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Es ist auch bei uns Zeit für eine Revolution

Houston Thomas ist Tänzer an der Semperoper in Dresden. Der Amerikaner denkt viel nach über den Tod von George Floyd. Und was sich ändern muss.

Der Balletttänzer Houston Thomas ist 24 Jahre alt und Halbsolist an der Semperoper. Er lebt seit 2013 in Dresden.
Der Balletttänzer Houston Thomas ist 24 Jahre alt und Halbsolist an der Semperoper. Er lebt seit 2013 in Dresden. © Jürgen Lösel

Mister Thomas, was ging in Ihnen vor, als Sie vom Mord an George Floyd erfuhren?

Es war schrecklich, dieses Video zu sehen. Zu sehen, wie George Floyd mehr als acht Minuten um sein Leben bettelt, wie er immer wieder sagt, dass er nicht atmen kann. Und andererseits passieren solche Übergriffe der Polizei auf Schwarze in den Vereinigten Staaten regelmäßig. Sie sind so normal, dass man auf seltsame und traurige Weise daran gewöhnt ist.

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Wollten Sie sich abfinden damit?

In den ersten Tagen danach sah ich mich nicht veranlasst, etwas zu unternehmen. Dann habe ich über soziale Medien den wachsenden Protest gegen Rassismus in Amerika verfolgt, das Erstarken der Black Lives Matter-Bewegung. So viele Menschen gingen plötzlich auf die Straße. Und ich saß zu Hause und tat nichts. Ich fühlte mich hilflos. Weit weg von den Ereignissen. Ein schwarzer Balletttänzer mit einer Stimme, die niemand hört. Dann dachte ich: Ich kann ja auch hier etwas tun. Ich kann mich in den sozialen Medien und in Dresden äußern. Eine Art Bindeglied sein. Durch Gespräche. Ich will niemanden beeinflussen, aber ich kann vielleicht die Sensibilität wecken für schwarze Kultur und Geschichte. Weil das meine Identität ist, denn ich kann die schwarze Haut nicht abstreifen, ich kann sie nicht verstecken.

Begleitet Sie Rassismus von klein auf?

Absolut. Als schwarzer Amerikaner lernt man von Kindheit an, dass wir in Strukturen leben, die uns benachteiligen. Dass die Farbe deiner Haut dich begrenzt. Dass du, um etwas zu erreichen, mindestens doppelt so hart arbeiten musst. Und dass man, wenn man mit der Polizei zu tun hat, sehr vorsichtig sein muss. Ich kam nie in eine Situation, in der ich um mein Leben hätte fürchten müssen. Aber es ist tief in meinem Bewusstsein und in meinem Wesen, dass, wo immer ich hinkomme, meine Hautfarbe eine Wirkung hat. Ich werde sehr genau beobachtet. Vor ein paar Jahren war ich einkaufen in Chicago und stand mit meinen Tüten zwischen lauter Weißen. Eine Verkäuferin nahte. Sie blieb bei mir stehen und forderte mich auf, meine Tüten zu öffnen. Das sind Situationen, die ich als entwürdigend empfinde.

Frankreich, Paris: Eine Demonstrantin hält bei einer Protestaktion gegen Polizeigewalt und Rassismus ein Schild, das auf die Bevorzugung von weißen Menschen hinweist. Die "Black Lives Matter"-Proteste wurden durch den Tod von George Floyd ausgelöst, der a
Frankreich, Paris: Eine Demonstrantin hält bei einer Protestaktion gegen Polizeigewalt und Rassismus ein Schild, das auf die Bevorzugung von weißen Menschen hinweist. Die "Black Lives Matter"-Proteste wurden durch den Tod von George Floyd ausgelöst, der a © Thibault Camus/AP/dpa

Wie sind Ihre Eltern damit umgegangen? Haben Sie Ihnen helfen können?

Meine Eltern sind der Fels meines Lebens und die wichtigsten Menschen der Welt für mich. Was ich bin, verdanke ich ihnen, verdanke ich vor allem meiner Mutter, die vor einigen Jahren gestorben ist. Beide haben mich immer unterstützt und alles getan, damit ich meinen Traum, Tänzer zu werden, verwirklichen kann. Ich bin aufgewachsen im Süden von Chicago, wo hauptsächlich Schwarze leben. Es gibt dort Viertel mit viel Armut, Gewalt und Kriminalität. Ich sah Kinder und Jugendliche, die Drogen nahmen, nicht zur Schule gingen, um die sich niemand kümmerte. Im Vergleich dazu bin ich privilegiert aufgewachsen. Meine Eltern hatten immer Arbeit. Meine Mutter arbeitete für die Stadt in Parks, mein Vater auf dem Bau. Wir lebten in einer guten, ruhigen Nachbarschaft. Ich würde sagen, dass wir so eine Art Mittelklasse bildeten. Mein Vater fuhr mich fast täglich 30, 40 Minuten ins Zentrum zur Ballettschule. Abends holte er mich wieder ab.

