen kommt ebenfalls in Frage. Persönlich interessiert mich Kultur aufgrund meines Zweitstudiums Schutz der Europäischen Kulturgüter.

Wie möchten Sie in Ihrem Wahlkreis präsent sein?

Das Büro auf dem Roßmarkt umfasst die Geschäftsstelle des Kreisverbandes und das Büro unseres Bundestagsabgeordneten Detlev Spangenberg. Ich werde sicher in einen anderen Ort gehen, nach Nossen oder Niederau vielleicht, um auf dem Land präsent zu sein. Es hängt davon ab, wie wir Räumlichkeiten bekommen. Darüber hinaus werde ich zeitnah das Gespräch mit den Bürgermeistern suchen, um herauszubekommen, wo es Probleme in den Gemeinden gibt, und ich eventuell unterstützen kann. Ein sehr großer Erfolg war auch die Bürgerbefragung auf meinen Einladungskarten für die Wahlkampfveranstaltung mit Alexander Gauland. Hunderte Karten kamen mit Ideen und Hinweisen der Bürger zurück, die wir auswerten müssen.

Im Wahlkampf wurde Ihnen von Parteifreunden vorgeworfen, Sie hätten Extremisten um sich geschart. Wie reagieren Sie darauf?

Diese Vorwürfe sind völliger Blödsinn. Leider gibt es immer Quertreiber, die Erfolg missgönnen und nur sich selbst sehen, nicht die Ziele unserer Partei. Derartige Vorwürfe kommen dann von jenen, die sich selbst aufgrund ihrer fragwürdigen Haltung in keinerlei Teamstrukturen einordnen können und auch keine politische Verantwortung übernehmen wollen. Klappt es nicht mit der schnellen Karriere, schmeißen diese hin und suchen vielmehr die Nähe zum politischen Gegner. Parteifreund ist also der völlig falsche Begriff. Dass nun ausgerechnet diese versuchen, die Regionalgruppe in Misskredit zu bringen und Mitglieder als Extremisten bezeichnen, ärgert mich, da wir als Meißner Regionalgruppe sicher zu den geschlossensten und aktivsten in Sachsen gehören. Die Meißner CDU würde davon nur träumen. Richtig ist aber auch, es gab diesen einen Vorfall, als Kreisrat Steffen Förster über das Ziel hinausgeschossen ist. Dafür hat er sich entschuldigt und seine Äußerung zurückgenommen. Die Abmahnung ist durch.

Der Wahlkampf wurde stellenweise sehr hart geführt. Jetzt vertreten Sie alle Bürger Ihres Wahlkreises in Dresden. Was werden Sie tun, um die entstanden Gräben zu schließen?

Wir wollen eine Politik für alle Sachsen machen. Nach einigen Pöbeleien im und nach dem Wahlkampf gegen uns habe ich jetzt zum Beispiel Daniel Bahrmann von der SPD angeboten, ob wir uns nicht einmal zusammensetzen und austauschen wollen. Persönliche Angriffe gab es zu genüge von einzelnen Personen in schwierigen Lebensumständen, bis hin zu Denunziation und Verleumdungen in sozialen Medien. Die Wähler haben dem keine Beachtung geschenkt. Ein gewisses Fell muss man sich als Politiker aber wachsen lassen. Den Wahlkampf vonseiten des SPD-Kandidaten Frank Richter habe ich als ganz fair empfunden.

Apropos Frank Richter: Er und Daniela Kuge wollen weiter mit Büros direkt im Wahlkreis Meißen aktiv sein. Was sagen Sie dazu?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir werden sehen, wer das Vertrauen der Wähler gewinnt. Meinen Wählern möchte ich nochmals herzlich für das Vertrauen danken.

Das Gespräch führte Peter Anderson

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