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„Es liegt leider nicht in unserer Macht“

Die Osterreiterprozession findet voraussichtlich nicht statt. Aber bis zuletzt gilt in Wittichenau das Prinzip Hoffnung.

Diesen Anblick wird es in diesem Jahr definitiv nicht geben – die Wittichenauer Osterreiterprozession.
Diesen Anblick wird es in diesem Jahr definitiv nicht geben – die Wittichenauer Osterreiterprozession. © Archivfoto: Uwe Schulz

Wittichenau. Ununterbrochen lebt die Tradition. Seit 1541 überbringen die Wittichenauer Osterreiter Jahr für Jahr die Frohe Botschaft der Auferstehung Jesu Christi in die Nachbar-Pfarrgemeinde Ralbitz. Die Wittichenauer Prozession ist die am längsten bestehende und zahlenmäßig stärkste Prozession der insgesamt neun Osterreiter-Prozessionen in der Oberlausitz.

Laut Verfügung des Freistaates Sachsen darf sie dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. „Wir können das nicht beeinflussen. Es liegt leider nicht in unserer Macht“, meint Michael Kretschmer aus Dubring, seit 2007 Leiter des sorbischen Teils der Wittichenauer Prozession, mit Bedauern. In diesem Jahr würde er zum 43. Mal in der Prozession mitreiten.

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Steffen Kobalz aus Wittichenau ist seit 2013 Leiter der Gesamt-Prozession. In diesem Jahr würde er zum 31. Mal mitreiten. Definitiv äußern will er sich zur untersagten Osterreiter-Prozession nicht. „Es gelten die Richtlinien und Bestimmungen der Behörden. An die gilt es sich zu halten. Alles andere wäre reine Spekulation“, sagt der Wittichenauer. Die verbindliche, endgültige Entscheidung fällt seines Erachtens am Ostersonntagmorgen. Bis dahin gelte es, sich an die geltenden Vorschriften zu halten. Möglicherweise werde die Corona-Lage Ostern neu bewertet. Bis dahin gelte es abzuwarten.

Ein gewohnter Anblick wird fehlen

David Statnik, seit März 2011 Vorsitzender der Domowina, ist selbst vom Corona-Virus betroffen. Seit Jahren reitet er in der Ralbitzer Prozession mit. „Ich bin sehr traurig, wenn ich daran denke, dass uns der gewohnte Anblick der Osterreiter dieses Jahr fehlen könnte. Bisher war das für mich – wie für viele Menschen – unvorstellbar. Weder Krieg noch Diktaturen vermochten diesen Ausdruck unseres Glaubensbekenntnisses zu verhindern“, schrieb er vor wenigen Tagen in einer Pressemitteilung. „Persönlich bin ich inzwischen positiv auf Corona getestet und deshalb zu Hause in Isolation. Ohne vollständige Heilung wäre ich als Osterreiter für meine Familie, die Gemeinde, die anderen Osterreiter, Freunde und Zuschauer eine Gefahr, zumal Ostern nicht auf dem Pferd, sondern in der Kirche beginnt.“ Laut David Statnik muss eine dramatische Lage wie in Italien hierzulande unbedingt abgewendet werden.

Mit kreativen Ideen in der Krise

Für ihn selbst bedeute Corona, Gott sei Dank, nur eine Erkältung. Für viele andere, vor allem ältere Menschen, kann Corona tödlich sein. „Gerade auch wir Sorben haben in den letzten Wochen gezeigt, dass wir in dieser Krise mit kreativen Ideen bestehen können, zum Beispiel mit Gottesdiensten über Livestream und Radio, mit gemeinsamem Beten auf der Basis digitaler Technik, mit Chorproben übers Internet und vielem anderen mehr“, sagt David Statnik. Er wünscht sich, dass die Botschaft der Osterreiter von der Auferstehung Jesu Christi auch in diesem Jahr öffentlich lebendig ist. Dabei wünscht er den Kantoren, Organisatoren und Verantwortlichen Kreativität bei ihren Entscheidungen. „Ostern möge auch in diesem Jahr für alle ein Fest des Lebens sein – zur Ehre Gottes und zum Wohl auch des sorbischen Volkes.“

Mit Bedauern und mit Einsicht reagiert das Landratsamt Bautzen. „Es ist sehr schade, aber die Situation erfordert leider dieses Verbot“, sagt Sabine Rötschke, Mitarbeiterin der Pressestelle. Das Landratsamt habe am 24. März 2020 von der Landesdirektion eine Klarstellung der rechtlichen Wirkungen der damals bestehenden Allgemeinverfügungen für das Osterreiten erhalten. „Wir reagieren auf konkrete Anfragen von Gemeinden und Osterreitern und stehen auch in Kontakt mit den Bistümern.“ Sabine Rötschke verweist ebenfalls auf das Dekret der Gottesdienst-Kongregation des Vatikans vom 25. März. Unter dem Titel „Das Virus stoppen, nicht das Gebet“ soll über Bischofskonferenzen und einzelne Bistümer den Familien und den Gläubigen Material zum Gebet in den Kar- und Ostertagen zur Verfügung gestellt werden.

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