Wann haben Sie Ihre Liebe zum Ballett entdeckt?

Tanz ist ein wesentlicher Bestandteil der schwarzen Kultur in Amerika. Wenn wir zusammenkommen, ist da immer Musik, Tanz, Gelächter. Meine Mutter liebte Tanzen. Eines Tages sah ich einen schwarzen Steptänzer in einer Pepsi-Werbung. Ich war wie elektrisiert. Das wollte ich auch machen. Ich habe Monate gebettelt, um Weihnachten solche Schuhe zu bekommen. Dann habe ich eine Stepschule besucht und war mit Leidenschaft dabei. Später erzählte ein Kollege meiner Mutter von einem öffentlichen Programm. Eine Chicagoer Compagnie bot Ballettunterricht an im Süden der Stadt, wo es solche Möglichkeiten sonst nicht gab. Sie meldete mich an. Ich hatte das Glück, gleich auf einen Lehrer zu treffen, der mich förderte.

War es schwierig für einen afroamerikanischen Jungen, seinen Traum vom Ballett zu verwirklichen?

Dass ich der einzige schwarze Junge unter vielen Weißen war, habe ich eher als Herausforderung betrachtet. Als Weg, mich zu beweisen und allen zu beweisen, dass ein schwarzer Junge genauso gut in diese vorwiegend weiße Ballettwelt passt. Mir war ja auch klar, dass ich einfach tanzen muss und mich durch nichts und niemanden in der Welt daran hindern lasse. Und so habe ich nie erlebt, dass sich mir Türen verschlossen hätten, weil ich schwarz bin. Ich bin sozusagen hindurchgetanzt.

Sind schwarze Balletttänzer immer noch die Ausnahme?

Die Compagnien in der ganzen Welt sind von den Nationalitäten her gemischt, aber Schwarze im Ballett sind die Ausnahme. Selbst als ich in New York an der American Ballet School war, konnte ich die schwarzen Tänzer an einer Hand abzählen.

So wie hier in Mannheim demonstrierten Menschen auch in zahlreichen deutschen Städten mit sogenannten "Silent Demos" gegen Rassismus.
So wie hier in Mannheim demonstrierten Menschen auch in zahlreichen deutschen Städten mit sogenannten "Silent Demos" gegen Rassismus. © Uwe Anspach/dpa

Haben Sie jemals überlegt, in einer rein schwarzen Compagnie zu tanzen?

Natürlich habe ich darüber nachgedacht. Aber ich will die Welt etwas durcheinanderwirbeln, eine Art Kampf führen. Ich will etwas beweisen durch meine Arbeit. Nämlich dass jeder Mensch überall arbeiten und leben kann, wenn er oder sie das will.

Gibt es Rollen, die Sie wegen Ihrer Hautfarbe nicht tanzen dürfen?

Nein, aber das liegt ebenfalls an den glücklichen Umständen, die sich mir eröffnet haben. In meinem letzten Ausbildungsjahr in New York bekam ich das Angebot, als Tänzer an die Semperoper zu gehen. Damals war ich 18. Gearbeitet habe ich bislang nur in Dresden, also kann ich nur von Dresden sprechen. Ich habe hier nie eine Rolle bekommen oder nicht bekommen wegen meiner Hautfarbe. Meine Hautfarbe ist noch nie missbraucht worden als so eine Art Marketinginstrument, um der Öffentlichkeit zu zeigen, seht her, wie weltoffen wir sind. Aber genau diese Dinge passieren ständig in amerikanischen Ballettensembles. Dort sieht man kaum Schwarze als Prinz in Sleeping Beauty oder in Schwanensee. In Dresden durfte ich den Prinzen im Nussknacker tanzen. Allerdings sind schwarze Prinzen im deutschen Ballett insgesamt ebenfalls sehr selten.

Mit was für Gefühlen kamen Sie 2013 nach Dresden?

