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„Es muss ein Ruck durch Jonsdorf gehen“

Sieben junge Jonsdorfer wollen frischen Wind in den Rat bringen – für die CDU. Anett England, Bernd Eifler und Jens Jungmichel sagen, wie.

Von Gesine Schröter

Entschlossen, jung und dynamisch. So beschreiben sich die insgesamt sieben Kandidaten, die für die CDU in den Jonsdorfer Gemeinderat einziehen wollen. Derzeit stellen die Christdemokraten lediglich zwei von 14 Räten in dem Gebirgsort und bilden damit nur ein kleines Gegengewicht zur Übermacht der restlichen zwölf, allesamt von den Freien Wählern – Bürgerforum Jonsdorf. Das Gremium wird sich angesichts der rückläufigen Einwohnerzahlen zur nächsten Legislatur allerdings auf zwölf Mitglieder verkleinern. Im SZ-Interview erklären Anett England, vormals Steudtner, Jens Jungmichel und Bernd Eifler, wie sie die Wähler für sich gewinnen wollen.

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Großes Bild: Anett England und Jens Jungmichel kämpfen gemeinsam mit (kleine Bilder von links) Uwe Steudtner, Mario England, Marcel Günther, Frank Honisch und Bernd Eifler für möglichst viele CDU-Sitze im Jonsdorfer Gemeinderat. Sie wollen unter anderem d
Großes Bild: Anett England und Jens Jungmichel kämpfen gemeinsam mit (kleine Bilder von links) Uwe Steudtner, Mario England, Marcel Günther, Frank Honisch und Bernd Eifler für möglichst viele CDU-Sitze im Jonsdorfer Gemeinderat. Sie wollen unter anderem d © SZ Thomas Eichler

Frau England, Sie sind bereits eine von zwei CDU-Gemeinderäten in Jonsdorf. Warum ist Ihre Partei eigentlich nicht jetzt schon stärker im Rat vertreten?

England: Beim letzten Mal waren wir nur drei Kandidaten. Da war es noch schwieriger, gegen diese Übermacht der Freien Wähler und ihre Masse an Kandidaten anzukommen. Bernd Eifler hat das selbst zu spüren bekommen.

Eifler: Ich habe mich bereits bei der vergangenen Gemeinderatswahl als Kandidat aufstellen lassen, bin aber an genau dieser Übermacht gescheitert. Jetzt haben wir sieben Leute zusammenbekommen. Das erhöht unsere Chancen auf einen Gegenpol.

England: Was uns den Einzug in den Gemeinderat aber zusätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass das Bürgerforum seine Wähler täuscht.

Was meinen Sie damit – das Bürgerforum täuscht seine Wähler?

England: Die Freien Wähler gehen auf Stimmenfang mit Personen, die später gar nicht in den Gemeinderat einziehen können. Als einer der 14 Kandidaten hat sich Bürgermeister Christoph Kunze aufstellen lassen. Weil die Jonsdorfer Bürger ihn kennen, geben sie ihm ihre Stimme. Aber Herr Kunze kann natürlich nicht gleichzeitig Bürgermeister und Gemeinderat sein. So kommt am Ende nicht er ins Gremium, sondern ein anderer von den Freien Wählern mit weniger Stimmen rückt nach. Das ist per Wahlrecht zwar erlaubt, wird aber nur so in Jonsdorf vollzogen und ist in unseren Augen eine Täuschung des Wählers. Denn der ist sich solcher Dinge oftmals nicht bewusst.

Was wollen Sie außerdem anders machen als die Freien Wähler?

England: Wir wollen mehr Bewegung reinbringen. Es muss ein Ruck durch Jonsdorf gehen. Wir beobachten, dass sich bei einigen Räten mit der Zeit eine gewisse Betriebsblindheit einschleicht, so nach dem Motto: „Läuft ja alles.“ Wir vermissen bei vielen das Interesse für den Ort. Wir laufen aber mit offenen Augen durch Jonsdorf. Und sehen zum Beispiel, dass die geschaffenen touristischen Anlagen wie Kurpark oder Trimm-dich-Pfad zu wenig instand gehalten werden. Wir sagen auch mal „Nee“ zu einem Antrag, anstatt bei der Abstimmung automatisch die Hand zu heben. Wir wollen für mehr Diskussion im Gemeinderat sorgen und haben Lust, Dinge zu verändern. Deshalb ist es uns wichtig, dass mehr von uns im Gemeinderat sitzen als jetzt.

Die anderen sechs Kandidaten waren vorher noch keine Gemeinderäte. Warum gehen Sie für die CDU ins Rennen?

Eifler: Wir wollten uns engagieren, hatten aber keine andere politische Heimat.

Jungmichel: Der Vorteil bei der CDU ist, dass wir Ansprechpartner haben, im Gemeindeverband, Dresden, Berlin. An die können wir uns mit Fragen wenden.

Und wie wollen Sie die Jonsdorfer von sich überzeugen?

England: Mit Präsenz. Wir sind bürgernah und im Ort bekannt. Außerdem kommen wir aus ganz verschiedenen Bereichen: Selbstständige und Angestellte aus den Bereichen Soziales, Handwerk, Medien und Kultur, Bau und Transport – das ist doch eine gute Mischung. Und wir sind jung: Der Älteste von uns ist 46. Wie präsent wir sein können, zeigen wir auch am 10. Mai. Da starten wir einen Arbeitseinsatz im Kurpark, bei dem wir gemeinsam die Wiesen und Wege wieder schön machen wollen. Da hoffen wir auch sehr auf Zuspruch von den Jonsdorfern.

Sie wollen viel bewegen, aber leisten kann sich Jonsdorf in der Zukunft nicht viel. Der Haushalt ist dieses Jahr gerade noch so durchgegangen, für die nächsten Jahre sieht es nach einem Minus aus. Wie wollen Sie damit umgehen?

Jungmichel: Dass die finanziellen Mittel der Gemeinde eingeschränkt sind, dessen sind wir uns bewusst. Das neue Feuerwehrdepot musste und das Großprojekt Großschönauer Straße muss sein, beide haben aber für Ebbe in der Gemeindekasse gesorgt. Deswegen machen wir uns keine Illusionen, was neue Investitionen angeht. Vielmehr müssen wir den Haushalt sichern und das Bestehende instand halten: Eishalle, Schmetterlingshaus, Gebirgsbad, Waldbühne, Kurpark und so weiter. In vielen Fällen kann auch sichtlich etwas verbessert werden, ohne größere finanzielle Ausgaben. Überhaupt ist es unser Ziel, den Tourismus zu fördern.

Stichwort Tourismus: Auch da erlebt Jonsdorf nicht gerade seine Blütezeit. Was kann aus Ihrer Sicht getan werden, um ihn zu stärken?

England: Der Tourismus ist ein enorm wichtiges Thema. Dabei geht es uns um eine andere Denkrichtung: In allen Gebirgsorten müssen sich die Leute dessen bewusst sein, dass der Tourismus unsere gemeinsame Nährquelle ist und dass wir deswegen zusammenhalten müssen. Es darf nicht jeder Seins machen. Wir müssen uns zusammensetzen, um uns besser zu vermarkten.

Womit zum Beispiel?

England: Ganz klar, zum Beispiel mit unserer Bimmelbahn. Andere würden sich alle zehn Finger lecken nach so einer Bahn, die den Berg hinaufschnauft. Oder unsere tollen Wanderwege mit den Felsgebilden. Dass so etwas nichts Selbstverständliches ist, müssen wir kapieren und publik machen. Zusammen.