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„Es grämt mich, dass wir keine Dampflok haben“

Alfred Simm von den Eisenbahnfreunden spricht über Geld – und sagt, was bei den Maschinenhaustagen zu erwarten ist.

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Von Gabriel Wandt

Die Maschinenhaustage sind ein fester Termin im Löbauer Kalender – immerhin gibt es die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde mittlerweile auch schon seit 25 Jahren. Doch wo vor einigen Jahren noch die Begeisterung über beeindruckende Loks und Erfolge beim Sanieren des Maschinenhauses überwog, muss der Verein zunehmend mit Problemen kämpfen. Die Dampflok darf ohne neue Hauptuntersuchung nicht fahren. Die aber kostet rund eine Dreiviertelmillion Euro. Für mehrere zehntausend Euro musste der Verein einen Wasserrohrbruch schultern, im Dezember 2014 erlitt die Diesellok einen teuren Getriebeschaden. In der SZ spricht Vereinschef Alfred Simm darüber, wie es mit dem Verein weitergeht und wie die Eisenbahnfreunde trotzdem feiern.

Herr Simm, Ihr Verein lockt zu den Maschinenhaustagen tausende Besucher. Noch viel höher aber sind die Kosten, die Sie derzeit für Reparaturen und Untersuchungen aufbringen müssen. Ist das für Ihren Verein noch zu schaffen?

Das Geld ist ein Problem, ja. Wenn da finanziell mal ein Ende kommt, kann es auch mal längere Zeit einen Stillstand geben. Das ist nicht zu verhindern. Zum Glück haben wir bis jetzt immer wieder Leute gefunden, die uns unterstützen. Bei der Eröffnung der Maschinenhaustage wird uns auch jemand einen Scheck überreichen, der entscheidend bei der Reparatur der Diesellok hilft. Dadurch gehe ich davon aus, dass die 112er Lok im Juni/Juli wieder betriebsfähig ist. Aber danach gehen die nächsten zwei Reisezugwagen planmäßig zur Hauptuntersuchung. Jeder Wagen kostet 30 000 bis 40 000 Euro. Da hatten wir auch voriges Jahr zwei, die das hinter sich haben. Also, das reißt nicht ab. Käme ich noch einmal auf die Welt, würde ich nur noch Bahn-Briefmarken sammeln.

Wie geht es dann aber in den nächsten 25 Jahren weiter mit Ihrem Verein?

Wir haben bei der letzten Vorstandswahl junge Leute in den Vorstand gewählt. Der Verantwortliche für Technik ist 26 Jahre alt, der Kassenwart ist 30. Wir führen die jungen Leute bewusst heran, und die bereiten jetzt auch maßgeblich die Maschinenhaustage vor.

Junge Leute bringen frische Ideen, das stimmt. Müssen sich die Besucher trotzdem darauf einstellen, dass die Vielfalt dessen, was Sie seit Jahren bieten, abnimmt?

Ich hoffe, dass die Vielfalt nicht abnimmt, im Gegenteil. Durch die tschechische Dampflok haben wir trotzdem etwas Spannendes zu bieten. Natürlich grämt es mich, dass wir zurzeit keine betriebsfähige Dampflok haben. Aber die jungen Leute haben auch bewiesen mit der HU vom Triebwagen, dass sie sich auch um die Dieselfahrzeuge kümmern. Wenn man sieht, in welchem sauberen Zustand die Loks sind, kann ich sagen: Die kümmern sich drum. Ich hatte ein bisschen Angst, wenn keine eigene Dampflok mehr fährt, dass dann das Interesse abnimmt, aber durch die Dieselfahrzeuge ist die Jugend gebunden. Die haben gar nicht mehr so den Bezug an eine Dampflok. Natürlich wäre es schön, mit Fördermitteln die Dampflok in Betrieb zu nehmen. Denn es ist klar, dass das nur auf diese Weise gehen kann. Wenn wir für unsere zwei Wagen dieses Jahr noch die Hauptuntersuchung bezahlen können, können wir schon stolz sein. Aber es kommt ja auch immer wieder Geld in die Kasse: Durch Besucher, durch Firmenfeiern oder Schuleintrittsfeiern. Wir hatten mal eine solche Feier, bei der die Gäste aus über 300 Kilometer Entfernung hierher gefahren kamen. Dann hat die ganze Familie mit Großeltern im Schlafwagen geschlafen. Das sind Sachen, die uns immer wieder unterstützen.

Das gibt auch moralischen Auftrieb?

Na sicher. Es gibt ja auch immer wieder Filmaufnahmen. Da zeichnet sich jetzt auch wieder etwas ab. Mehr darf ich allerdings noch nicht verraten.

Für all das brauchen Sie Mitstreiter. Wie entwickelt sich der Verein?

Junge Leute kann man nie genug haben. Aber wer sich mit elf, zwölf Jahren für Eisenbahn interessiert, fährt später nicht bloß mit einer Diesellok an den Mädchen vorbei. Einige gute junge Leute haben wir verloren, weil es im Eisenbahnwesen in der Region wenig Lehrstellen gibt. Aber, wer bei uns mitmacht, hat mittlerweile gute Chancen, Lehrstellen in Metallberufen zu bekommen. Da gibt es Firmen, die fragen, ob wir nicht jemanden für sie haben. Eisenbahn verlangt Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Das lernt man bei uns. Ansonsten sind wir jetzt um die 135 Mitglieder und wachsen immer noch. Und die Jugend ist aktiv, verabredet sich kurzfristig über Facebook zu Arbeitseinsätzen. Das kennen wir Alten gar nicht. Wir haben noch Aushänge gemacht.

Ihr nächstes großes Ziel?

Das Tollste wäre, wenn eine unserer beiden großen Dampfloks noch mal in Betrieb geht. Wenn wir das schaffen, gilt das mit kleineren Zwischenuntersuchungen für acht Jahre. Und dann wäre die Lok so instand gesetzt, dass es wahrscheinlich relativ leicht und mit geringerem finanziellen Aufwand erreichbar wäre, dass es dann noch mal acht Jahre weitergehen kann. Das wäre eine unwahrscheinlich tolle Zeit.

Setzen Sie auf eine stärkere Zusammenarbeit mit anderen Vereinen?

Mit der Zittauer Schmalspurbahn arbeiten wir sowieso eng zusammen. Sie ist für junge Leute auch ein Eisenbahn-Arbeitgeber in der Region. Mir ist wichtig, dass unser Nachwuchs auch beruflich eine Perspektive hat. Beim Marketing arbeiten wir alle unter dem Dach der Dampfbahnroute Sachsen zusammen. Ob es später Fusionen zwischen Vereinen geben muss, wird sich zeigen. Aber ein fusionierter Verein müsste auch die Standorte fusionieren. Das würde auch für Dampfloks Probleme bedeuten, wenn Drehscheiben oder Nachschubstandorte für Wasser oder Steinkohle schließen.

Jetzt kommen erst einmal wieder die Maschinenhaustage. Worauf freuen Sie sich besonders?

Na, auf die tschechische Dampflokomotive. Sie ist klein genug, dass sie bei uns auf die Schwenkscheibe passt, wir sie ohne Probleme auf das Cunewalder Gleis bekommen, wo sie für die Besucher dann fahren wird. Nach Löbau ziehen wir sie aber mit der Diesellok, weil die tschechische Lok nicht über die nötige Sicherungstechnik verfügt. Wir hätten gern auch wieder Parallelfahrten mit zwei Dampfloks angeboten, aber die aktuellen Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Löbau und Görlitz haben das gestoppt. Eine Dampflok ist ja auch schon ein Erfolg.