Ich wusste so gut wie nichts von Dresden. Nur das, was ich bei Wikipedia gelesen hatte. Und ich hatte Kurt Vonneguts Schlachthof 5 gelesen in der Schule und kannte die Geschichte der Luftangriffe. Das erste Jahr in Dresden war schwierig für mich, ich hatte Heimweh. Ich hatte bisher in großen Städten gelebt, die gemischt und vielfältig waren, trotz aller Probleme mit Rassismus. Ich dachte, das würde überall so sein. Aber das war es nicht. Mich faszinierte an Dresden dieses für Europa so typische Nebeneinander aus Moderne und Geschichte, dem man überall in den Straßen begegnet. Aber ich fühlte mich als einziger Schwarzer weit und breit. Es vergingen Tage oder Wochen, bis ich einen anderen Menschen mit schwarzer Hautfarbe sah. Die Leute starrten mich immerzu an. Viele dieser Blicke schienen zu sagen: Was machst du hier? Am ehrlichsten waren die Blicke der Kinder. Sie waren es nicht gewöhnt, Personen mit einer anderen Hautfarbe zu sehen.

Wie haben Sie die Pegida-Zeit erlebt?

Pegida war furchteinflößend. Wir hörten selbst in der Oper diese Demonstrationen auf dem Theaterplatz, wir hörten die Leute schreien. Aber seit Pegida hat sich auch etwas bewegt. Ich finde, dass es mehr Leute gibt, die interessiert sind an unterschiedlichen Lebensentwürfen und an Menschen, die nicht so aussehen wie sie. Dresden hat sich in dieser Hinsicht stark verändert, und definitiv zum Besseren.

Werden Sie immer noch angestarrt?

Nein, inzwischen nicht mehr so. Aber es passieren immer wieder Dinge, die mir wehtun. Letzten Monat ging ich über die Augustusbrücke, und jemand schrie zu mir: Nigger! Neulich stieg ich in einen Flixbus nach Berlin und gab dem Fahrer das Ticket, und er sagte: Eine Fahrkarte nach Afrika. Vergangenen August hatten wir Tänzer einen Grillabend in Bühlau, um den Beginn der neuen Spielzeit zu feiern. Wir fuhren mit der Straßenbahn zurück, unterhielten uns und lachten. Eine ältere Dame beobachtete uns und lachte. Sie flüsterte meinen Freunden etwas zu, das sie aber nicht verstanden. Also fragte ich sie auf Deutsch, was sie gesagt hat. Sie meinte, dass ich sie an einen Affen im Zoo erinnere. Sie war eine ältere Dame, aber ich habe ihr gesagt, dass ich das verletzend finde. Sie: „Es war ja nur ein Witz.“ Ich konnte ihr nicht erklären, was so eine Bemerkung bei mir auslöst, denn so gut war mein Deutsch leider noch nicht. Aber ich sagte: Für mich ist es nicht witzig.

USA, Los Angeles: Ein von "Black Lives Matter"-Demonstranten angebrachtes Plakat mit der Aufschrift: "Wenn Sie glauben, dass Ihre Maske Ihnen das Atmen erschwert, stellen Sie sich vor, schwarz in Amerika zu sein".
USA, Los Angeles: Ein von "Black Lives Matter"-Demonstranten angebrachtes Plakat mit der Aufschrift: "Wenn Sie glauben, dass Ihre Maske Ihnen das Atmen erschwert, stellen Sie sich vor, schwarz in Amerika zu sein". © Damian Dovarganes/AP/dpa

Wie ging es weiter?

Sie schwieg. Und mich hat es wieder stark beschäftigt. Solche Zwischenfälle ärgern mich. Zugleich denke ich, viele Leute hier sagen das aus Ignoranz heraus. Sie waren über Jahrzehnte weit weg von schwarzer Kultur. Die meisten wissen nicht, wie sie mit schwarzen Menschen umgehen sollen. Das soll keine Entschuldigung sein. Aber diese Umstände spielen eine Rolle.

Gibt es Situationen, die Sie meiden?

Ich fühle mich in Dresden relativ sicher. Aber ich gucke schon um mich, ob alles in Ordnung ist oder ich mich in einer schwierigen Situation befinden könnte. Das ist man als Schwarzer so gewöhnt von klein auf. Außerhalb des Zentrums bewege ich mich nicht allein. Ich möchte aber nicht in Angst leben.

Haben die USA ein größeres Problem mit Rassismus als die Deutschen?

