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„Ich bin nicht talentiert“

Box-Profi Robert Stieglitz über das WM-Duell gegen Arthur Abraham am Samstag, die höchste Börse seiner Karriere und Prügelvorwürfe.

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© Robert Michael

Für einige Experten wird es der Box-Kampf des Jahres in Deutschland. Für andere wiederum überflüssig wie ein Kropf – weil bereits das dritte Duell der beiden Profis. Die Geschichte der beiden vorangegangenen Kämpfe zwischen Robert Stieglitz und Arthur Abraham verspricht auch am Sonnabend in Magdeburg zumindest einen hochklassigen Vergleich der beiden derzeit besten deutschen Profi-Supermittelgewichtler. Und einen quotenträchtigen: 9,12 Millionen Zuschauer verfolgten die ersten beiden Kämpfe. WBO-Weltmeister Robert Stieglitz (32) spricht vor dem Fight am Sonnabend über seine Träume.

© picture alliance / dpa

Herr Stieglitz, Sie treffen am Sonnabend zum dritten Mal binnen anderthalb Jahren auf Arthur Abraham. Wird Ihnen das nicht langsam langweilig?

So ist das Box-Geschäft. Ich muss eine Pflichtverteidigung absolvieren, und Arthur Abraham hat sich diesen Rang erkämpft. Er ist die Nummer eins der WBO-Weltrangliste. Deshalb muss ich die Entscheidung des Weltverbandes akzeptieren. Mir wird deshalb nicht langweilig. Das zeigt seine Stärke, dass er sich nach seiner Niederlage gegen mich wieder nach oben gekämpft hat. Ich sehe das ganz locker, boxe ihn gern noch einmal.

Beim ersten Vergleich gegen Abraham, den Sie nach Punkten verloren, hatten Sie eine Klausel für einen Rückkampf im Kampfvertrag. Bestehen Sie erneut auf dieser Option?

Diese Frage müsste mein Manager und Promoter Ulf Steinforth beantworten. Ich glaube, diese Klausel besteht diesmal wieder. Aber wir gehen nicht davon aus, dass wir davon Gebrauch machen müssen.

Das zweite Duell entschieden Sie im März 2013 klar und vorzeitig nach der vierten Runde für sich. Heißt das, Sie haben sich genauso vorbereitet wie damals?

Grundsätzlich haben wir alles genauso erledigt. Aber wir probierten auch einige neue Sachen aus. Der Überraschungseffekt wird nicht noch einmal funktionieren, wir müssen also weiterdenken. Ich glaube schon, dass Arthur besser drauf sein wird als beim letzten Mal. Deshalb stelle ich mich auf zwölf Runden ein, will in Magdeburg aber meine Stärke präsentieren und Weltmeister bleiben.

Es wird also keinen vierten Kampf gegen Arthur Abraham geben?

(lacht) Ich glaube nicht.

In der unabhängigen Datenbank boxrec rangieren Sie in Ihrer Gewichtsklasse auf Rang drei – hinter den beiden anderen Weltmeistern Andre Ward (WBA) und Carl Froch (IBF). Sind das Ihre nächsten Herausforderungen?

Das wünsche ich mir. Ich würde gerne gegen beide boxen. Allerdings ist das bei Vereinigungskämpfen sehr kompliziert. Ich würde als deutscher Weltmeister gern in Deutschland kämpfen, Carl Froch als Brite gern in England. Hinzu kommen die Interessen der übertragenden Fernsehsender. Solche großen Kämpfe sind schwer zu organisieren.

Vor knapp drei Wochen ist der mexikanische Profiboxer Oscar Gonzales nach einem Knockout an einer Gehirnblutung gestorben. Steigen Sie mit dem Bewusstsein der steten Gefahr in den Ring?

Solche Gedanken muss man beiseiteschieben. Natürlich ist uns die Gefahr bewusst. Jeder Mensch kann sich beim Sport verletzen. Solche Fälle werden immer wieder vorkommen, so tragisch das ist.

Sie hatten noch nie Angst im Ring?

Nein, nein. Wenn ich im Ring stehe, dann ist mein einziges Ziel, besser zu sein als der Gegner, mich nicht schlagen zu lassen.

Ihr Boxstall SES hat das dritte Duell zwischen Ihnen und Arthur Abraham für 3,135 Millionen Dollar ersteigert. Hat Sie diese Summe erstaunt?

Für mich war die Höhe überraschend, obwohl ich weiß, dass SES mich sehr schätzt und den Kampf selbst ausrichten wollte. Das zeigt mir, dass ich auch für meinen TV-Sender Sat1 ein interessanter Mann bin. Mein Manager hatte mir versprochen, mehr Geld aufzubieten als das Team Sauerland von Arthur Abraham.

Das sichert Ihnen zugleich eine erhebliche Kampfbörse. Knapp 60 Prozent dieser Summe – also etwa 1,35 Millionen Euro – werden Sie bekommen.

Ja, das wird die größte Börse, die ich bisher verdient habe.

Sie haben eine ähnliche Biografie wie Arthur Abraham. Er siedelte 1995 aus der früheren Sowjetunion nach Deutschland, Sie sechs Jahre später. Ist der Armenier ein Typ, mit dem Sie auch mal ein Bier trinken würden?

So eng sind wir nicht. Aber ich könnte mir das vorstellen, wenn unsere sportliche Rivalität beendet ist. Wir sind ja außerhalb des Ringes ganz normale Leute, vielleicht nicht die besten Freunde, aber Sportkollegen. Arthur spricht ja auch Russisch.

Wie erlebten Sie als gebürtiger Russe die Olympischen Winterspiele in Ihrer ehemaligen Heimat?

Ich finde es schon beeindruckend, in welcher kurzen Zeit die Russen die Sport- und Trainingsstätten aufbauten. Die haben ja vor acht Jahren bei null angefangen. Deshalb ist das Projekt ziemlich teuer geworden. Ich hoffe, dass von den Bauten nun auch im Nachhinein der russische Wintersport profitiert. Ich habe einige Sportarten am TV verfolgt – Eishockey zum Beispiel.

Sie gelten unter den Profiboxern als Konditionswunder. Haben Sie auch Talent für andere Ausdauersportarten?

Das ist ja alles eine Trainingssache und hängt auch mit meinem Lebensstil zusammen. Ich lebe gesund. Kondition gehört zu meiner Tätigkeit als Berufsboxer. Diese Kondition erarbeite ich mir im Training und liegt auch an den guten Genen meiner Eltern. Ich habe kein Talent für andere Sportarten, musste mir auch meine Fähigkeiten beim Boxen hart erarbeiten, bekam da nichts geschenkt. Es gibt Leute, die Talent haben – egal ob für Boxen oder andere Sportarten –, aber ich gehöre nicht dazu.

Sie galten als Vorzeigesportler, bis im Vorjahr negative Schlagzeilen auftauchten, Sie hätten Ihren ehemaligen Schwiegervater geschlagen und Ihre derzeitige Freundin Tatjana verprügelt. Was können Sie dazu sagen?

Dazu möchte ich eigentlich nichts mehr erzählen, das Thema ist für mich durch.

Sie sind also weiter mit Tatjana liiert?

Ja, ja, wir sind zusammen.

Das Interview führte Alexander Hiller.

Der Kampf wird am 1. März ab 22.45 auf Sat1 gezeigt