merken
PLUS

Es klappert wieder

Zwischen Zittau und Löbau könnte es in zehn Storchenhorsten Nachwuchs geben. Viele Nester sind aber leer.

© Gerd Goldberg

Von Holger Gutte

Zittau/Löbau. Zehn Horste sind derzeit zwischen Zittau und Löbau mit Storchen-Paaren besetzt. Es könnten viel mehr sein. Denn Nester gibt es noch. Sie werden aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht angenommen, sagt Dietmar Spittler. Er ist der Storchenbeauftragte des Naturschutzbundes für den Altkreis Zittau. Auf sieben Horsten könnte es in diesem Jahr in seinem Zuständigkeitsbereich Storchennachwuchs geben. Die Zahl ist in den letzten Jahren etwa konstant geblieben, wenn auch nicht immer die gleichen Standorte genutzt wurden, schildert er.

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

... und Bertsdorf gelungen.
... und Bertsdorf gelungen. © Gerd Goldberg

Hobbyfotograf Gerd Goldberg ist es im April wieder gelungen, die Störche in Schlegel, Hainewalde und in Bertsdorf bei der Paarung zu fotografieren. „In diesem Jahr sind sie viel eher da gewesen“, erzählt Ralf Siebenhüner. Er wohnt mit seiner Familie auf dem Zachmann-Hof in Bertsdorf. Seit etwa 15 Jahren brüten dort Störche. Sie haben hier ideale Bedingungen. Zum Dreiseithof gehört ein großer Teich, dahinter liegen Felder und Wiesen. Der Bauernhofbesitzer lässt Gerd Goldberg zum Fotografieren extra aufs Dach. Die Bertsdorfer Störche müssen schon Junge haben. Zwar kann man sie noch nicht sehen, aber am Montagmittag konnte man eindeutig beobachten, wie die Elterntiere abwechselnd immer wieder Futter hochwürgen und mit dem Schnabel dann eindeutig Fütterungsbewegungen machen.

Und von dem Storchenpaar in Schlegel weiß Gerd Goldberg sogar, dass sich hier ein „polnischer“ Storch angesiedelt hat. Auf einem seiner Fotos kann man zwar die Ringnummer nicht erkennen, aber deutlich die Landeskennzeichnung, erzählt er.

So krass wie rund um Görlitz, wo in diesem Jahr mehr Nester als in den Jahren zuvor nicht besetzt sind, sieht es aber zwischen Zittau und Löbau nicht aus. Zumindest scheint es in diesem Gebiet kein Nahrungsproblem zu geben, wie in Görlitz vermutet wird. „Sonst würden die Störche weiterziehen“, sagt Dietmar Spittler.

In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird der Weißstorch als gefährdete Vogelart geführt. Deutschlandweit gesehen, nimmt die Zahl der Brutpaare zwar zu. Gebietsweise kommt es jedoch zu drastischen Rückgängen. In Sachsen gab es 1998 noch 403 Brutpaare. Im vorigen Jahr waren es nur noch 298.

In der Oberlausitz liegt heute ein Schwerpunkt im Vorkommen des Weißstorches in Sachsen. Dabei war er hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch sehr selten zu finden. Erst seit Mitte der 1950er Jahre nahm der Bestand kontinuierlich zu. Allerdings sei seit mehreren Jahren auch hier wieder ein zum Teil deutlicher Rückgang zu beobachten, sagt Annett Hertweck vom Förderverein für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Der Erfassung zufolge gab es im Jahr 2008 im Landkreis Görlitz insgesamt 55 Brutpaare mit 113 Jungen. Im vorigen Jahr waren es nur 38 Elternpaare mit 41 Jungtieren. Dabei wechseln sich gute und schlechte Jahre ab, aber der Abwärtstrend hält momentan an. Der Förderverein bemüht sich dabei vor allem um den Erhalt von Lebensräumen und Nistplätzen. Er betreut zurzeit um die 40 Storchenhorste in Ostsachsen.

„Wenn man sieht, dass Störche immer wieder über ein Gebiet fliegen und sich womöglich einen Standort suchen, kann man ihnen auch helfen“, sagt Dietmar Spittler. Manchmal hilft das, so wie beispielsweise in Oberseifersdorf. Dort hat die Miku Agrarprodukte GmbH gehandelt, weil sich um den Landwirtschaftsbetrieb drumherum immer wieder Störche aufhielten. Und der neu entstandene Horst ist jetzt besetzt. In Wittgendorf ist es dagegen nicht so gut gelaufen. Auf dem Horst in der Nähe der Kirche ist extra ein neues Gestell aufgesetzt worden. Trotzdem ist er nicht besetzt, berichtet Dietmar Spittler.

Anders in Kittlitz. Dort haben Weißstörche einen neuen Horst angenommen, schildert der Storchenbeauftragte des Naturschutzbundes für den Altkreis Löbau, Klaus Benitz. Auch in Bischdorf und Ruppersdorf könnte es in diesem Jahr vielleicht mit Nachwuchs klappen. „In Bernstadt stand jetzt ein paar Mal ein Storch auf dem Nest“, erzählt er. Aber ob er bleibt und einen Partner hat, kann er noch nicht sagen. Und in Großhennersdorf wird das Nest auch in diesem Jahr wieder nicht genutzt.

Die vielen leeren Horste haben für Dietmar Spittler aber nicht immer damit zu tun, dass es weniger Störche gibt. „Es sind in den letzten Jahren auch viele hinzugekommen, die von Menschenhand angelegt wurden. In Olbersdorf gibt es gleich mehrere Horste, die aber schon seit vielen Jahren leer sind. „Der Storch hat halt so seine eigenen Vorstellungen“, sagt er. Und manchmal wird ein für ihn angelegter Horst auch zweckentfremdet, wie im Kloster St. Marienthal in Ostritz. Dort haben sich nun schon das dritte Jahr Stockenten angesiedelt. Storchenlos ist die Stadt dennoch nicht. Ein Nest am Sportplatz und eines auf dem Schornstein des Ostritzer Heizwerkes sind wieder besetzt. (mit SZ/ag)