Nein. Rassismus ist überall. Er ist unterschiedlich ausgeprägt in den Ländern, man findet ihn in sehr verschiedenen Formen und Strukturen. In Amerika ist Rassismus offensichtlich. Unser Land ist darauf aufgebaut. George Floyd ist keine Ausnahme.

Haben Sie Hoffnung, dass sich daran etwas ändern lässt?

Das ist es, was Black Lives Matter so großartig macht. Es weckt die Leute auf, vor allem weiße Menschen. Es veranlasst sie, auf sich zu gucken, auf ihre Art, die Welt und andere Menschen zu sehen. Es bringt sie dazu, genauer auf ihre Länder zu blicken, auf deren Prinzipien und Grundlagen. Es führt dazu, dass sie sich damit beschäftigen, was Schwarze aushalten mussten und müssen. Es ist sehr hart, sich zu überdenken und zu merken, dass die Welt, in und mit der man aufgewachsen bist, nicht die Welt der anderen und nicht mehr die Welt von heute ist. Da nehme ich mich selbst nicht aus. Black Lives Matter hat mich dazu gebracht, mich mehr zu äußern, mutiger zu werden. Aufzustehen für das, woran ich glaube.

Mit welchen Mitteln? Würden Sie auch Denkmale stürzen?

Das erste Mittel ist für mich das Gespräch. Vor knapp zwei Wochen war ich bei der Demonstration in Berlin. Demonstrationen sind ein Beginn. Denkmale sind ein Punkt, über den nachgedacht und gesprochen werden sollte. Bei vielen Denkmalen muss man sich fragen: Wer wurde da geehrt, wie geht man heute damit um? In Belgien etwa gibt es Denkmale für einen König, der Ende des 19. Jahrhunderts den Kongo ausplündern und Millionen Menschen töten ließ.

USA, St. Paul: Eine auf dem Boden liegende Statue von Christoph Kolumbus ist von State Troopers umgeben, nachdem sie vor dem "Minnesota State Capitol" von ihrem Sockel gestürzt wurde.
USA, St. Paul: Eine auf dem Boden liegende Statue von Christoph Kolumbus ist von State Troopers umgeben, nachdem sie vor dem "Minnesota State Capitol" von ihrem Sockel gestürzt wurde. © Chris Juhn/ZUMA Wire/dpa

Denken Sie, dass ein neuer US-Präsident etwas bewirken könnte?

Es wird nicht reichen, dass der Präsident wechselt. Ich finde, es ist Zeit für tiefgreifende Reformen, sogar für eine Revolution. In Europa gab es in den vergangenen 250 Jahren viele Revolutionen. In den USA nicht. Es hat sich in all diesen Jahren im Prinzip nichts am Wahlsystem geändert, nichts an der Struktur der Regierung. Die herausgehobene Position des Präsidenten sollte überdacht werden. Ein Einzelner kann heute nicht mehr entscheiden, dafür sind die Sachverhalte in der Welt viel zu kompliziert. Wir Amerikaner hören ständig von der Regierung, dass die USA das beste Land der Welt sind. Der ganzen Welt wird es verkündet, immer wieder. Aber wir sind nicht das beste Land der Welt. Wir haben massive Probleme. Den Europäern ist oft nicht bewusst, in was für einem Luxus sie leben. Hier gibt es eine Krankenversicherung für alle, Urlaubsgeld und bei Krankheit weiterhin Lohn. Angesichts dieses privilegierten Lebens kann ich oft nicht verstehen, warum in Europa Minderheiten ins Visier genommen werden.

Manches, was sie sagen, erinnert an die schwarze Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre. Damals gab es Führungsfiguren wie Martin Luther King, die ihr eine machtvolle Stimme verliehen. Wie ist das heute?

Das haben wir momentan nicht. Aber ich finde, das ist der Reiz dieser Bewegung. Dieser Prozess der Bewegung und Veränderung kommt von den Menschen. Das ist eine starke Botschaft: Leute können zusammenkommen und etwas verändern. Sie können kämpfen, weil sie es wollen, nicht weil sie jemand auffordert oder zwingt.

Martin Luther King entwarf 1963 seinen Traum von einer Welt, in der die Menschen die gleichen Rechte haben, in sozialer und politischer Hinsicht. Was ist Ihr Traum, als Tänzer und als Mensch mit schwarzer Hautfarbe?

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Das Gespräch führte Christina Wittig-Tausch

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