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Es gibt zu wenige Obduktionen

Dresden. Pro Jahr werden im Institut für Rechtsmedizin der Dresdner Uni-Klinik nicht einmal mehr 400 Leichen obduziert. Waren es 1990 noch mehr als 1 000, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf gerade 371. „Das ist zu wenig“, sagt Institutsleiter Jan Dreßler.

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Dresden. Pro Jahr werden im Institut für Rechtsmedizin der Dresdner Uni-Klinik nicht einmal mehr 400 Leichen obduziert. Waren es 1990 noch mehr als 1 000, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf gerade 371. „Das ist zu wenig“, sagt Institutsleiter Jan Dreßler. Es komme immer wieder vor, dass ein Arzt keine eindeutige Todesursache feststellen kann, der Leichnam aber dennoch nicht an die Gerichtsmedizin weitergeleitet werde.

„Heute ist der Entscheidungsspielraum von Behörden wie Polizei oder Staatsanwaltschaft größer. Wenn dort dann kein Verdacht auf ein Fremdverschulden festgestellt wird, wird unsere Hilfe oft nicht mehr angeordnet“, sagt der Gerichtsmediziner. Das sei allerdings nicht ausreichend. Denn um einen Verdacht tatsächlich ausschließen zu können, müsse man das Opfer genau untersuchen, sagt Dreßler. Er fürchtet, dass in der gegenwärtigen Praxis manche Tötungsdelikte oder sogar Morde unerkannt blieben.

Das Institut für Rechtsmedizin hat jetzt in einem Arbeitstreffen mit einem Dutzend Staatsanwälten und Vertretern von Polizeigewerkschaften auf diese Problematik hingewiesen. In einer lockeren Atmosphäre diskutierten die Ärzte mit ihren Gästen über unklare Todesursachen. Diese Tagung ist eine neue Initiative der Dresdner Gerichtsmediziner. (lex)